Dreiländereck

Soft Adventure und heiße Partys am Amazonas

Im Dreiländereck von Kolumbien, Peru und Brasilien kommt Jetset-Stimmung auf: Morgens ist man in dem einen, mittags in dem anderen und am Abend schon im dritten der Länder. Hier gibt es wilde Natur, dort wilde Amazonaspartys. Was nach dekadenter Luxustour klingt, muss nicht mal teuer sein.

Es gibt Rühreier mit Chilisoße und Bohnenmus zum Frühstück in Kolumbien. Grillfisch über Holzkohle wird als Mittagessen in Peru serviert, und zum Sonnenuntergang folgen Caipirinha-Cocktails in Brasilien. Was sich nach dem Jetset-Alltag von Luxustouristen anhört, kann sich auch jeder Rucksackreisende für 40 Euro am Tag leisten – Übernachtung, Motorradtaxi und Bootsfahrt sind inklusive. Allerdings muss er dazu erstmal in das von Urwald und Flussläufen eingeschlossene Dreiländereck am Amazonas gelangen.

Schon die Namen klingen nach tropischem Abenteuer: Leticia heißt die kolumbianische Grenzstadt, Tabatinga die brasilianische, und in Sichtweite liegt Santa Rosa, die verträumte peruanische Insel im Amazonas. Dschungelwanderungen, Ausflüge zu Siedlungen der Ureinwohner und Amazonas-Partys ziehen auch Großfamilien an, die aus dem zwei Flugstunden entfernten Bogotá anreisen.

Die wissen und sehen auch, dass Marine, Militär und Polizei aus allen drei Staaten im Dreiländereck massiv vertreten sind, so dass Drogenbarone, Kidnapper und andere Verbrecher in der Regel einen Bogen um die Gegend machen.

Partyzeit im Dreiländereck

Jeden Sonntag ist am Nachmittag Partyzeit am Rande von Leticia. Musik plärrt, Rum und Bier fließen in Strömen. Eine Oma richtet der Enkelin die Schleifchen im Haar.

Einheimische und zwei „Gringos“ spielen auf dem Rasen zwischen hohen Bäumen Volleyball. Die Sonne wirft ihre letzten Strahlen auf das blaubraune Wasser und versinkt hinter dichtem Grün. Nun wird es Zeit für Peru: Dort tobt eine andere Party bis tief in die Nacht.

Kleine Boote mit und ohne Beleuchtung schippern im Dunkeln von Tabatinga und Leticia aus nach Santa Rosa. Die Musik wird lauter. In drei hölzernen Barschuppen tanzen mehrere Generationen.

Der Strom kommt aus brummenden Generatoren. Die Rhythmen sind ähnlich wie in Brasilien und Kolumbien: Salsa, Rock, Merengue, Bajata, etwas Rap und Lambada.

Auch zwei Weltenbummler aus Miami, die vom brasilianischen Belem aus über Manaus schon seit drei Wochen unterwegs sind, genießen die Party. Der 25-jährige Jim schwärmt vom etwa 80 Kilometer entfernten Nationalpark Amacayacu und macht seine Arme immer länger: „Ich habe dort an zwei Tagen Anacondas gesehen. Das glaubt mir zu Hause keiner. Zum Glück habe ich Fotos.“

Rene Riveros nickt zustimmend. Der 37-jährige Brasilianer, der in Leticia mit seiner Frau eine kleine Reiseagentur betreibt und einen alten VW Cabrio fährt, trinkt am Sonntag sein Bier gern in Peru. „Das Leben ist relaxt: Kein Stress, keine Passkontrolle, kein Rassismus. Die Menschen aus den drei Ländern verstehen sich gut“, sagt er.

"Aufpassen musst Du überall..."

Wer Zwei-Länder-Atmosphäre hautnah erleben will, schläft im „Hotel La Frontera“. Vor der Frühstücksterrasse im zweiten Stock flattern ein Dutzend Papierdrachen. Die Außenwand des Hotels liegt noch in Kolumbien. Einen Meter weiter, wo die Kinder ihre Flieger starten, beginnt Brasilien. Vom langen Balkon der Vorderfront fällt der Blick auf die Flaggen der beiden Länder, auf Lieferwagen, Motorräder und Fußgänger. Der Grenzposten im brasilianischen Tabatinga ist zu dieser Stunde unbesetzt. Die Kollegen in Leticia winken lässig alles durch. Das schlichte Zimmer im „La Frontera“ hat Klimaanlage und kostet mit Frühstück etwa 20 Euro. Grillfisch ist für 3, eine Bootsfahrt und eine „Caipi“ für je 2 Euro zu haben.

Wer es edler mag, für den gibt es in dieser Gegend auch bessere Herbergen wie in Leticia das „Anaconda“ und das „Decameron“, wo die Nacht ab etwa 80 Euro kostet. In den Wäldern und Naturparks werben auch Dschungel-Lodges um Gäste. Der Direktor des „Decameron“, Javier Espiritu Ramos, kennt die Sicherheitshinweise der Außenministerien in Berlin und Washington, die auf Gewalt und andere Reiserisiken hinweisen. „In Kolumbien gibt es in den letzten Jahren Fortschritte im Friedensprozess und weniger Gefahren“, meint der Hotelmanager dazu. Überfälle seien zumindest im Dreiländereck fast unbekannt. „Aufpassen musst Du überall und darfst nie leichtsinnig werden, auch bei uns nicht“, sagt Rene Riveros.

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Anreise und Formalitäten: Von Deutschland geht es zunächst nach Bogotá in Kolombien. Geflogen wird die Strecke unter anderem mit Iberia mit Umsteigen in Madrid. Dann weiter mit Aero República Colombia nach Leticia. Ein noch mindestens sechs Monate lang gültiger Pass genügt. Im Dreieck gibt es in der Regel keine Grenzkontrollen.

Klima und Reisezeit: Tropisches Klima mit ganzjähriger Reisezeit. Am Amazonas kann es im Sommer sehr heiß werden. Etwas weniger warm ist es im Winterhalbjahr.

Währung: Der Peso aus Kolumbien und Brasiliens Real werden auch im peruanischen Teil der Region akzeptiert. Mit Kreditkarten können bei einigen Banken in Leticia auch Pesos an Geldautomaten gezogen werden. Für einen Euro gibt es 2870 Pesos oder 2,90 Real (November 2008).

Sicherheitshinweise: Im Internet unter www.auswaertiges-amt.de .