Volle Bahnsteige, enge Stationen, schmutzige Waggons: In vielen Städten weltweit ist U-Bahn fahren nervig. Nicht so in Pjöngjang. In Nordkoreas Hauptstadt sind die U-Bahn-Stationen prächtig wie Schlösser – ausgestattet mit Marmorsäulen und Kandelabern, mit Wandgemälden und Mosaiken. Die Thematik der Bilder ist allerdings nicht feudal, sondern kommunistisch-heldisch. Abgebildet sind vor allem glückliche Arbeiter und Bauern, die allesamt lächeln.
Und natürlich sind die Bahnhöfe frei von Werbung – in Nordkoreas überschaubarer Wirtschaft gibt es keine Reklame, von der allgegenwärtigen politischen Propaganda einmal abgesehen.
Zur Unterhaltung schallen revolutionäre Lieder durch die repräsentativen Bahnhöfe, die allerdings nicht nach Straßen oder Plätzen benannt sind. Stattdessen tragen sie verheißungsvolle Namen wie „Aufbau“, „Blühendes Licht“, „Sieg“ oder „Triumphale Wiederkunft“. Sie liegen allesamt tief unter der Erde – um sie im Notfall als Schutzraum verwenden zu können. Inoffiziellen Informationen zufolge funktioniert die Belüftung aber nicht mehr einwandfrei, weshalb sich die Schutzfunktion womöglich längst erledigt hat.
DDR-Züge zum Sonderpreis
Der Startschuss für die Pjöngjanger U-Bahn erfolgte 1973 – als erste auf der koreanischen Halbinsel, was von der nordkoreanischen Führung als Sieg über den Süden gefeiert wurde. Die Metro in Südkoreas Hauptstadt Seoul ließ nämlich bis 1974 auf sich warten. Allerdings ist das dortige Netz mit 17 Linien inzwischen viel länger als die U-Bahn in Pjöngjang, die nur über zwei Linien verfügt.
Die ursprünglich eingesetzten Züge wurden unterdessen nach China verkauft. Stattdessen begegnet man heute in Pjöngjangs Untergrund alten Bekannten: ausrangierten U-Bahnen aus Ost- und West-Berlin. 1996 und 1997 wurden zunächst 60 Doppelwagenzüge der Ost-Berliner Baureihe GI (Spitzname: „Gisela“) nach Nordkorea verschifft. Laut „Berliner Kurier“ zahlten die Koreaner den Sonderpreis von 2,4 Millionen Mark für die 120 ausgemusterten Waggons, sie wären sonst verschrottet worden. 1998 kamen dann noch 108 Zweiwagenzüge der West-Berliner Baureihe D hinzu, gebaut in den 50er- und 60er-Jahren; sie sollten ebenfalls verschrottet werden. Neuere U-Bahnen sind in Pjöngjang nicht im Einsatz – statt in neue Waggons investiert man in Nordkorea derzeit lieber in Atomraketen.
Außen wurden die Berliner Züge umlackiert. Innen sehen sie noch aus wie seinerzeit in Deutschland: dieselben Farben, dieselben Bezüge. Allerdings wurden deutsche Werbeschilder entfernt, stattdessen dekorierte man die Waggons mit Bildern der verstorbenen Staatsführer Kim Il-sung und Kim Jong-il.
Touristen dürfen die U-Bahn benutzen – aber nur auf ausgewählten Abschnitten und nur in Begleitung eines offiziellen Aufpassers.


