Samtig weicher Sandstrand mit Palmenkulisse: total out. Ebenso ein mehrgängiges Menü zum Abendessen mit Tiramisu zur Nachspeise. Stattdessen gibt es trockenes Dosenfutter. Und ein gemütliches Hotelbett während des Urlaubs ist schon gar nicht gefragt. Eine Koje mit Gurt zum Festschnallen ist völlig ausreichend. Der Tourist der Zukunft nimmt einiges in Kauf, um seine Sommerferien zu verbringen, die allerdings im Durchschnitt auch nur drei Stunden andauern. In: sind Flüge ins All.


Der britische Milliardär Richard Branson lässt den Kindheitstraum Wirklichkeit werden: Er präsentierte in der Mojave-Wüste im US-Bundesstaat Kalifornien ein Raumschiff, mit dem künftig Touristen ins All fliegen sollen. Bereits im kommenden Jahr sind die ersten Testflüge mit dem „SpaceShipTwo“ geplant, bis 2012 soll der erste kommerzielle Flug abheben. Branson selbst wolle gemeinsam mit seiner Familie an Bord des ersten Urlaubsflugs sein, kündigte er gestern im Sender CNN an. „Wir wollen, dass dieses Programm ein ganz neuer Beginn in der Ära der kommerziellen Raumfahrt wird“, sagte Branson. Den künftigen Passagieren versprach er, dass sie im Raumschiff „herumschweben und zu Astronauten werden“ könnten.

Im Raumschiff sollen zwei Piloten und sechs Passagiere Platz haben. Der Preis für das Abenteuer liegt Bransons Unternehmen Virgin Galactic zufolge bei rund 200.000 Dollar (umgerechnet etwa 135.000 Euro). Ein Ausflug, der nicht für jeden finanzierbar sein dürfte. Auf der Webseite www.virgingalactic.com können Interessierte ein Anmeldeformular ausfüllen und ein Ticket kaufen. Branson hat bereits 40 Millionen Dollar an Vorschüssen eingesammelt – denn bereits 300 Weltraumtouristen haben eingecheckt. Zu den Kunden gehören der Physiker Stephen Hawking und der „Superman“-Regisseur Bryan Singer. Auch die Unternehmerin Sonja Rohde aus Hagen in Nordrhein-Westfalen. Sie wird die erste Deutsche sein, die als Touristin ins All fliegen wird. Auch sie war bei der Enthüllung des Shuttles in Kalifornien dabei.

„Ich kann es kaum fassen, dass die erste Reise jetzt in greifbare Nähe rückt“, sagte die 34-Jährige.

Doch auch Richard Branson, Großbritanniens Starunternehmer, dürfte sich mit dem Bau des „SpaceShipOne“ and „Two“ selbst einen Traum erfüllt haben. Der 59-Jährige, der heute noch wie ein großer Junge aussieht, mit seinem blondem (oder blondiertem) Haarschopf und dem breiten Lachen auf dem Gesicht, hatte schon mit 19 Jahren den Plan gefasst, als er mit Mama und Papa 1969 vor dem heimischen TV-Sender in der englischen Grafschaft Surrey die Mondlandungen mitverfolgte, dass er eines Tages den Weltraum bereisen würde. Von diesem Vorhaben ließ er sich auch nie abbringen.

40 Jahre später ist Branson Besitzer von etwa 300 Unternehmen, sein Vermögen wird vom US-Magazin „Forbes“ auf etwa 2,5 Milliarden Dollar geschätzt. Der große Junge Branson zählt in jedem Fall zu den Promi-Milliardären. Und zu den Abenteuerlustigen auf diesem Planeten.

Mehrere Versuche, die Erde mit einem Heißluftballon zu umkreisen, hat er schon hinter sich. 1998 gelang ihm ein Rekordflug von Marokko ostwärts nach Hawaii, doch dort musste er den Flug wegen schlechten Wetters abbrechen. Doch dafür gelang ihm bereits 1987 die erste Atlantiküberquerung mit dem Ballon.

Bransons neuester Coup ist die Eroberung des Alls – mit dem „SpaceShipTwo“. Es ist ein privat von The Spaceship Company, einem Joint Venture der Untenehmen Virgin Group und Scaled Composites, finanziertes Raumschiff.

Das Raumflugzeug soll von seinem Trägerflugzeug „WhiteKnightTwo“ bis auf 15,2 km Höhe getragen und dort ausgeklinkt werden. Nach einem wenige Sekunden dauernden antriebslosen Flug zündet das Raketentriebwerk und beschleunigt das Flugzeug auf einer steil nach oben zeigenden Bahn. Auf die Passagiere wirken dabei Kräfte bis zur 3,5-fachen Erdbeschleunigung ein. Der steile Flug dauert etwa zwei Minuten. Der darauf folgende schwerelose Flug dauert etwa vier bis fünf Minuten. Das „SpaceShipTwo“ steigt in dieser Zeit weiter und sinkt dann. Am höchsten Punkt liegt die Flugbahn etwa 110 km über der Erdoberfläche. Die Passagiere dürfen in der Schwerelosigkeit ihre Sitze verlassen und durch das Raumschiff schweben. Dabei können sie aus ihren etwa 30 Zentimeter großen Bullaugen auf die Erde hinuntersehen.

Nach einigen Minuten tritt die Kapsel dann die Rückreise zur Erde an. Sie werde „wie ein gigantischer Federball“ zu Boden schweben, sagte Branson. Etwa 50 Minuten später werden die Weltraumtouristen sicher den Heimatflughafen erreichen.

Es ist definitiv ein Kurzurlaub, der Ausflug ins All, der zudem auch noch teuer ist. Doch Branson hofft, dass der Spaß spätestens nach den ersten fünf Jahren günstiger und für jedermann bezahlbar sein wird.