Krimi-Reisen

Spielen Sie doch selbst einmal den Kommissar!

"Gestatten, Hercule Poirot, weltbester Privatdetektiv": Mit diesen Worten lässt Agatha Christie eine ihrer berühmtesten Romanfiguren auftreten. Für alle, die mehr über die Krimikönigin und ihre Kollegen erfahren oder selbst mal auf Verbrecherjagd gehen wollen, gibt es Reisen auf speziellen Routen.

„Kombiniere, Watson“ – wer kennt nicht diesen Ausruf von Sherlock Holmes. Der geistige Vater des Detektivs, Sir Arthur Conan Doyle (1859–1930), hätte am 22. Mai seinen 150. Geburtstag gefeiert. Zu diesem Jubiläum stellen wir Reisen vor, die auf die Spuren von Krimi-Autoren und zu Tatorten führen, oder bei denen das eigene kriminalistische Gespür gefragt ist.

Grossbritannien

In der Londoner Baker Street sollen Sherlock Holmes und Dr. Watson einst gewohnt haben – in einer Mietpension. Das Haus 221b ist ein viktorianischer Bau, der bestens auf Arthur Conan Doyles Beschreibung des Sherlock-Holmes-Domizils passt. Hier befindet sich – richtig kombiniert – das mit viel Liebe zum Detail eingerichtete Sherlock-Holmes-Museum. Im Arbeitszimmer der beiden Detektive können Besucher in den Sesseln vor dem Kamin oder am Schreibtisch mit Chemielabor Platz nehmen. Lupe, Holmes-Mütze, Pfeife und Watson-Melone liegen für Fotos griffbereit. Nebenan befindet sich Holmes’ Schlafzimmer. Die Räume ihrer Vermieterin Mrs. Hudson und Dr. Watsons Schlafzimmer liegen eine Etage höher, und im dritten Stock stehen sich Holmes und sein Erzfeind Professor Moriarty gegenüber – als Wachsfiguren. Ein Besuch dieses Museums gehört zum Stadtrundgang, den Theaterschauspieler von London Walks jeden Freitag um 14 Uhr anbieten. Treffpunkt: U-Bahnstation Embankment. Die Teilnahme kostet rund acht Euro ( www.walks.com ).

Agatha Christie verdanken wir die großartigen Spürnasen Miss Marple und Hercule „Isch bin Belgier“ Poirot. Die Krimi-Königin erblickte in Torquay an der englischen Riviera 1890 das Licht der Welt und verbrachte viele Jahre ihres Lebens dort. Zum 100. Geburtstag 1990 wurde die „Agatha Christie Mile“ eröffnet. Zu den Sehenswürdigkeiten der Route gehört unter anderem das „Grand Hotel“, in dem sie 1914 ihre Hochzeitsnacht verbrachte, und wo Gäste heute die „Agatha-Christie-Suite“ buchen können. Das Torquay Museum vermittelt mit Fotos und Bildern einen Einblick in ihr Leben: Agatha bei Konzerten, beim Nachmittagstee oder beim Rollschuhfahren auf der Princess-Pier. Ergänzt wird die Sammlung mit Objekten aus ihren Stücken. Ihr Sommerhaus Greenway im nahen Galmpton beschrieb sie als den „schönsten Platz auf der Welt“. Der Garten ist seit 2004 für Besucher geöffnet, das Wohnhaus folgte in diesem Jahr. Vom 13. bis 19. September 2009 findet das jährliche Agatha-Christie-Festival mit Filmen und Theaterstücken, Lesungen und Partys statt ( www.englishriviera.co.uk ).


Ian Rankin lässt seinen Inspector Rebus im schottischen Edinburgh ermitteln – mit Erfolg: 17 Romane gibt es bereits, die auch alle ins Deutsche übersetzt wurden. Das schottische Fernsehen produzierte ab 2000 die Serie „Rebus“ mit bislang 14 Episoden. Auf die Spuren des eigenbrötlerischen Anti-Helden führt das Unternehmen Rebustours mit verschiedenen Touren zur düsteren Seite Edinburghs inklusive Lese-Stopps. Die rund zweistündigen Spaziergänge kosten zehn Pfund pro Person (rund elf Euro) und beginnen an Rebus’ Lieblingspub „The Royal Oak“ ( www.rebustours.com ).

Skandinavien

Nach Ystad zieht es die Fans der Wallander-Romane von Henning Mankell. Für sie hat das Tourismusbüro der südschwedischen Küstenstadt eine Karte zu Drehorten und Mordplätzen herausgegeben und bietet Stadtwanderungen sowie eine „Wallander“-Pauschale an. Im Preis ab 75 Euro enthalten sind eine Übernachtung im „Hotel Continental“, ein Essen im Hotel-Restaurant, das zu den Lieblingsplätzen des mürrischen Kommissars gehört, die Karte und der Eintritt in das Filmmuseum ( www.ystad.se ).

„Kriminelles Island“: Unter diesem Titel entführt Troll Tours Krimifans in die dunkle Welt von Arnaldur Indridason und Viktor Arnar Ingólfsson. Begleitet wird die achttägige Reise zu den Schauplätzen ihrer Krimis und den Sehenswürdigkeiten des Landes von Coletta Bürling. Die Übersetzerin von Indridasons und Ingólfssons Romanen lebt seit vielen Jahren auf der Insel im Nordatlantik. Termine gibt es noch bis August (ab 1919 Euro, www.trolltours.de ).


Das Buch „Die Tote von Sizilien – Eine Spur führt nach Dänemark“ des dänischen Autors Hans-Willy Bautz ist eine Mischung aus Krimi und Reiseführer. Gemeinsam mit der Kommissarin Angela Pecci lernt der Leser die Geschichte und die Landschaften im Südosten Seelands kennen. Dazu gehört die Fachwerkstadt Køge südlich von Kopenhagen, eine der besterhaltenen Mittelalterstädte Dänemarks, die unterirdische Festungsanlage Stevns Fort, während des Kalten Krieges Beobachtungs- und Abwehranlage und seit 2008 ein Museum, oder das Dorf Faxe, wo 1901 die Faxe-Brauerei (Dänemark drittgrößte Brauerei nach Carlsberg und Tuborg) gegründet wurde. Am Ende des Buches gibt es 71 Fotos von den Orten der Handlung. Erschienen ist der 390 Seiten starke Krimi für 24,90 Euro beim Verlag Monsenstein und Vannerdat, www.mv-buchshop.de

Deutschland

„Berlin sucht einen Mörder“ heißt es bei Stattreisen Berlin. Die Hobby-Ermittler können bei der „Großen Tatort-Rallye“ einen Tag lang auf die Suche nach einem fiktiven Mörder gehen und lernen bei ihren Recherchen die Hauptstadt auf eine ungewöhnliche Art kennen. Buchbar ist das Programm derzeit nur für Gruppen ab zwölf Personen unter www.stattreisenberlin.de (Preis auf Anfrage). Angeboten wird außerdem eine dreistündige Tour auf den Spuren der Berliner „Tatort“-Fernsehkommissare Ritter und Stark (11,50 Euro).

Als „Deutschlands Krimilandschaft Nr. 1“ bezeichnet sich die Eifel. Den Grundstein dafür legte Jacques Berndorf mit seinem 1989 erschienenen Krimi „Eifel-Blues“. Mittlerweile kommt im Raum zwischen Aachen, Köln, Koblenz und Trier eine ganze Krimi-Bibliothek zusammen. Elf Schauplätze verbindet der Eifelkrimi-Wanderweg miteinander. Eine Broschüre versorgt die Krimifans mit Übersichtskarten, einer Literaturliste sowie Wegbeschreibungen. Eine dreitägige Wanderpauschale ist bei der Touristinformation Hillesheim ab 135 Euro pro Person buchbar ( www.eifelkrimi-wanderweg.de , www.hillesheim.de ).

„Hallo, hier spricht Edgar Wallace“ heißt es bei den Krimidinnern im Stil der 60er-Jahre. Dabei serviert „Familie Ashtonburry“ ihren Gästen zum Vier-Gänge-Menü im luxuriösen Ambiente auch eine Menge dunkle Geheimnisse. Wer miträtseln mag, wird von den Darstellern in die Theaterstücke rund um den Familienclan einbezogen. Aufführungen gibt es deutschlandweit; in Hamburg, Berlin oder München ebenso wie im Welfenschloss in Herzberg am Harz, in Nennig an der Mosel oder auf Schloss Romrod in Hessen. Karten kosten ab 63 Euro, Termine und Orte unter www.krimidinner.de