Vor einer Südafrika-Reise sollten Touristen überprüfen lassen, ob sie gegen Masern geimpft oder immun sind. Im Austragungsland der Fußball-WM grassiert derzeit eine Masernepidemie. Sie habe schon zu Ansteckungen bei deutschen Reisenden geführt, sagte Prof. Thomas Löscher, Leiter des Tropeninstituts der Universität München, vor dem Start der Experten-Veranstaltung „Reisemedizin aktuell 2010“.
Bei fehlendem Schutz rät er zur Impfung. Auch wer nur Spiele in den großen Städten besucht, sollte sich darüber hinaus neben Auffrischungsimpfungen gegen Wundstarrkrampf, Diphtherie, Kinderlähmung und Keuchhusten auch um die Impfung gegen Hepatitis A kümmern.
Bei Reisen über Land hält der Mediziner außerdem Schutz gegen Hepatitis B und Typhus für sinnvoll. Um vorzubeugen, empfiehlt er Mückenschutzmaßnahmen. Sie wirken auch gegen das in Südafrika auftretende West-Nil-Fieber und die Malaria.
Bei Reisen in tropische und subtropische Länder gehört die Malariaprophylaxe allerdings ausgeweitet. Dem Tropenmediziner Prof. Hans Dieter Nothdurft von der Uni München zufolge ruht sie am besten auf mehreren Säulen. Der Schutz vor Moskitostichen durch Netze und Repellents sei angesichts der zunehmenden Resistenz der Erreger gegen einige Antimalariawirkstoffe zwar besonders wichtig. Allerdings wirke diese sogenannte Expositionsprophylaxe nur begrenzt.
Für Reisen in das gesamte tropische Afrika, in einzelne Gebiete Indiens, das östliche Ozeanien und Südamerika empfiehlt Nothdurft daher eine zusätzliche Chemoprophylaxe – also Antimalariamittel. Aufgrund der steigenden Resistenz der Erreger seien Medikamente mit den Wirkstoffen Mefloquin, Atovaquon/Proguanil oder Doxyzyklin zu bevorzugen.
Kann nicht innerhalb von 24 Stunden ein Arzt erreicht werden, wenn Fieber auftritt, sollte während der ganzen Reise auch ein Antimalariamittel zur Notfall-Selbstbehandlung im Gepäck sein.
Bei Reisen nach Osteuropa raten Experten dagegen zur Impfung gegen die FSME genannte Frühsommer-Meningoenzephalitis. Dem Robert-Koch-Institut zufolge werden vier bis neun Prozent der in Deutschland diagnostizierten FSME-Erkrankungen im Ausland erworben, sagte Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München.
Nach wie vor stehe Österreich an erster Stelle, weshalb die Impfung auch hier angebracht ist. Allerdings nähmen die „Importe von Erkrankungsfällen“ aus östlichen Ländern wie Russland, Kasachstan, der Ukraine sowie Rumänien und Polen zu.
Auch in zentralasiatischen Ländern gebe es FSME-Viren. Da alle bisher nachgewiesenen Virenstämme dem Experten zufolge eng miteinander verwandt sind, böten die aktuell verfügbaren Impfstoffe in Europa einen auch gegen östliche Virenstämme meist ausreichenden Schutz an.
Bei Tropenreisen Mückenschutz mit DEET nehmen
Tropenreisende sollten Antimückenmittel mit dem Wirkstoff DEET verwenden. Denn er schützt auch vor Malaria- und Gelbfiebermücken, so die Stiftung Warentest in Berlin. Allerdings reize DEET Augen und Schleimhäute und könne bei häufiger Anwendung in hoher Konzentration der Gesundheit schaden. Für Deutschland empfehlen die Warentester daher weniger schleimhautreizende Mittel mit dem Wirkstoff Icaridin.
Von Produkten mit ätherischen Ölen raten sie ab, diese erreichten nicht annähernd die Wirksamkeit synthetischer Stoffe. Zudem könnten Öle aus Lavendel, Citronella, Palmerosa oder Nelken Augen, Haut und Schleimhäute reizen. Die Stiftung Warentest hatte für ihre Zeitschrift „test“ (Ausgabe 5/2010) 21 Produkte untersucht, von denen ein Drittel mit der Note „gut“ abschnitten.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die österreichische Verbraucherschutzzeitschrift „Konsument“ (Ausgabe 5/2010) nach einem Test von 15 Antimückenmitteln. Sie empfiehlt, besonders Fuß- und Handgelenke gut einzureiben, da diese neuralgische Punkte seien. Aufgrund der schleimhaut- und augenreizenden Wirkung sollten die Antimückenprodukte nicht täglich angewendet werden.
Da Mücken gern auf dunkler Kleidung landen und durch eng anliegende Stoffe stechen, sind im Freien weite, feste und helle Kleidungsstücke besser geeignet. Sie sollten dicht abschließen, rät der „Konsument“.
Video : Von 21 Anti-Mücken-Mitteln im Test der Stiftung Warentest ist nur jedes dritte „gut". Manches, was der Markt bietet, soll sogar völlig wirkungslos sein:
dpa/heg




