Um dem neuen Besucherzentrum des Kapitols die Ehre zu geben, versammelten sich Amerikas führende Volksvertreter in einer Marmorhalle unter dem Kapitol. In den 90er-Jahren für 71 Millionen Dollar geplant, war das Projekt durch Sonderwünsche der Politiker um Jahre verzögert worden und auf pompöse 631 Millionen Dollar Baukosten angeschwollen. Harry Reid, der Fraktionsführer der Demokraten im Senat, verlieh dem Fest Anfang Dezember Glanz mit den unsterblichen Worten: „Früher, als die Touristen noch ins Kapitol kamen, konnte man sie im Sommer wegen der Hitze und hohen Luftfeuchtigkeit riechen. Dies ist nicht länger nötig.“


Am nächsten Tag häuften sich empörte Leseranrufe in den Zeitungen. Was dem Mann eigentlich einfalle, sich über Ausdünstungen des Souveräns in seinem Haus zu beklagen: „Politiker wie Reid stinken uns schon lange!“ Über das eigentlich Beklagenswerte sprach niemand: Dass das amerikanische Wahlvolk nach „9/11“ nicht mehr durch die Flure des Kongresses wandeln und ihre Abgeordneten und Senatoren an ihre Pflichten erinnern darf.

Es sind nicht die großartigen Hallen des Volkes allein, die seit 9/11 im Sicherheitskokon der Hauptstadt verschwinden wie in Wundverbänden. Das Weiße Haus, das vor der Zeitenwende der Terroranschläge tägliche Führungen zuließ, steht nur noch Amerikanern nach halbjährlich geplanter Gruppenanmeldung über ihren Abgeordneten offen. Etwa 1200 Erwählte durften am 26., 27. und 29. Dezember die 27 fabelhaft geschmückten Christbäume im Weißen Haus besichtigen. Einst kamen, einer Tradition von First Lady Pat Nixon folgend, 6000 in einer Festnacht. Sie standen einfach an, ohne Sicherheitsüberprüfung: idyllische, wohl für immer versunkene Zeiten. Stattdessen führt seit 2002 „Barney Cam“, eine Online-Videotour auf Whitehouse.gov mit dem präsidialen Terrier als Gaststar, durch das erste Haus der Nation. Ein hundeelender Ersatz. Auch wenn man der First Lady Laura Bush nicht widersprechen kann, die darauf beharrt, dass das Weiße Haus die einzige Residenz eines Staats- und Regierungschefs ist, die das Volk besichtigen kann. Wohin man in Washington geht, die Verbarrikadierung der Macht vor Touristen und Terroristen ist vollkommen: im FBI-Gebäude, in den Ministerien, erst recht im Pentagon und im CIA-Komplex in Langley (Virginia). Ausgelagerte Museen gibt es, so bleiben Online-Besichtigungen.

Entsprechend gering sind die Chancen, einmal Hillary, Ted Kennedy oder gar Barack Obama über den Weg zu laufen. Es gibt aus den Anfangsjahren des Senators in Washington Augenzeugenberichte von Joggern, die Obama nahe dem Lincoln-Memorial sichteten. Es hieß, er pilgere zu der Denkmalshalle, ersteige die 58 Stufen und huldige seinem großen Idol im Laufschritt. Andere Jogger grüßten cool und ohne sich aufzuhalten, wie es sich für Hauptstädter geziemt. Vorbei auch das. Der Secret Service wird jede Bewegung im 500-Meter-Zirkel lahmlegen, wenn Präsident Obama weiter zu joggen beliebt.

Laura Bush an der Ampel begegnet

Seien wir fair, in Paris, London, selbst im schmuddelig-entspannten Berlin leben Spitzenpolitiker nicht weniger abgeschirmt. Auch ist die Sache in Washington nicht ganz hoffnungslos, wenn man weiß, wo Prominente einzukehren pflegen und wenn man die Muße und das Geld hat, auf Zufallstreffen zu warten. Kongresspolitiker sind sogar noch billig zu erspähen, wenn man sich in den Bürogebäuden („House/Senate Office Buildings“) nahe dem Kapitol auf die Lauer legt. Diskret natürlich, Geschäfte vorschützend. Freundliche Begrüßungen, „Hi, Senator!, „How are you doing, Congressman/-woman?“ sind statthaft, manche sind geschmeichelt, erkannt zu werden. Ein Autogrammjäger namens Doug Wertman berichtet, wie er eines Tages unverhofft in der Innenstadt Laura Bush an einer Fußgängerampel begegnete. Er bat einen ihrer Sicherheitsbeamten um ein Autogramm und bekam es mit einem Lächeln.

Lebensverändernde Begegnungen mit Hollywoodstars sind in Washington möglich, wenn nicht wahrscheinlich. Man begebe sich (gut gekleidet, nicht in Shorts) in die Lobbys der teuren Hotels, etwa des „Park Hyatt“, „Four Seasons“, „Ritz-Carlton“ oder postiere sich vor Restaurants, die bei A-Listen-Stars beliebt sind: „Cafe Milano“, „Blue Duck Tavern“, „Palm“, „Poste“ im „Hotel Monaco“, sie alle bergen Gelegenheiten. Da war die Sichtung von Drew Barrymore im Mai 2008 im „Fox&Hounds“ am Dupont Circle reine Glückssache. Dasselbe gilt für Tom Cruise und Katie Holmes auf Fahrradtour entlang des „C and O Canal“ westlich der Stadt. Unweit des Kanals, im „Potomac Village Shopping“, wurden Anfang Dezember jäh Arnold Schwarzenegger und seine Frau Maria entdeckt, die mit einer Freundin im Starbucks und in einer Apotheke einkauften wie normale Leute. Auch ein Ausflug von Angelina Jolie und Brad Pitt samt den Kindern Maddox und Pax im Luft- und Raumfahrtmuseum an der Mall blieb nicht unentdeckt. Mengen von Handykameras dokumentierten das freudige Ereignis.

Einem Eingeweihten in Promi-Plätzen, der sich so mindestens ein Abendessen gehobenen Niveaus verdient hat, verdanken wir die folgenden Tipps: Ins „Morton's Steak House“ (Connecticut/Ecke L-Street) lud der Wahlkämpfer Barack Obama die Gewinner seiner Dinnereinladungen für Spender ein, Larry King soll dort einen Stammplatz haben; im „Cafe Milano“ sollen Laura Bush und ihre Zwillingsmädchen gesehen worden sein, im „Tenpenh“ verkehren FBI-Leute und Abgeordnete, im „The Monocle“ Senatoren. Ähnliche Kundschaft plus Diplomaten, Lobbyisten und prominente Anwälte trifft man im „Caucus Room“, „Ocenaire“ und „Citronelle“. Gouverneur Arnold Schwarzenegger bevorzugt angeblich das „Palm“; und in „Ruth's Steakhouse“, Ecke Connecticut Avenue und S-Street, sollen CIA-Beamte die Separees schätzen. Ihre deutschen Kollegen vom BND, durchaus auch Bundestagsabgeordnete auf Besuch in Washington D.C., mögen dagegen das „Sea Catch“.

Anreise: Lufthansa ( www.lufthansa.com ) und United Airlines ( www.unitedairlines.de ) fliegen ab Frankfurt nonstop nach Washington.

Übernachtung: „Omni Shoreham“, DZ für drei Nächte ab 268 Euro pro Person, www.omnihotels.com , „Windsor Inn“, DZ für drei Nächte ab 133 Euro, www.windsor-inn-dc.com

Auskunft: Capital Region USA, www.capitalregionusa.de