Kids & Co

In diesem Hotel sind nur Familien erlaubt

| Lesedauer: 7 Minuten
Miriam Hollstein

Foto: Promo / Hotel Alpenrose Lermoos

Dieses Hotel wäre für Kinderlose ein Albtraum: Schon im Speisesaal scheint das Chaos zu regieren. Kinder aller Altersklassen toben ums Büfett. Becher fallen zu Boden, ein Säugling schreit – doch niemand stört es. Hält ein österreichisches Berghotel nur für Familien, was es verspricht?

Mein Sohn ist eine Zumutung. Das jedenfalls findet die Frau im Businesskostüm, die im Flieger von Berlin nach München vor uns sitzt. Dabei verhält sich der Dreijährige nicht einmal besonders auffällig. Er quengelt ein bisschen, weil ihm langweilig ist, rutscht auf seinem Stuhl herum und versucht ein einziges Mal, sich an der Vorderlehne hochzuziehen.


Drei Stunden und eine Zugfahrt später sind wir an einem Ort angekommen, der für die Frau aus dem Flieger der pure Albtraum wäre: im Familienhotel "Alpenrose" im österreichischen Lermoos. Schon im Speisesaal scheint das Chaos zu regieren. Kinder aller Altersklassen toben ums Büfett. Becher fallen zu Boden, ein Säugling schreit. Doch niemand stört es. Weder die Eltern noch die Kellner, die mit zirkusverdächtiger Akrobatik Teller und Weinflaschen an frei laufenden Kindern vorbeibalancieren.

Kein anderes Land hat so viele Hotels mit dem Merkmal "familienfreundlich" im Angebot wie Österreich. Allerdings vertrauen einige Betriebe dabei vor allem auf die schöne Landschaft und einen lieblos eingerichteten Spielraum. Wer bei der Qualität sichergehen will, sollte sich daher ein Hotel aussuchen, das sich Bewertungskriterien unterwirft.

So vergibt der Verband "Kinderhotels Europa" an seine Mitglieder "Smileys" für kinderfreundlichen Service. Fünf Smileys sind dabei die höchste Zahl: Wer sie bekommt, muss unter anderem eine getrennte Baby- und Kinderbetreuung, einen Kinderstammtisch und an mindestens drei Tagen ein Erlebnisprogramm anbieten. Das "Alpenrose" hat eine unschlagbare Kombination: vier Sterne und fünf Smileys.

Unter einem Dach sind die sogenannten Familotels organisiert, deren Leistungen ebenfalls einheitlich geprüft werden.

Grundsätzlich funktionieren Familienhotels - ob mit Smileys ausgezeichnet oder als Familotel organisiert - alle nach demselben Prinzip. Hier sollen sich Eltern und Kinder erholen können - und zwar sowohl gemeinsam als auch voneinander. Dafür gibt es drei elementare Voraussetzungen:

Erstens: Mach dir keine Gedanken! Die Organisation einer Familie, schon im Alltag kompliziert, wird bei der Reiseplanung zum strapaziösen Großprojekt. Vertragen die Kleinen das Klima? Gibt es vor Ort einen Hochstuhl und ein Bett, aus dem das Kind nicht purzelt? Sind Flaschenwärmer und Wickelauflagen eingepackt? Familienhotels wie das "Alpenrose" nehmen solche Sorgen ab. Hier gibt es alles, was Eltern auf ihrer Reiseliste stehen haben. Alle Suiten und Appartments verfügen über einen extra Kinderraum, der mit einem Doppelstockbett, einem Wickeltisch und einem zweiten Fernseher für größere Kinder ausgestattet ist. Das macht es möglich, abends noch bei einem Glas Rotwein im Hotelzimmer zusammenzusitzen, während der Nachwuchs nebenan bereits selig schläft.

Im Speisesaal ist an unserem Tisch für den Dreijährigen bereits mit Hochstuhl, Lätzchen und Kinderbesteck eingedeckt. In den Toiletten liegen Windeln aus, an der Rezeption kann man kostenlos Kinderwagen, Rückentragen und Kinderbademäntel für das Schwimmbad ausleihen.

Zweitens: Amüsiere dich! Ein großes Dilemma bei Familienurlauben sind die unterschiedlichen und in der Regel nicht kompatiblen Ansprüche von Eltern und Kindern. Erstere wollen sich vom aufreibenden Alltag erholen. Kinder hingegen wollen im Urlaub am liebsten Dauerbespaßung.


Das "Hotel Alpenrose" bietet tatsächlich beides. Für Kinder gibt es ein Spielangebot, das wie ein Endlos-Kindergeburtstag anmutet. Gokart-Bahn, Riesenrutsche, Krabbellabyrinth und die "Piratenlandschaft" mit Wasserkanonen - fast ist zu fürchten, dass das Kind nach der Rückkehr erst einmal Urlaub vom Urlaub brauchen wird. Für Teenager gibt es einen Extraraum mit Sandsäcken und Playstations. Wer es pädagogisch wertvoller mag, kann fürs Kind kostenlose Kurse bei ausgebildeten Erziehern buchen - Schwimmschule oder Skikurse, selbst gestaltete Zauber- oder Playbackshows.

Auch für die Eltern hat sich das Hotel, das von der Zeitschrift "Wienerin" zu einer der 50 schönsten Wellnessoasen Europas gewählt wurde, einiges einfallen lassen: Neben Saunalandschaft und Fitnessangeboten können sie auf einem Indoor-Golfplatz spielen und sich dabei sowohl vom Profi Joe Auer als auch von einem Computer trainieren lassen. Und wer abends noch weiter an seinem Handicap arbeiten möchte, hat dazu dank kostenlosem Babyfon die Gelegenheit.

Während mein Sohn im Krabbellabyrinth tobt, lasse ich mich von der ewig fröhlichen Trainerin in den neuesten Fitnesstrend einweisen: Powerplaten. Das eher schlicht anmutende Stehpodest, das angeblich für die Raumfahrt erfunden wurde, trainiert dank vibrierender Bodenplatte in kürzester Zeit auch jene Muskeln, von deren Existenz ich bislang nichts ahnte. Maximales Resultat durch minimales Training - das klingt für mich als dauergestresste Mutter verlockend. Schon nach nur einem Tag stelle ich neben einem Muskelkater auch eine mentale Veränderung bei mir fest. Ich verwandele mich von einer Mutter in einen Menschen zurück.

Drittens: Entdecke Neues! Wenn der Körper vom Saunagang entspannt und das dauerbespaßte Kind in Bestlaune ist, werden ungeahnte Energien frei. Dann wird es Zeit für einen kleinen Ausflug. Zwar ist die touristische Attraktivität des kleinen Ortes Lermoos eher begrenzt. Dafür wirkt die Landschaft wie eine Fortsetzung der Familienunterhaltung mit anderen Mitteln.

Die Gondelfahrt auf die Zugspitze, die rund 20 Fahrminuten vom Hotel entfernt liegt, ist für Kinder und Eltern gleichermaßen unterhaltsam. Auf dem Bergplateau sowie im dazugehörigen Museum ist selbst ein Kinderwagen kein Problem. Mit nur wenigen Schritten können wir hier von der österreichischen auf die deutsche Seite des Grenzberges wechseln und zurück.

Gut geführte Familienhotels erklären das Elternsein zur Normalität. Das ermöglicht es, sich endlich auch wieder auf jene Aspekte des eigenen Daseins zu konzentrieren, die nichts mit der Elternrolle zu tun haben. Einige Hotels wie das "Alpenrose" gehen dabei noch einen Schritt weiter als andere familienfreundliche Betriebe: Hier kann nur mit Kind gebucht werden.

Nach drei Tagen ist der Kurzurlaub zu Ende. Im Flieger nach Hause bekommt die Sitznachbarin hektische Flecken im Gesicht, als ich mich mit Kind neben sie setze. Schnell flüchtet sie in eine leer gebliebene Sitzreihe. Ich lächele ihr milde nach. Die Menschwerdung hält offenbar noch an.

Unterkunft: Die meisten familienfreundlichen Hotels in Österreich sind in Dachverbänden wie den "Familotels", bei "Family Austria" oder den "Kinderhotels Europa" organisiert. Neben den klassischen Hotelsternen werden sie noch einmal vom jeweiligen Verband bewertet - mit Kronen, Smileys oder Fröschen.
Informationen über die familotels gibt es im Internet unter www.familotel.de oder unter der Telefonnummer 08075/914 90.
" Family austria " erreicht man unter www.familyaustria.de oder unter der österreichischen Nummer 0043/4242/442 00 60.
Die " Kinderhotels Europa ", zu denen auch das "Alpenrose" gehört, sind erreichbar über www.kinderhotels.com
Ein Apartment im " Leading Family Hotel & Resort Alpenrose " (all inclusive) kostet ab 145 Euro pro Nacht und Person. Buchen zwei Erwachsene, kostet die Übernachtung für Kinder gestaffelt nach Alter zwischen 40 und 80 Euro. Die Kinderbetreuung ist im Preis inbegriffen, Telefon A-6631 Lermoos, Telefon 0043/5673-2424, www.hotelalpenrose.at

Auskunft : Österreich Werbung, Telefon 030/219 14 80, www.austria.info/de