Anlaufstelle

Schlichter helfen Kunden bei Ärger mit der Bahn

Verspätungen, verpasste Anschlüsse und komplette Ausfälle – Bahnreisen sind keineswegs immer ein Vergnügen. Doch Fahrgäste haben Anspruch auf Entschädigung. Und falls das Verkehrsunternehmen das nicht einsieht, können sich Reisende ab sofort an eine neue Schlichtungsstelle wenden.

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Verspätungen, verpasste Anschlüsse und komplette Ausfälle – Bahn-, aber auch Flugreisen, so die Erfahrung vieler Reisender, sind oft kein Vergnügen. Immerhin sorgen seit dem Sommer neue Gesetze dafür, dass Fahrgäste für ihren Ärger wenigstens Anspruch auf Entschädigung haben. Doch wer auch in dieser Frage im Streit mit dem Verkehrsunternehmen liegt, muss nicht gleich vor Gericht ziehen. Mit der nun eröffneten „Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr“ (SÖP) gibt es eine neue Anlaufstelle, die Reisenden hilft, zu ihrem Recht zu kommen.

Die Schlichtungsstelle mit ihren zunächst sechs Mitarbeitern kann immer dann eingeschaltet werden, wenn Fahrgäste bei den Unternehmen bereits Beschwerde eingelegt haben und mit deren Reaktion nicht einverstanden sind. „Es gibt dazu zwar Gesetze, aber die Praxis zeigt, dass Regelungen unterschiedlich ausgelegt werden“, sagt SÖP-Leiter Edgar Isermann, der zuvor Präsident des Oberlandesgerichts Braunschweig war. Er verspricht ein zügiges und objektives Beschwerdeverfahren. Die Kosten werden von den Unternehmen getragen, für die Fahrgäste ist die Schlichtung gratis. Verbindlich sind die Schlichtersprüche für die Verkehrsanbieter allerdings nicht.

Die SÖP ersetzt die „Schlichtungsstelle Mobilität“, die am 30. November ihre Tätigkeit nach fünf Jahren eingestellt hat. Sie war beim Verkehrsclub Deutschland (VCD) angesiedelt und wurde vom Bund finanziert. Insgesamt hat die Schlichtungsstelle 14.000 Anfragen bearbeitet. Ihre Schlichtungsvorschläge wurden nach eigenen Angaben von der Bahn zu 85 Prozent und von den Fluggesellschaften zu 40 Prozent auch angenommen.

Grundlage für die unbefristete „Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr“ sind die am 29. Juli 2009 in Kraft getretenen Fahrgastrechte im Bahnverkehr. Sie sehen unter anderem vor, dass Zugreisende bei einer Verspätung von mehr als einer Stunde 25 Prozent des Fahrpreises erstattet bekommen können.

Finanziert wird die SÖP von den Verkehrsanbietern selbst. Der Trägerverein hat aktuell neun Mitglieder, darunter die Deutsche Bahn AG und deren Bustochter DB Stadtverkehr, aber auch die privaten Bahn-Konkurrenten Veolia und Keolis.

Kontakt: Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr, Fasanenstraße 81, 10623 Berlin, im Internet: www.soep-online.de