Man könnte meinen, diese Stadt sei ein einziger Irrtum. Die erste verbriefte Erwähnung Rostocks geht – wie könnte es anders sein – auf einen Geschichtsschreiber zurück. Aber nicht auf einen aus dem Hause Kaiser Friedrich I. Barbarossa, sondern auf den dänischen Geistlichen Saxo Grammaticus. Er erwähnt "urbs roztoc" im Jahr 1161 – in seiner Chronik "Gesta Danorum".

Das Rostock, das er meinte, war eine slawische Siedlung zwischen dem heutigen Petridamm und dem östlichen Ufer des Flusses Warnow. Kurz danach wurde die Siedlung ein Opfer der Flammen. Aber immerhin: Am Westufer ging die Besiedlung weiter, deutsche Kaufleute und Handwerker entwickelten in der Gegend nahe der heutigen Petrikirche einen Handelsplatz von Bedeutung. Und der hieß immer noch "Roztoc".

Irrtümlicherweise wird die Gründung Kloster zum Heiligen Kreuz im Jahr 1270 der Königin Margarete Sambiria von Dänemark zugeschrieben. So will es die Legende, doch mittlerweile herrscht die Meinung vor, dass wohl Rostocker Bürger als Stifter einen größeren Einfluss nahmen als angenommen. Wer das sehenswerte Kloster (das entgegen der Ordensregel der Zisterzienser innerhalb und nicht außerhalb der Stadtmauer entstand), besucht und im hier beheimateten Kulturhistorischen Museum den früheren Kreuzgang betritt, kann gar nicht anders, als sich das gut neun Meter mal 1,80 Meter große Ölgemälde von 1765 zu betrachten, das eben jene Königin Margarete in einer Klostergründung-Bildergeschichte zeigt. Historischer Schönheitsfehler: Die dänische Königin steht zwar inmitten des Zisterzienserinnenkonvents, doch die ochsenblutrote Farbe der Klosteranlage illustriert, wie die Fassaden im 18. Jahrhundert und nicht zu Margarete Sambirias Zeit aussahen.

Die seltsame Geschichte der Rostocker Blücher-Statue

Auf einen weiteren Irrtum wird der Rostock-Besucher womöglich bei einer Stadtführung hingewiesen, die täglich bei der Tourist-Information am Universitätsplatz startet (Dauer: etwa 1,5 Stunden; Kosten: 4 Euro, für "RostockCard"-Inhaber kostenlos): Die "Professorenhäuser" direkt vor dem Kloster zum Heiligen Kreuz wurden zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert für die Unterkunft der Stiftsdamen erbaut, heißen im Volksmund aber irreführenderweise "Professorenhäuser". In den Häusern befinden sich unter anderen das Walter-Kempowski-Archiv, die Klosterschmiede und das "Café Kloster".

Einer regelrechten Zeitungsente verdankt der 1742 in Rostock geborene preußische Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher ein Denkmal in der Hansestadt. In einer Zeitung wurde im Sommer 1814 ein Artikel veröffentlicht, der über den Plan der Stadt Rostock berichtete, Blücher ein Denkmal zu errichten. Die Kaufleute der Stadt hätten bereits Geld gesammelt, die Zustimmung in der Bevölkerung sei auch da. Mehrere andere Zeitungen übernahmen die Meldung, Blücher war hoch erfreut und bedankte sich schriftlich bei den Stadtvätern. Nur – die wussten von nichts. Die Geschichte war frei erfunden, der moralische Druck da, und so wurde die überlebensgroße Blücher-Statue (von Johann Gottfried Schadow in Berlin gefertigt) auf einem Granitsockel samt Relief im August 1819 feierlich auf dem Hopfenmarkt – heute Universitätsplatz – enthüllt.

Rostock vom Zentrum aus erkunden

Um diese Rostocker Sehenswürdigkeiten zu besuchen, kann es kein Irrtum sein, möglichst im Zentrum zu wohnen. Einige ordentliche Hotels befinden sich in der Innenstadt, so etwa das "Radisson Blu Hotel" im Westen der Altstadt am Kröpeliner Tor, mitten drin ist das "Pentahotel Rostock" und gleich am Neuen Markt steht das "Steigenberger Hotel Sonne".

Wer auf klassische Hotellerie verzichten kann und lieber individuell wohnen mag, sollte sich die modernen Wohnungen im "Hotel Rostock Apartment", gleich neben dem "Steigenberger" in der Großen Wasserstraße 10, ansehen. Die 15 Zwei- und Dreizimmer-Apartments mit separaten Wohn- und Schlafbereichen bieten mit 45 bis 72 Quadratmetern deutlich mehr Platz als Hotelunterkünfte und die Möglichkeit, sich selbst zu verpflegen und zwischendurch mal einen Espresso oder Tee zuzubereiten. Auf ein ausgiebiges Frühstück (vier stehen zum Preis von zehn Euro p. P. zur Wahl) muss in dem erst 2008 eröffneten Haus niemand verzichten, es wird zur gewünschten Zeit in die Wohnung gebracht – einer ersten Mahlzeit bei Sonne auf dem privaten Balkon steht nichts im Wege. Auch ein Lunchpaket kann für zehn Euro dazugebucht werden. Das Auto parkt bei Direktbuchung kostenfrei in der Hotelgarage direkt im Hause. Denn die Stadt zu Fuß zu erkunden, wird einem in Rostock denkbar einfach gemacht.

Ehemaliges Stasi-Gefängnis regt zum Nachdenken an

Selbst der Weg in die sehr nachdenklich stimmende Dokumentations- und Gedenkstätte in der ehemaligen Stasi-Untersuchungshaftanstalt (in der Herrmannstraße 34b) ist nicht sehr weit. Nicht irrtümlicher-, sondern irrsinniger Weise wurden hier 30 Jahre lang – bis 1989 – Tausende DDR-Bürger inhaftiert, verhört, verstört, verängstigt und zu Geständnissen genötigt. Anhand von Originaldokumenten, Original-Tondokumenten, Videos, Fotos und Zeitzeugenberichten werden Leid und Leben in der Stasi-U-Haft eindringlich dargestellt.

Zerstreuung nach aufwühlender Erinnerung an ein Stück unrühmliche deutsche Geschichte findet man dann beispielsweise in den parkähnlichen, Schatten spendenden Wallanlagen, die im Mittelalter Teil der Stadtbefestigung waren. Von den ursprünglich 22 Stadttoren zeugen heute nur noch vier (Kröpeliner Tor, Steintor, Kuhtor, Mönchentor).

Viel Natur im "IGA Park Rostock"

Auch wenn man maritime Luft schnuppern will, kann man das Auto getrost stehen lassen. Bis zum "IGA Park Rostock" direkt am Warnowufer gelangt man beispielsweise mit der S-Bahn (Haltestelle "Lütten-Klein"). Der Park bietet nicht nur viel Natur und gepflegte Gärten, an Bord des "Traditionsschiffes Typ Frieden" kann man mit dem Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum das größte schwimmende Museum Deutschlands erkunden.

Und auch, um das Seebad Warnemünde zu erkunden, benötigt man kein Auto. Von Lütten-Klein sind es nur weitere sieben S-Bahn-Minuten (vom Rostocker Hauptbahnhof 20 Minuten) bis nach Warnemünde. Dort staunt man über die aberwitzig vielen Besucher der Gastro-Meile am Alten Strom, die sich gegenseitig zwischen Boutiqen, Andenkenläde und Fischbrötchenständen schieben. Womöglich hat gerade eines der fast 200 Kreuzfahrtschiffe, die 2013 im "beliebtesten Kreuzfahrthafen Deutschlands" erwartet werden, ein paar Tausend Gäste an Land gelassen. Wer dann eine Hafenrundfahrt gemacht hat und nun den Horizont auf der Ostsee suchen will, flaniert durch das Gewirr der Straßen und Gassen bis zur Seepromenade (und blickt vielleicht mal ins neue "a-ja Resort Warnemünde" westlich des "Hotel Neptun" ).

Dann geht es barfuß am Strand zurück Richtung Westmole bis zum 115 Jahre alten Leuchtturm (ein Aufstieg wird mit imposantem Ausblick versüßt) und zum Warnemünder Wahrzeichen "Teepott". Der 1967 erbaute Teepavillon erinnert architektonisch an die Kongresshalle im Berliner Tiergarten. Wer dann unter Palmen in den weißen Gartenmöbeln der Strandbar "Schusters" sitzend in den kitschig schönen Sonnenuntergang blickt, wähnt sich am Mittelmeer, womöglich auf Ibiza. Welch schöner Irrtum.

Anreise Mit dem Auto über die A24 bis Wittstock, weiter auf der A19. Mit der Bahn ab Berlin-Hauptbahnhof mit InterConnex (ab 22 Euro) in 2 Stunden 25 Minuten.

Übernachtung "Hotel Rostock Apartment", Große Wasserstraße 10, 18055 Rostock, Tel. 0381/444 380 90; moderne, vollausgestattete Apartments in drei Kategorien zwischen 45 und 72 Quadratmetern ("Economy": 69-120 Euro, "Business": 79-128 Euro, "Comfort": 118-168 Euro), teilweise mit Balkon. Gute Weiterempfehlungsraten haben auch folgende Innenstadt- Hotels: "Pentahotel Rostock", "Radisson Blu Hotel Rostock", "Steigenberger Hotel Sonne".

Buchtipp "Reiseführer Universitäts- und Hansestadt Rostock" von T. Czarkowski und T. Häntzschel, auch mit Ausflugstipps für das Umland (112 S., 8,90 Euro, Hinstorff Verlag).

Auskunft Tourist-Information Stadtzentrum, Tel. 0381/381 22 22. Die "RostockCard" (Kultur- und Nahverkehrsticket) kostet hier 8 Euro für 24 Stunden. Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern, Rostock, Tel. G 0381/403 05 50.

Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von "Hotel Rostock Apartment". Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie hier.