Sie ersetzen Reiseführer, Landkarte und Stadtplan oder weisen dank GPS den richtigen Weg: Apps, Applications, Anwendungen werden von immer mehr Reisenden als Reiseguide genutzt. Sie können auf Smartphones wie dem iPhone oder Android-Handys oder Tablet-Computer wie Apples iPad heruntergeladen werden. Die App als neues Marketing- und Servicewerkzeug haben vor allem Dienstleister wie Flughäfen, öffentliche Verkehrsbetriebe, Hotels und Restaurants, aber auch Reiseführerverlage für sich entdeckt. Auch immer mehr Städte und deren Tourismusämter hierzulande folgen dem Trend und bieten kostenlose Apps an.

Damit sind sie den USA sogar einen Schritt voraus. Denn weder Las Vegas noch Los Angeles bieten derzeit eine offizielle kostenlose App an. Zwar ist das Angebot von deutschen Großstädten noch überschaubar, doch vielerorts wird an einer App getüftelt und geplant: Immerhin finden es 34 Prozent der Deutschen attraktiv, Reisepläne oder Stadtpläne unterwegs abzurufen. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Reiseveranstalters TUI mit TNS Emnid . Wir haben die Miniprogramme – sie sind allesamt kompatibel mit iPhone und iPad – von sieben großen deutschen Städte beziehungsweise deren Tourismusämtern getestet. Ein Überblick.

Berlin

Hauptstadtbesucher können sich seit August letzten Jahres mit ihrem iPhone bequem durch die Stadt führen lassen. Die App dazu stammt von Berlin.de , dem offiziellen Internetportal des Landes Berlin. Neun Kategorien umfasst die Startseite: Attraktionen, Clubs, Haltestellen, Kinos, Museen, Restaurants, Schwimmbäder, Shops und Veranstaltungen. Die Ortung, also die Lokalisierung des eigenen Standorts (sichtbar in einer interaktiven Karte), erfolgt automatisch beziehungsweise auf Wunsch manuell.

Befindet man sich zum Beispiel auf dem Alexanderplatz, erscheinen 30 Sehenswürdigkeiten der näheren Umgebung inklusive Entfernungsangabe auf dem Handydisplay. Wer das Rote Rathaus wählt, den Sitz des Regierenden Bürgermeisters, sieht neue und historische Bilder und kann einen virtuellen Rundgang durch das Gebäude machen. Die Bedienung erfolgt über Symbole in jeder Ecke, über das Zahnrad unten rechts lassen sich Orts- und Zeiteinstellungen ändern. Berlins Touristeninformation VisitBerlin plant ebenfalls eine App, die im Laufe des Jahres angeboten werden soll.

Hamburg

Was sollte man als Hamburg-Besucher unbedingt gesehen haben? Welche kulturellen Besonderheiten, welche maritimen Höhepunkte darf man nicht verpassen? Die App von Hamburg Tourismus gibt einen Überblick der zahlreichen Angebote der Hansestadt: Auf der Startseite sind acht Rubriken wählbar, wie Sehenswürdigleiten, Einkaufen, Unterkunft, Essen und Trinken sowie nützliche Infos. Letztere informiert etwa über den richtigen Trinkgeldbetrag, Öffnungszeiten und Feiertage. Über die Navigationsleiste lässt sich eine interaktive Karte aktivieren.

Darüber hinaus wird eine Audiotour angeboten, erzählt in zehn Beiträgen. Sie führt unter anderem zum Rathaus, in die historische Speicherstadt und in den Hafen. Um die Tour zu starten, muss in den mobilen Browser hamburg.kubikstadt.de eingegeben werden. Verfügt das Handy über GPS, setzen die Erzählungen bei den einzelnen Stationen automatisch ein. Über dieselbe Webadresse erhält man im Internet eine Hörprobe der Audiotour.

München

Eine eigene App hat das Tourismusamt von München noch nicht, arbeitet aber nach eigenen Angaben daran. Bis dahin fördert es das mobile Angebot des Museumsportals München, das Informationen von 50 Münchner Museen und Ausstellungshäusern umfasst. Ab Mitte April soll das Internetangebot ( www.museen-in-muenchen.de ) auch als App für Smartphones abrufbar sein.

Derzeit bietet die Website die Apps Memory Loops und Famous Books zum Download an. Memory Loops erinnert an die Opfer des Nationalsozialismus in München. 66 Hörbeiträge kann man anhören und im Stadtplan anzeigen. Via GPS kann man sich an die entsprechenden Orte führen lassen. Die Tonspuren basieren auf historischen und aktuellen Originaltönen von NS-Opfern und Zeitzeugen. Die App ist allerdings über 20 MB groß, für den Download muss das Smartphone mit einem WLAN-Netzwerk oder einem Computer verbunden sein.

Köln

Den offiziellen mobilen Köln-Guide hat KölnTourismus von Tourias entwickeln lassen. Das Unternehmen publiziert nach eigenen Angaben offizielle Reiseinformationen von mehr als 100 Tourismusorganisationen über Internet- oder mobile Medien. Im ähnlichen Layout wie die Hamburg-App bietet die Kölner Variante ebenfalls die Rubrik "Nützliche Infos“ wie auch Sehenswürdigleiten, Adressen zum Einkaufen, für die Unterkunft und zum Speisen.

Auch Pauschalangebote des Tourismusamts sind abrufbar. Das "Familienerlebnis“ zum Beispiel umfasst eine Übernachtung mit Frühstück im Viersternehotel im Familienzimmer für zwei Erwachsene und zwei Kinder, Familienessen in einer Kölner Gaststätte sowie je einen Eintrittsgutschein für die Kinder für das Sealife Königswinter. Wer das Paket für 149 Euro buchen möchte, klickt auf "Anrufen“ und wird mit der Telefonzentrale von KölnTourismus verbunden.

Frankfurt am Main

Die Finanzmetropole am Main hinkt in Sachen App etwas hinterher. Weder die Stadt noch das Tourismusamt bieten derzeit Apps für Smartphones. Ein mobiles Angebot ist aber in Planung. Eine mögliche Variante für eine App sei, so eine Mitarbeiterin von Frankfurt Tourismus, die für Besucher relevantesten Inhalte der Internetseiten www.frankfurt.de und www.frankfurt-tourismus.de in einer App zusammenzuführen. Auch über eine interaktive Stadtführung, einen Audioguide, wird nachgedacht, heißt es. Der allerdings soll dann kostenpflichtig sein. Wann die App auf den Markt kommen soll, steht noch nicht fest.


Bis dahin können Frankfurt-Touristen zum Beispiel auf das Angebot von Tourias zurückgreifen, derzeit der am besten gemachte kostenlose Frankfurt-Guide im iTunes Store . Ohne offizielle Stelle wie Stadt oder Tourismusamt im Rücken, wird gleich zu Beginn, noch bevor man auf die Startseite gelangt, mit einem Premium-Upgrade "für nur 1,59 Euro“ geworben. Wer das bezahlt, erhält zusätzlich zum kostenfreien Angebot einige (wenige) Extras wie "Wetter-Informationen“ und "Favoriten“. Kostenlos sind unter anderem die Rubriken Sehenswürdigkeiten wie Römerplatz. Dom und Bankenviertel werden in Text und Bild – inklusive Öffnungszeiten und Eintrittspreisen – aufgeführt. Die "In der Nähe“-Funktion (funktioniert mit GPS-Signal) findet Hotels, Bars, Veranstaltungsorte der näheren Umgebung und zeigt die Orte sowie den eigenen Standort in einem Stadtplan.

Stuttgart

Diese App lässt nichts aus. Den Eindruck jedenfalls gewinnt man, nachdem alle 16 Rubriken durchgeklickt sind. Sehenswürdigkeiten (inklusive Öffnungszeiten und Eintrittspreise sowie Fahrplanauskunft zu öffentlichen Verkehrsmitteln), Essen und Trinken, Events (darunter Ausstellungen, Flohmärkte, Messen) und Hotels, ja selbst Parkplatz-, Geldautomaten- und Toilettenfinder werden geboten. Unter "Aktuelles“ wird der User beispielsweise über neue Projekte aus der Stadtverwaltung informiert.

Dass die App für alle da ist, auch für die Bewohner Stuttgarts, zeigt der Service „Wunschkennzeichen“. Hierüber lässt sich das persönliche Lieblingskennzeichen für das Auto direkt reservieren – ist also nichts für den Besucher. Die Navigation ist übersichtlich und einfach, sofern man weiß, dass der Pfeil nach links manchmal nicht hält, was er verspricht. Um von einer Rubrik wieder auf die Startseite zu gelangen, muss auf das Home-Symbol geklickt werden.

Düsseldorf

Ein paar Wochen jung ist die neueste Version dieser App, die Oberbürgermeister Dirk Elbers höchstpersönlich kürzlich vorgestellt hat. Sie umfasst fünf Rubriken (Veranstaltungen, Bürgerservice, The Living City/Stadtinfos und Tourismus, Mobilität und Verkehr sowie Business-Service/Wirtschaftsstandort Düsseldorf). Zu den Angeboten wie Navigator mit Umkreissuche (GPS-unterstützt), Events, Stadtinformationen und -wetter sind Optionen wie Fahrplanauskunft der Rheinbahn hinzugekommen und Fluginformationen zu ankommenden und startenden Fliegern.

Auch aktuelle Bilder aus Düsseldorf sind über die App neuerdings anzuschauen, die von acht Webcams im Stadtgebiet aufgenommen werden. Beim Test jedoch funktionierte der Seitenaufbau nicht, soll heißen: Eine Verbindung ließ sich nicht herstellen. Ein separates Kapitel direkt auf der Startseite in der oberen Menüleiste wird der kommenden Großveranstaltung gewidmet: dem Eurovision Song Contest (ESC), der am 14. Mai in der Esprit Arena ausgetragen wird.