Ägäis

Griechenlands Insel der Götter – Ein Ausflug nach Delos

Delos ist nur 3,4 Quadratkilometer groß und fast unbewohnt. Doch die griechische Insel hütet einen der größten Schätze des Mittelmeers.

Eine berühmte Sehenswürdigkeit auf Delos ist die Terrasse der Löwen mit kolossalen Statuen aus Marmor.

Eine berühmte Sehenswürdigkeit auf Delos ist die Terrasse der Löwen mit kolossalen Statuen aus Marmor.

Foto: dpa Picture-Alliance / Marco Simoni / picture alliance / Marco Simoni/

Delos.  Der Weingott Dionysos hätte seine helle Freude daran. Vor seinem Bild, das ihn auf einem Leoparden reitend zeigt, scharen sich Trauben von Touristen. Es ist heiß, sehr heiß an diesem Morgen, doch noch ist die Luft herrlich klar. Dutzende haben sich von der Kykladen-Insel Mykonos aufgemacht und die halbstündige Überfahrt nach Delos gewagt, denn die nur 4,5 mal 1,2 Kilometer große und nur von ein paar Archäologen und Museumswärtern bewohnte Insel hütet ein Geheimnis: einen der größten archäologischen Schätze des Mittelmeers.

„Der betrunkene Gott des Weines reitet auf einem Leoparden“, sagt Katerina, als die Sonne über Delos emporsteigt. Das Namensschild auf ihrer Brust weist sie nicht nur als Touristenführerin, sondern auch als Archäologin aus. Heute ist Delos außer von einer Handvoll Menschen quasi unbewohnt, doch vor 2000 Jahren war das Eiland einer der am dichtesten besiedelten Orte weit und breit. Bekannt ist die Insel als „Geburtsort“ des Sonnengottes Apollo. Und tatsächlich: Mit mehr als 300 Sonnentagen im Jahr ist ­Delos einer der sonnenreichsten Orte des Mittelmeers.

Die ganze Insel ist ein Freiluftmuseum

Die Geschichte der Insel geht weit zurück. Bereits seit dem dritten Jahr­tausend vor Christus war Delos ­bewohnt. Von 500 vor Christus an ­erlebte das Eiland einen regelrechten Wirtschaftsboom, der seinen Höhepunkt Anfang des ersten Jahrhunderts vor Christus erreichte. Auf Delos wurde nichts produziert, dafür aber alles ­gehandelt, was damals gefragt war: ­Getreide, Wein, Parfüm und Sklaven. Bis zu 30.000 Menschen lebten zeit­weise auf dem winzigen Eiland, rund 75.000 Schiffe liefen jedes Jahr den ­Hafen an. Vor allem durch den Getreidehandel schwang sich die Insel zu einem der bedeutendsten Handels­plätze des antiken Griechenlands auf.

Heute ist ganz Delos ein Freiluftmuseum, in dem es selbst Kultur­muffeln die Sprache verschlägt. Auf der kleinen Insel reiht sich ein Höhepunkt an den anderen. Der gewaltige Apollo-Tempel, 2000 Jahre alte Statuen unter freiem Himmel, dem Weingott Dionysos ­geweihte Riesenphalli und Delos’ wohl ­berühmteste Sehenswürdigkeit: die Ter­rasse der Löwen mit den Nach­bildungen kolossaler Löwenstatuen aus Marmor, eine Gabe der Naxier aus dem siebten Jahrhundert vor Christus. Die ewigen Wächter von Delos sitzen auf den Hinterbeinen, haben die Mäuler ­geöffnet und ­brüllen bis ans Ende der Zeit.

Delos ist seit 1990 Unesco-Weltkulturerbe

Die Originale stehen wie Hunderte andere Exponate in dem kleinen ­Museum auf der Insel. Und, man sieht es dem unscheinbaren Ge­bäude von außen kaum an: Die neun Räume beherbergen eine der größten antiken Sammlungen der Erde. Trotz geringer Größe gilt ­Delos als eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler und als besterhaltene antike Stadt Griechenlands. Seit 1990 gehört die Insel deshalb zum Welt­kulturerbe der Unesco.

Die Stimmung auf der Insel zieht ­jeden Besucher in den Bann. Den besten Überblick verschafft man sich vom 112 Meter hohen Berg Kyn­thos. Am Morgen ist der Aufstieg noch angenehm. Das schräg stehende Licht bündelt sich wie ein gleißender Strahl auf dem Meer. Um einen herum nichts als Tempel, ­Säulen und Theater. Am Horizont schimmern weiß ein paar Ausflugsboote aus My­konos. Doch die Menschenmassen vor den Windmühlen von Mykonos-Stadt, das Gedränge in den weiß gekalkten Altstadt­gassen und die Bananenboote an den Stränden sind von hier gefühlt so weit entfernt wie der Mond von der Erde.

Auf Mykonos frönen die Touristen ­bereits ab dem frühen Morgen weltlichen Genüssen. Die beliebten Strände Paradise Beach, Super Paradise Beach und Elia Beach quellen über vor Menschen. Delos ist bis heute das komplette Gegenteil. Wer eines der ersten ­Ausflugsboote nimmt, der hat die Insel quasi für sich. Apollo, Artemis und ­Dionysos – sie alle leben hier weiter. ­Irgendwie. Und in diesen frühen Stunden, wenn das Morgenlicht über den Tempeln und Säulen samtweich ­zerfließt, macht das Eiland seinem ­Namen wirklich alle Ehre: Delos, Insel der Götter.

Tipps & Informationen

• Anreise von Hamburg mit British Airways über London oder mit Aegean Airlines über Athen nach Mykonos.

• Unterkunft Auf Delos gibt es keine Übernachtungsmöglichkeit, aber auf dem benachbarten Mykonos. Die exklusive Windmühle „Anemos“ in der Panigirakis-Burg über der Altstadt von Mykonos-Stadt kann ab 200 Euro pro Nacht gemietet werden (www.mykonoscastle.eu). Ein Doppelzimmer mit Meerblick im Vier-Sterne-Hotel „Ilio Maris“ kostet ab 98 Euro (www.iliomaris.com).

• Geführte Touren Ab 9 Uhr fahren verschiedene Fährgesellschaften von Mykonos in etwa 30 Minuten nach Delos. Hin- und Rückfahrt kosten rund 20 Euro. Ein verlässlicher Anbieter, der auch geführte Touren anbietet, ist Delos Tours (www. delostours.gr). Im Sommer gibt es auch von Paros und Naxos Boote nach Delos. Eintritt auf die Insel: 5 Euro.

• Weitere Auskünfte Griechische Zentrale für Fremdenverkehr, Tel. 069/257 82 70, www.visitgreece.gr