Lübeck riecht gut. Man merkt es gleich, wenn man am Bahnhof aussteigt: Da liegt etwas in der Luft, das so gar nicht an Berlin erinnert. Und nein, es nicht der Duft von Marzipan.
Es ist ein Geruch, dem die staubige Note der Großstadt fehlt. Lübeck riecht irgendwie heile, und das ist es wohl auch.
Lübeck ist die „Königin der Hanse“, die Stadt des Niederegger Marzipans und die Heimat Thomas Manns. Es ist die Stadt der sieben Türme und der hundert Gänge.
Der Charme des „Schattenreiches“, wie man die verwinkelten Hinterhöfe noch heute nennt, ist einer der beliebtesten Ausflugspunkte. Im Mittelalter boten die Höfe Platz für die Armen, bis in die 60er-Jahre hinein umgab sie die verruchte Aura einer zwielichtigen Halbwelt.
Heute ziehen Touristenströme durch die holprigen Gässchen der Altstadt, die von der Unesco 1987 zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Doch egal, wen es hierher verschlägt – man muss den Rücken krumm machen für diese Stadt, denn aufrecht passt kaum jemand durch alle Torbögen.
Blick auf das Holstentor
Eine gute Wahl, um dieser Altstadt so nahe wie möglich zu sein, ist das „Atlantic Hotel Lübeck“. Nur ein paar Gehminuten vom zentralen Kohlmarkt entfernt, schmiegt es sich an die geschwungene Schmiedestraße.
Sucht man sich das richtige Zimmer aus, hat man eine Aussicht über das Gründerviertel bis zur Trave. Entscheidet man sich dann noch für den richtigen Balkon, erhascht man sogar einen Blick auf das Holstentor, das 30 Jahre lang als Wahrzeichen der Stadt die Rückseite des 50-DM-Scheins zierte.
Mit ein bisschen Glück üben gerade ein paar begabte Studenten von der Musikhochschule gegenüber eine verträumte Melodie, und die Sonne bescheint dazu die schiefen Dächer der Stadt. Dann ist Lübeck so, wie es sich gehört: Altmodisch, magisch, unwirklich.
Zahlreiche Legenden werden sich in dieser Stadt zugeflüstert. Viele sind einfach nur Erfindungen vom „Tüdelbüdel“, wie der Lübecker sagt und wie man in speziellen Stadtführungen erfahren kann. In welchen Legenden nun ein wahrer Kern steckt, bleibt oft ein Geheimnis.
Heiratswillige Männer als Bankdrücker
Die schlichten, hölzernen Bänke vor dem historischen Rathaus zum Beispiel. Man sagt, dass früher die Kaufmannsburschen, die heiraten wollten, eine Woche lang jeden Tag für eine Stunde auf diesen Bänken sitzen mussten.
Um ihren festen Heirats-Willen zu bekunden. Und damit betrogene Mägde noch einmal ordentlich zulangen konnten, wenn sie einen Womanizer erwischten.
Man sagt auch, dass es für den Bau der schmalen Gässchen im Schattenreich nur eine Auflage gab: Ein Sarg sollte durchpassen.
Eine andere Geschichte besagt, dass die Marienkirche nur deshalb ohne Gegenwehr vom Teufel gebaut werden konnte, weil man einen Deal mit dem Herrscher der Unterwelt hatte.
Der Teufel lässt die Arbeiter in Ruhe, dafür errichtet man ein Weinhaus direkt neben der Kirche, das ihm die armen Seelen sozusagen zuspült. Der Ratskeller mit seinen prächtigen mittelalterlichen Schaufassaden steht heute noch im Schatten der Marienkirche.
Gegenwind für neue Bauprojekte
Die Lübecker sind stolz darauf, dass ihre Stadt so ist, wie sie ist. Wer ein neues Bauprojekt plant, muss mit Gegenwind rechnen. Auch das „Atlantic Hotel“ hatte zunächst nicht viele Freunde, als es im Frühjahr 2010 eröffnete.
Dabei wurden extra zurückhaltende Klinker ausgewählt, die sich in das historische Stadtbild einfügen, und aus der Schmiedestraße wurde eine verkehrsberuhigte Einbahnstraße, in der man im Sommer unter bunten Schirmen sitzen und Eis essen kann.
Inzwischen haben sich die Lübecker an das neue Hotel gewöhnt, buchen im Winter den urigen Weinkeller für Feste oder im Sommer den Veranstaltungssaal mit umlaufender Terrasse unter dem Dach.
Vielleicht hat es etwas mit diesem Blick zu tun, dass in dieser Stadt so viele große Gedanken entstanden sind. Vielleicht war es dieser Blick über die Dächer, hinunter auf eine kleine, heile Welt mit stolzer Historie, der drei Nobelpreisträger inspiriert hat.
Thomas Mann schrieb hier seine „Buddenbrooks“, einen Gesellschaftsroman über den Verfall einer reichen Kaufmannsfamilie. Die Kulisse des Romans findet sich heute im Literaturmuseum in der Altstadt wieder. Auch Schriftstellerkollege Günter Grass zog es nach Lübeck, und der ehemalige Bundeskanzler Willy Brandt wurde hier geboren.
Von Plettenpudding und Grünkohl
Den Spuren dieser Männer kann man bis heute in Lübeck folgen. In den „Buddenbrooks“ ist häufig die Rede vom Lübecker Plettenpudding, eine Süßspeise aus Biskuitkuchen, Himbeeren, Makronen und Eiersahnecreme.
Dieses Rezept lässt sich zwar in klassischen Kochbüchern dieser Zeit nicht finden, aber natürlich wird der Pudding „nach Thomas Mann Art“ in Lübeck verkauft. Zum Beispiel in der „Schiffergesellschaft“.
Das ehemalige Versammlungshaus der Kapitäne ist eines der bekanntesten Restaurants der Stadt. Schummerige Räume mit langen, blank gescheuerten Holztafeln, von der Decke hängen Fischernetze und Schiffmodelle. Auf der Speisekarte stehen regionale Spezialitäten wie Labskaus, Aal in Gelee oder diverse Variationen von Grünkohl.
Wer es lieber fleischig mag, ist wieder gut im „Atlantic Hotel“ aufgehoben. Das Restaurant „Salis“ bereitet zarteste Steak-Spezialitäten auf dem Lavasteingrill, die jeder Gast individuell mit Beilagen kombinieren kann.
Das Ambiente des Restaurants ist zurückhaltend, aber elegant, genau wie der Rest des Hotels. Aber das Beste bleibt der Blick. Und vielleicht die großen Gedanken dazu.
Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von „Atlantic Hotel“. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit


