Wildpark Schorfheide

Mit Fackeln den hungrigen Wölfen auf der Spur

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Heidrun Lange

Nur etwa 65 Kilometer von Berlin entfernt liegt der Wildpark Schorfheide. Dort haben Besucher die Gelegenheit, Wölfe aus nächster Nähe zu beobachten. Besonders beliebt bei den Gästen sind die nächtlichen Touren. Mit Fackeln bewaffnet geht es dann durch das dunkle Gelände zu den Fütterungsstellen.

Imke Heyter öffnet die Tür zum Gehege und kippt frisches Fleisch aus dem Futtereimer. „Kommt alle meine Wölfe“, lockt sie. Schon huscht das erste Tier mit eingekniffenem Schwanz vorbei. „Na, Timo, mein Lieber“, begrüßt ihn Imke Heyter. Die Wildparkchefin in der Schorfheide, nicht weit von Berlin entfernt, erkennt jeden ihrer Wölfe an der Körperhaltung. Timo nimmt das Stück Fleisch und verschwindet blitzschnell und fast lautlos hinter einer Anhöhe. Dahinter stehen seine Artgenossen.

Es ist Fütterungszeit, und Imke Heyter ist die „Wolfsmutter“. Die Besucher stehen nur 15 Meter weit entfernt und beobachten das Futterritual. Einige treten zum Teil erschrocken zurück, obwohl das Gehege eingezäunt ist. Imke Heyter erklärt, dass die Raubtiere keine Gefahr für Menschen sind. Sie zieht die Wolfsjungen mit der Flasche auf, um sie an die Zweibeiner zu gewöhnen. Schon wieder schleicht sich aus dem Hintergrund ein Wolf an das Futter heran. „Das ist Nanuk, der Alphawolf“, sagt die Wildparkchefin. Er entscheidet, wer das Futter holen darf.

Imke Heyters Anliegen ist es, Wölfe den Menschen näherzubringen. Die ersten Exemplare kamen 1998 in den Wildpark. Inzwischen gibt es 18 Tiere in zwei Rudeln. Nur eines bekommen Besucher zu sehen. Mehr als 20 Nachzuchten von Wölfen sind im Wildpark bereits gelungen. Die ersten wurden nach der achtwöchigen Handaufzucht wieder in die Rudel integriert, andere gingen in ähnliche Wildpark-Anlagen.

Eines der jüngsten Projekte des Wildparks sind Wolfsfütterungen bei Nacht. „Vollmond und Wölfe, dazu gibt es viele Mythen und Legenden“, sagt Imke Heyter. Das erklärt, warum sich das Angebot großer Beliebtheit erfreut. Etwa 30 Besucher haben dann die Möglichkeit, Wölfe bei einer außerplanmäßigen Nachtfütterung aus nächster Nähe zu beobachten. Die Gäste bekommen Fackeln und laufen nach Einbruch der Dunkelheit auf einem breiten Feldweg vom Besucherzentrum einmal quer durch den Wildpark zum Wolfsgehege.

„Vollmond-Wolfsnächte, sind die nicht gruselig?“, will einer der Gäste wissen. „Überhaupt nicht“, beschwichtigt Imke Heyter. „Die Wölfe heulen nicht den Mond an, weil sie traurig sind, sondern weil sie auf diese Weise miteinander kommunizieren“, erklärt die 38-Jährige. Schon seit mindestens zehn Jahren leben Wölfe in der Schorfheide – und zwar auch wieder in freier Wildbahn. Als Imke Heyter das erzählt, lauschen die Gäste gebannt – manch einer wünscht sich aber schnell ins Besucherhaus zurück.

( dpa )