Der Sommer kann beginnen. Eine gute Stunde südlich vom Flughafen Thessaloniki hat die Saison im Sani Resort wieder begonnen. Der Winterschlaf ist ausgeschlafen, die Marina füllt sich ganz allmählich wieder mit Segel- und Motoryachten, und rund um diese annähernd runde Hafenanlage macht ein Restaurant nach dem anderen wieder auf.
Nicht, dass auch die Zeit Ende Oktober bis Mai ihren Reiz hätte. Die langen Strände sind dann vollständig geleert, und für die, die hier überwintern, ergibt sich zwangsläufig eine familiäre Atmosphäre. Doch die vier Hotels, die das Resort namens Sani bilden halten die Gästezimmer für Urlauber verschlossen. Lediglich ein paar Handwerker die hier und da was ausbessern, Manager und Kaufleute, die im kleinen Bürokomplex auf dem weitläufigen Gelände der Firma ihre Hausaufgaben machen, trifft man dann an. Nur einige wenige der insgesamt mehr als ein Dutzend Restaurants und Bars hat in der Nicht-Saison geöffnet. Aus den umliegenden Dörfern kommen dann die Einheimischen vorbei, auf ein Schwätzchen, auf ein Essen, auf ein bisschen Kurzweil.
Sani, „The Mediterranean Destination“ wie es im global wirksamen Tourismus-Englisch etikettiert wurde, ist definitiv ein Sommer-Sonne-Strand-Ziel. Und zwar mit völlig verschiedener Hotelhardware für ganz unterschiedliche Kunden und deren besondere Wünschen und Erfordernissen.
Sani ist eine Hotelanlage, ein privater Hafen, eine Einkaufspiazza, ein Dine-around-Treffpunkt, ein sieben Kilometer langer Sandstrand, eine Wellness-Welt, ein Naturpark. Aber vor allem eines: ein privater Besitz am Meer. 400 Hektar groß. Und seit den 60er-Jahren, als alles begann, stetig weiterentwickelt.
An der Südseite des Strandes ragt das Kap Sani mit einer markanten Turmruine ins Bilderbuchmeer, dahinter die einzige Bausünde, als die man den mehrstöckigen, zweiflügligen Hotelbau aus heutiger Sicht verurteilt. Es ist das in den späten Siebzigern gebaute Sani Beach Hotel und war bei seiner Eröffnung gewiss auf der geschmacklichen Höhe der Zeit.
Sani - einst unerschlossen und mückenverseucht
"Sollen wir abreißen, was unsere Väter errichtet haben", fragt Dr. Andreas A. Andreadis, der smarte, schlanke CEO des Sani Resorts eher rhetorisch. Nein, irgendwie gehört das Beach Hotel einfach dazu. Es ist ein Meilenstein in der Geschichte dieses Landstrichs, auch ein Denkmal in der Geschichte der Familien Andreadis und Zsiadis. Ihr zufolge wurde Anastasios Andreadis im Frühjahr 1960 mit seinen Geschäftspartnern Leonidas F. Zsiadis und Leonidas K. Zsiadis per Boot zu einer Bucht gefahren, die Sani genannt wurde. Kaufland, das Mönche vom Kloster Stavronikita auf dem Berg Athos (östlicher Finger der Chalkidiki) feilboten. Unerschlossen, mückenverseucht, im Hinterland viele Sumpfgebiete und immergrüne Pinienwälder. Recht trostlos. Bis auf das Smaragd-Meer, die Sonnenwärme, das besondere Licht - und die visionäre Kraft des Herrn Andreadis.
Auch wenn das Sani Beach Hotel, das in Katalogprosa auch als „das zeitlos klassische Hotel“ umschrieben wird, optisch aus heutiger Sicht ein Schlag ins Gesicht ist, bemüht sich das Management, es so gut wie möglich in den Resortcharakter zu integrieren. Im vergangen Jahr erst hat die weiße Fassade einen eher ins Sandfarbene gehenden Anstrich bekommen, um es den anderen Häusern Mimikry-artig anzupassen. Und jüngst wurden auch alle Zimmer und Balkone, vor allem die Bäder, renoviert.
Im Speisesaal nimmt das Tourismusdrama seinen weiteren Lauf
Eigentlich ist hier Platz für alle da, auch wenn die immerhin 475 Zimmer des aus zwei mächtigen Gebäuden bestehenden Hotels voll belegt sind. Der Hauptstrand „Bousoulas“ ist schier endlos. Doch wie in jedem schlechten Mittelmeerhotel sind die leeren Liegen am Pool schon morgens um halb acht mit übergeworfenen Handtüchern belegt. Das lässt nichts Gutes ahnen. Im Speisesaal nimmt dieses Tourismusdrama seinen weiteren Lauf. Gut tausend Menschen an einem Buffet in nur einem Frühstücksrestaurant, das kann nicht gut gehen...
Andererseits: Das Sani Beach Hotel ist beliebt, das Preis-/Leistungsverhältnis scheint in diesem Vier-Sterne-Haus zu stimmen. Die Klientel ist bunt gemischt, von der vierköpfigen, unverkennbar britischen Familie mit garantiertem Sonnenbrand über das reichlich beleibte deutsche Rentnerpaar bis zum stiernackigen Goldketten-Russen, der mit zwei jungen Dingern unterwegs ist, die seine Töchter sein könnten – aber nicht sind. Und alle fühlen sich wohl. Sollte es mal kühler sein oder regnen, lockt das neue „mySpa“ mit Indoor-Pool, Fitnessstudio und Spa- und Beauty-Behandlungsräumen zu politisch korrekten Preisen.
Mit dem Sani Beach Club ging damals alles los, insofern ist er ein Alltime Favorite. Besonders beliebt bei Familien wirkt der All-inclusive-Club der Vier-Sterne-Kategorie (205 Zimmer) wie eine eigenständige Hotelanlage auf der Anlage. Der Blick über die sichelförmige Bucht macht die etwas weitere Wegstrecke zur Marina, dem Zentrum von Sani, mehr als wett. Und wer mal bei romantischem Sonnenuntergang in der „Ouzerie“ typisch griechisch gespeist hat, kann auf die Dine-Around-Möglichkeit (Halbpensiongäste können in fast allen Restaurants Essen-Gutscheine einlösen) am Hafen mal getrost verzichten.
Wer aber bewusst eine unmittelbare am Hafen zu schätzen weiß (und dabei in Kauf nimmt, dass der Weg zum Strand etwas weiter ist) und eine clubartige, in sich geschlossene Fünf-Sterne-Anlage bevorzugt, könnte im Porto Sani Village richtig sein. „Das Spa Hotel“, wie es genannt wird, verfügt über 113 Suiten zwischen 35 und 90 Quadratmetern (am Ende der Saison wird renoviert) und ein großzügiges Spa mit Indoor-Pool und Anne-Sémonin-Produkten. Herzstück ist eine 1800 Quadratmeter große Poollandschaft mit Brücken, Felsen und Inseln, die planschende Kleinkinder wie auch Bahnen schwimmende Erwachsene glücklich macht. Gäste des Sani Beach Hotels oder des Beach Clubs haben hier keinen Zutritt. Umgekehrt dürfen die Porto Sani Village-Urlauber am „Privatstrand“ vor den Sani Asterias Suites eine Liege in Beschlag nehmen.
Die Asterias Suites sind das I-Tüpfelchen der Anlage
Sie sind die exklusivsten, größten, neuesten, geschmackvollsten - und teuersten - Zimmer im ganzen Sani-Resort und untermauern den Premium-Anspruch der Inhaberfamilien. Das nur 50 Suiten zählende Boutiquehotel (Zimmergrößen 50-90 Quadratmeter) bietet seinen Gästen Marina- oder Meerblick, den erwähnten eigenen Strand (mit sehr großzügig von einander entfernt aufgebauten Liegen und Schirmen) und einen exklusiv nutzbaren Pool. 2008 soll gar ein eigener Spa-Bereich folgen.
Nach Verfügbarkeit kann man sich an der Rezeption auch einen iPod mit Sani-Musikprogramm ausleihen. Das Frühstückserlebnis hier ist mit dem im Beach Hotel nicht zu vergleichen. Weder atmosphärisch noch kulinarisch – kaum zu glauben, dass diese beiden Hotels direkte Nachbarn eines gemeinsam geführten Resorts sind. Frisches Obst, gut sortierter Aufschnitt und Käse, hausgemachte Kuchen und eisgekühlter Sekt zählen zum selbstverständlichen Angebot – ebenso wie ein netter Service junger, internationaler Bedienung.
Trotz der Exklusivität (eine Woche mit Flug, Transfer und Frühstück im Hotel Asterias Suites kostet beispielsweise beim Griechenlandspezialisten Attika Reisen je nach Zimmertyp ab 1212 Euro in der billigsten und bis zu 4128 Euro in der teuersten Reisezeit) ist das Fünf-Sterne-Haus nicht kinderfrei. Das sollte Familien freuen und kuschelbedürftige Paare nicht schrecken, schließlich haben alle Suiten Rückzugsgebiete wie eine Gartenterrasse oder einen mit geschmackvollen Rattan-Designermöbeln ausgestatteten Balkon.
Dass es im Sani-Resort keinen Stillstand gibt, ist schlau, so hält man Wiederholer - und davon gibt es angeblich eine Menge - bei Laune und bleibt reizvoll. In drei, vier Jahren, so die internen Pläne, könnte südlich des alten Sani Beach Clubs eine Fünf-Sterne-All-inclusive-Anlage im karibischen Stile entstehen. Und auf der großen Rasenfläche in der Nähe vom Porto Sani Village stellen sich die Sani-Macher kleine Pool-Villen vor. Acht bis zehn Stück, höchstens. Exklusivität muss schließlich gewahrt bleiben.
Auskunft und Buchung : Sani Resort / The Mediterranean Destination, 63077 Kassandra, Chalkidiki, Griechenland; Tel. 0030/237 40-994 00, Fax - 99508, E-Mail: info@saniresort.gr. Das Resort ist auch u.a. im Angebot bei TUI, Airtours, Thomas Cook und Attika Reisen.

