Extra-Gebühren

Wie Hoteliers neuerdings ihre Gäste abzocken

Die Masche der Billigflieger macht Schule: Auch Hoteliers erheben mittlerweile immer weitere Aufschläge und Gebühren.

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Den Discount-Fluggesellschaften gleich bewerben Gastgeber ihre Unterkunft mit optisch günstigen Preisen und holen sich auf Umwegen vom Gast die dicken Extra-Euros. Dabei haben die Hotelmanager in puncto Erfindungsreichtum den Billigfliegern längst den Rang abgelaufen. Eine Übersicht der häufigsten Zusatzgebühren.

Teures Sonnenbad

Immer mehr Ferienhotels rund ums Mittelmeer verlangen Gebühren für die Nutzung der Poolliege. Selbst die Auflage für die Liege und das Badetuch kosten extra, der Sonnenschirm am Hotelstrand erst recht. Mag jeder einzelne Posten noch verhältnismäßig gering ausfallen, ergibt sich in der Summe ein ganz erklecklicher Betrag. Im Drei-Sterne-Hotel „Marabout“ im tunesischen Sousse, das zum Beispiel Neckermann Reisen im Programm hat, zahlt ein Paar für alles zusammengerechnet rund 48 Euro pro Woche. Will man die Gebühren vermeiden, reicht vor der Buchung ein aufmerksamer Blick in die Kataloge. Seriöse Veranstalter listen in den Hotelbeschreibungen in der Regel auf, ob und welche Leistungen kostenpflichtig sind.

Auch andernorts wird fürs Baden Bares verlangt. Immer häufiger finden Gäste internationaler Hotelketten auf ihrer Rechnung automatisch eine sogenannte „Pool Gratuity“. Das ist nichts anderes als ein obligatorisches Trinkgeld für das Poolpersonal. Die Gebühr bewegt sich meist um 1,50 Dollar (umgerechnet 1,15 Euro) pro Person und Tag und wird von jedem Hotelgast kassiert, ganz unabhängig davon, ob er das Schwimmbad genutzt hat oder nicht. Vermeiden lässt sich diese Extra-Gebühr nicht. Doch wer sich vorab informiert, kann es sich ohne schlechtes Gewissen schenken, dem Personal noch zusätzlich Trinkgeld zu geben.

Strom für das Zimmer

Viele Hotels kassieren selbst für die Elektrizität extra ab. Die sogenannte „Energy Surcharge“ ist vor allem in der Karibik und in Europa verbreitet. In der Karibik wird die Stromgebühr obligatorisch auf den Zimmerpreis geschlagen. Sie beträgt zwischen acht Dollar pro Person und Nacht beispielsweise im „Best Western Bay View Suites“ (Bahamas) und bis zu 74 Dollar (57 Euro) pro Unterkunft im noblen Hotel „The Buccaneer“ (US Virgin Islands). In Europa wird die Gebühr meist nur erhoben, wenn der Gast die Klimaanlage anstellt. Häufig werden dann um die zehn Euro pro Tag verlangt, wie etwa im Zwei-Sterne-Hotel „Italia“ in Rom oder im Feriendorf „Hydra Club“ in Kampanien in Italien.

Der Kreditkartentrick

Die ruchloseste Einnahmequelle ist jedoch der Umrechnungstrick bei der Bezahlung mit der Kreditkarte. Dem Hotelgast wird bei der Begleichung der Rechnung angeboten, den Betrag gleich in Euro auszuweisen und zu bezahlen. Der vermeintliche Extra-Service kann aber teuer werden. Denn es werden mitunter sehr ungünstige Wechselkurse zugrunde gelegt. In der Fachsprache wird der Service „Dynamic Currency Conversion“ (DCC) genannt. Je nach Fall zahlen Kunden auf diesem Weg vier bis sechs Prozent mehr als für eine Kreditkartenabrechnung in der Landeswährung. Mancherorts wird der Gast noch nicht einmal gefragt, ob er eine Umrechnung wünscht. Seine Zustimmung zum DCC wird regelrecht ermogelt.

Zwar erscheint der Betrag auf dem Kreditkartenbeleg in Landeswährung, doch im Kleingedruckten ist die Erlaubnis versteckt, den Betrag in Euro abzubuchen. Natürlich zu den hoteleigenen Konditionen. Wer dies umgehen will, muss vor der Unterschrift den Beleg aufmerksam lesen und auf Bezahlung in Landeswährung bestehen. Nur so lassen sich böse Überraschungen nach dem Urlaub vermeiden.

Weitere Gebühren und obligatorische Servicegelder, denen Weltenbummler begegnen können, sind die Minibarauffüllgebühr, die Gepäckaufbewahrungsgebühr oder das Serviceentgelt für das Rezeptionspersonal. Selbst wenn sich im Hotelrestaurant zwei Gäste ein Gericht, zum Beispiel einen Vorspeisenteller, teilen, wird dafür mancherorts eine Gebühr erhoben. Schöne bunte Gebührenwelt.

Zimmerreinigungsgebühr

Bisher war es Brauch, dem Zimmermädchen ein Trinkgeld zu geben. Die freiwillige Regelung reicht vielen Hotels allerdings nicht mehr aus. Sie haben eine Zimmermädchengebühr eingeführt. Die ist mitunter gesalzen und wird automatisch auf die Zimmerrechnung gesetzt. Sie kann zwischen drei US-Dollar (umgerechnet etwa 2,30 Euro) für eine einfache Unterkunft bis hin zu 35 Dollar (27 Euro) pro Zimmer und Tag betragen, wie im schicken „Compass Point Beach Resort“ auf den Bahamas. Im „Atlantis Bahamas“ werden dem Gast je nach Zimmerrate sogar bis zu 63 Dollar (um 48 Euro) pro Person und Nacht als „Zimmermädchen- und Versorgungseinrichtungsgebühr“ berechnet. Wer die Gebühr umgehen will, dem bleibt nur, sich vor der Buchung zu erkundigen, welche Gebühren im Zimmerpreis bereits enthalten sind und welche vor Ort noch hinzukommen.

Gepäckträger wollen Bares

Kofferträger sind eine hilfreiche Erfindung. Doch nicht immer sind sie zur Stelle. Dann heißt es selbst Hand anlegen. Doch immer häufiger muss der Hotelpage trotzdem bezahlt werden, da viele Hotels mittlerweile eine Gepäckträgergebühr erheben. Die sogenannte „Bellman Gratuity“ ist wie die Zimmermädchengebühr obligatorisch und berechnet sich in der Regel pro Person und Aufenthalt. Sie reicht von 4,50 Dollar (etwa 3,40 Euro) im „Comfort Suites Hotel“ (Bahamas) bis hin zu acht Dollar (etwa 6,20 Euro) im „Paradise Village“ in Nuevo Vallarta in Mexiko.

Besonders häufig wird die zusätzliche Gebühr dann erhoben, wenn Hotelgäste als Kongressteilnehmer eine spezielle Rate gebucht haben. Will man vermeiden, den Hotelpagen per Trinkgeld doppelt zu bezahlen, sollte man spätestens beim Check-in klären, wie die gängige Praxis im Hotel ist.