Hotelbetreiber beschreiten manchmal unterschiedliche Wege: Die einen streben zu mehr und mehr Qualität und Repräsentation, anderen kann es gar nicht einfach genug sein, wie im Leuchtturm, im Strohbett des Bauernhofstalls, im Kloster - oder jetzt auch in Luftschutzkellern.

Für den Qualitätstrend stehen die Münchner Lenbach-Gärten: Das Luxushotel "The Charles Hotel" der Rocco Forte Collection gewann den Villegiature Award für die "beste Hotelarchitektur in Europa" und gilt auch als neuestes und schönstes Premiumquartier der bayerischen Landeshauptstadt. Die Entwickler der Frankonia Eurobau und Architekt Christoph Sattler (Büro Hilmer, Sattler & Albrecht) haben viel Wert auf die Gebäudeoptik gelegt.

In den Lenbach-Gärten am Alten Botanischen Garten - ein Areal ehemaliger Universitätsinstitute - seien auch die "teuersten und besten Luxuswohnungen der Stadt" entstanden. Insgesamt wurden für 400 Mio. Euro Wohnungen, Büros und das Charles Hotel errichtet.

Auch das Empire Riverside Hotel (Hamburg) konnte gerade eine Ehrung feiern. Aus 90 Bewerbern wurde es wegen seiner Baubronze-Fassade im Umfeld der "Materialwelt von Hamburgs Hafenkrone" vom Bund Deutscher Architekten mit dem ersten Preis ausgezeichnet.

Während die edlen Bauten in Hamburg und München viele Hotel-Sterne zeigen, hat sich ein Schweizer Konkurrenzprodukt das absolute Gegenteil zum Ziel gesetzt - mit einem "Null-Stern-Hotel", wie über dem ganz und gar nicht repräsentativen Eingang geschrieben steht. Es handelt sich um eine Beton-Kellertreppe mit Gitter am Ende, die zu einem in Luftschutzkeller führt - dem Hotel.


Der erste Bau dieser Art entsteht in einem 4000-Einwohner-Ort namens Sevelen bei St. Gallen. Erfinder war ein Künstlerkollektiv, das sich "Atelier für Sonderaufgaben" nennt. Wer aber das Hotel als eher kabarettistischen Akt abtut, geht fehl. Das Null-Stern-Hotel soll als "lustvolle Erweiterung des gängigen Hotelangebots ein innovatives Nischenprodukt" bieten. Die Künstler realisierten dies als Auftragsprojekt der Gemeinde, die mit ihrem Luftschutzkeller nichts mehr anzufangen wusste; solche Zivilschutzanlagen gibt es in der Schweiz reichlich.

Der Start ist für Januar 2009 geplant, die Übernachtungspreise im fensterlosen Gemäuer liegen bei sechs bis 18 Euro. Geboten wird unterirdische Gemütlichkeit an einem Ort, den man sonst nie betreten würde und in dem bewusst auf Dekoration verzichtet wurde.


Damit das Gefühl von Abenteuer und spaß nicht zu kurz kommt, gibt es ein kurioses Manifest, das mit Schutzkeller-Notlagen spielt: Frauen duschen zur vollen Stunde, die Männer zur halben, heißt es da. Oder für Warmduscher: "Da im Null-Stern-Hotel das heiße Wasser ein knappes Gut ist, wird täglich ein Zufallsrad über die zur Benutzung Auserwählten entscheiden." Wenigstens ein wenig hotelgemäß ist der Service, für den die Dorfeinwohner - in weißem Hemd und mit schwarzer Fliege "als Symbol des modernen Butlers" - sorgen sollen.


Erste Testschläfer sollen sich begeistert geäußert haben, und online gibt es bereits viele Übernachtungsanfragen.

www.charleshotel.de

tr