Fliegen ist heute nichts Besonderes mehr. Als ich als Zehnjähriger mit meinen Eltern nach Spanien geflogen bin, da habe ich vor lauter Aufregung und Vorfreude auf den Flug kein Auge zugemacht. Heute ist man abgestumpft und genervt – von den langen Schlangen vor den Sicherheitschecks, dem Gedränge beim Einsteigen (wenn es ein Billigflieger ohne Platzreservierung ist), den ewigen Verspätungen und der schlechten Luft im Flugzeug – seitdem nicht mehr geraucht werden darf an Bord, hat man den Eindruck, dass an der frischen Luft gespart wird.

Doch zum ersten Mal nach langer Zeit bin ich beim Anblick eines Verkehrsflugzeugs wieder aufgeregt. Ich darf beim Erstflug des Airbus-A380 von Emirates dabei sein. Der Flug geht vom Werk in Hamburg Finkenwerder in fünfeinhalb Stunden nach Dubai. Kein ganz normaler Flug. Die Maschine ist voll mit Emirates-Managern, Gästen der Firma, Airbus-Leuten und natürlich vielen Journalisten. Weil die über den neuen Vogel berichten, gibt sich die Fluggesellschaft doppelt Mühe.


Mein Platz in der Business Class hat Dimensionen wie ein Kleinwagen: Aus dem großen Sessel lässt sich ein Bett zaubern, alles ist elektronisch über die Fernbedienung steuerbar, die sich auf der Ablage vor dem Fenster befindet. Vorder- und Hintermann bekomme ich kaum zu Gesicht, weil halbhohe Trennwände eine Nische schaffen, in der es richtig gemütlich wird. Meine Füsse kann ich unter dem großen Flachbildschirm ausstrecken, es gibt Platz für meine Schuhe, ein Fach mit Decken, ein eigenes Regal mit Getränken. Praktisch.


Aus bequemen Polstern blickt man entspannt nach draußen, wo mehrere hundert Schaulustige am Landebahnzaun den Start beobachten. In den weichen Sesseln spürt man nur im Magen, dass es losgeht. Zu hören ist kaum etwas, wohl auch, weil ich die röhrenden Triebwerke und das Rattern und rütteln gewohnt bin, das bei Starts anderer Passagierjets dazu gehört. Urplötzlich sind wir in der Luft. Im zweiten Stock sozusagen. Dort befindet sich die Business Class.

Lauter reden muss man hier nicht

Kaum ist das Anschnallzeichen erloschen, füllt sich die Bar im Heck der Maschine. Etwa 15 Leute passen herein, bei mehr wird es eng. Es wird eng, aber es ist einfach angenehm, in 12.000 Metern Höhe an der Bar zu stehen und einen Cocktail zu nippen. Lauter reden muss man hier übrigens nur, um die angeregte Unterhaltung der anderen Fluggäste zu übertönen.

Eine Weltpremiere in einem Passagierflugzeug sind die Duschen. Zwei Stück gibt es, allerdings nur für die maximal 14 Passagiere der ersten Klasse. Die edel ausgestatteten Badezimmer darf jeder Passagier 25 Minuten benutzen. Wer zu hohe Erwartungen hat: Die Bäder sind klein, aber schließlich ist es ein Flugzeug.

Die Sitze in der ersten Klasse heißen übrigens nicht mehr Sitze, sondern Suiten. Meine Business-Nische war schon bequem – hier ist es urbequem. Die Sessel sind breiter, die Trennwände höher, zudem lässt sich eine Erste-Klasse-Suite zuziehen – und zwar so, dass nur die größeren Stewardessen hineinsehen können.

Der Bildschirm ist hier größer, die Ausstattung feiner. Auf Kopfdruck fährt eine kleine Bar aus der Seitenablage nach oben. Und vor dem goldumrandeten Bildschirm ist eine kleine beleuchtete Ablage mit Düften und Cremes verborgen. Die Speisekarte vermerkt feinste Weine und edelste Speisen, die manchem Spitzenrestaurant zur Ehre gereichen würden. Die erste Klasse hat auch eine Bar, aber wegen der wenigen Passagiere in dieser Kategorie ist sie kleiner. Dort ist es längst nicht so gesellig.

Jeder Platz hat eigene Telefone mit Email und SMS

Das Emirates-Flaggschiff fasst 489 Passagiere. 399 sitzen unten in der Economy Klasse. Auch hier geht es großzügig zu. Die Sitzabstände gewähren Armfreiheit. In dem Emirates-Airbus sitzen zehn Leute in einer Reihe. Hineingepasst hätten auch elf, erzählt mir Terry Daly, der Chef des Emirates-Bordpersonals. Und mit meinen 1,85 Metern kann ich die Beine fast austrecken. Jeder Platz hat einen eigenen Bildschirm und genau wie Business und First eigene Telefone mit Email und SMS. Nur den Stromanschluss müssen sich zwei Economy-Passagiere teilen.

Auch über der Wüstenmetropole dreht der Super-Airbus wie nach dem Start in Hamburg eine Ehrenrunde, bevor er zur Landung ansetzt. Die Außenkameras übertragen die Szenerie auf meinen Großbildschirm. Es gibt drei Kameras, die ich mit dem Bordmenu ansteuern kann. Die Heckkamera bietet die beste Aussicht , besonders beim Starten und Landen. Aber auch der Blick aus dem Fenster lohnt sich: Endlose Wüste, plötzlich wächst Dubai wie ein zweites Manhattan aus dem Sand. Am Gate begrüßen rund 300 Mitarbeiter des Bodenpersonals den Jet. Die Ehrengäste des Fluges erwartet allerdings "Business as usual" bei 42 Grad Außentemperatur. Höflich und freundlich, aber geschäftsmäßig werden wir abgefertigt, so als ob es das Normalste auf der Welt, dass ein A380 in Dubai startet oder landet.