Jordanien

Dem Papst ins biblische Land vorausgereist

Wenn Papst Benedikt XVI. am 8. Mai in den Nahen Osten fliegt, wird seine erste Station Jordanien sein, erst anschließend reist er nach Israel. Das ist eine besondere Ehre. Morgenpost Online ist schon mal vorausgereist und entdeckte die Taufstelle Jesu und die Wüstenstadt Petra.

Jordanien ist die erste Station auf der Nahost-Fahrt des Papstes. Erst anschließend reist er nach Israel. Königsfamilie und jordanisches Volk dürften sich dadurch besonders geehrt fühlen. Vielleicht sehen sie in dem Besuch eine Anerkennung für ihre Pflege biblischer Orte und christlicher Pilgerstätten. Und da hat Jordanien in der Tat viel zu bieten.

Da ist an erster Stelle, natürlich, der Jordan zu nennen. Wer ihn zum ersten Mal sieht, staunt: Ein Flüsschen ist er, ein Rinnsal zuweilen – und das bei dieser historischen, religiösen und politischen Bedeutung! Gerade einmal gut 100 Kilometer lang ist der Jordan zwischen See Genezareth und dem Toten Meer, in das er mündet. Jenseits des Jordans, in Bethanien, so berichtet es der Evangelist Johannes, wurde Jesus getauft. Außerdem betete er hier erstmals zu Gott und versammelte seine Jünger um sich.

Nur wenige Meter vom Fluss entfernt wird dem Besucher die Stelle präsentiert, wo Johannes Jesus getauft haben soll. Ob sich dieses Ereignis wirklich hier zutrug, just an jenen Marmorstufen, zu denen der Guide uns führt, ist kaum gewiss. Der Besuch Bethaniens aber beeindruckt. Das fruchtbare Jordantal ist ohne Frage die Wiege der Christenheit. Bis heute liefert es Äpfel, Zitronen, Trauben, Bananen, Datteln, Oliven.

Seit gut zehn Jahren ist die Gegend um die Taufstelle Jesu überhaupt betretbar. Erst 1996, zwei Jahre nach dem Friedensvertrag mit Israel, begann Jordanien mit den Ausgrabungen. Minenfelder wurden geräumt; Archäologen legten Kirchen, Gebetsräume und Taufbecken aus römischer und byzantinischer Zeit frei. Heute werden Pilger – im vorigen Jahr 200.000 – mit offenen Armen empfangen. Gerade aus Russland kommen viele Pilger, kaufen sich in einem der Souvenirläden ein weißes Taufkleid und lassen sich im Jordan taufen. Am Ufer wiegt sich Schilfrohr im Wind, die Sonne scheint; kaum zu glauben, dass dieser friedlich anmutende Ort Schauplatz von Kriegen, Fluten und sonstigen Heimsuchungen war.

Auch der Papst wird die „baptism site“ besuchen, wie es 2000 schon sein Vorgänger Johannes Paul II. getan hat. Je eine griechisch-orthodoxe, armenische, anglikanische und koptische Kirche befinden sich heute hier; Benedikt wird am Jordan den Grundstein für zwei weitere Gotteshäuser legen. So soll in Bethanien in zwei Jahren die größte katholische Kirche im Nahen Osten vollendet werden.

Gerade fünf Prozent der Jordanier sind Christen, aber sie gehen in dem muslimisch geprägten Land nicht unter. Denn die Führung, auch das Königshaus, bemüht sich um einen Dialog der Religionen. „Koexistenz“ – dieser Begriff ist immer wieder zu vernehmen. „Wir sind moderater als alle um uns herum“, sagt Nabil D. Haddad, ein griechisch-katholischer Priester, der in der Hauptstadt Amman auf der Straße von vielen erkannt wird. An Selbstbewusstsein mangelt es dem Christen, Minderheit hin, Minderheit her, keineswegs. „Wir waren schon immer hier“, sagt er über seine Glaubensgenossen in der Geschichte, „schließlich sind wir sieben Jahrhunderte älter als der Islam.“


In Madaba ist das Christentum sehr lebendig, im Stadtzentrum gehören neun von zehn Einwohnern einer christlichen Konfession an. Gut 35 Kilometer südwestlich von Amman gelegen, hat Madaba eine lange Geschichte. In der Georgskirche, errichtet auf einem byzantinischen Vorgängerbau, findet sich das weltberühmte Mosaik von Madaba. Das 6 Meter mal 15 Meter große Mosaik umfasst gut zwei Millionen Steinchen – und zeigt ein beeindruckendes Landschaftspanorama zwischen dem palästinensischen Sichem und dem Nildelta. Es soll im sechsten Jahrhundert Stück für Stück zusammengefügt worden sein. In Madaba will der Papst in der kommenden Woche den Grundstein für die neue Universität segnen, die von der katholischen Kirche gegründet worden ist.

Natürlich stattet Benedikt XVI. auch Amman einen Besuch ab. Dieser Station der Reise kommt vielleicht die größte Symbolkraft zu: Denn der Papst wird hier die Hussein-bin-Talal-Moschee besuchen und mit verschiedenen religiösen Führern zu einem Gespräch zusammentreffen. Diese Moschee ist die größte Jordaniens. Sie erinnert an den früheren König Hussein, der vor gut zehn Jahren gestorben ist, bis heute aber verehrt und auf vielen Großbildern geehrt wird.

Direkt an der Moschee, die 6000 Gläubigen Platz bietet, liegt das Büro von Hamdi Murad, er leitet das interreligiöse Forschungszentrum. „Wir sind eine Familie in dieser Welt“, sagt er über die Weltreligionen, sichtlich bemüht, keine Missstimmung aufkommen zu lassen. Er spricht von Frieden, von Toleranz, von Koexistenz. Über Politik und Probleme mag Murad weniger reden. Wie es wohl der Papst in dieser Hinsicht halten wird? Dass er auf Reisen klare Worte nicht scheut, ist spätestens seit seiner Regensburger Rede bekannt, in der er über das Verhältnis von Islam und Gewalt sprach und große Teile der muslimischen Welt gegen sich aufbrachte.

Einen Ort, der nicht auf der Reiseroute des Papstes liegt, sollte jeder Tourist besuchen, der nach Jordanien kommt: Petra. Lange war die alte Hauptstadt der Nabatäer im Sand der Wüste versunken, erst im 19. Jahrhundert wurde sie von dem Schweizer Archäologen Johann Burckhardt entdeckt. Der Weg nach Petra führt durch eine enge Schlucht aus Felsgestein, das sich mit jedem Lichtstrahl anders färbt. Ein magischer Ort mit Tempeln und Palästen. Petras Herz ist das Schatzhaus, eine mächtige Säulenfassade, vor 2000 Jahren aus einem Felsstück gehauen.

Wer mag, absolviert einen Teil der Wanderung auf dem Rücken eines Kamels. Dabei ist dreierlei zu beachten: Handeln Sie erstens den Preis für einen solchen Ritt ungefähr auf die Hälfte herunter. Zweitens: Wenn Sie das schwankende Gefährt erklommen haben und es in flottem Tempo lostrabt, über Stock und Stein, durch Sand und Staub, dann halten Sie sich fest und zücken Sie, drittens, auf keinen Fall Ihre Kamera, denn die Gefahr, dass sie hinunterfällt, ist groß. Zumal Ihnen ohnehin nur verwackelte Bilder gelingen dürften.