Eine Maniküre, bei der die Fingernägel sofort gefeilt werden, sobald sie auch nur einen Zehntelmillimeter gewachsen sind, mag man als übertrieben empfinden. Eine Lobbylounge hingegen, in der jedes Sofa, jeder Sessel, jedes Kissen von einem dienstbaren Geist in ein perfektes Arrangement zurück versetzt wird, wenn ein Gast diesen Aufenthaltsraum verlassen hat, ist schlichtweg perfekter Service.

Dienstbare Geister gibt es zuhauf im erst Mitte September eröffneten Hotel Al Husn, 15 Autominuten südöstlich von Omans Hauptstadt Maskat (Muscat). 200 von ihnen sind von Zeit zu Zeit sichtbar, an der Rezeption, am Strand, den Restaurants, Zimmern, in der Lobby - etwa 80 bis 100 werkeln im Hintergrund, in der Buchhaltung, Personalabteilung oder Werkstatt. So ganz kann man das hier auch gar nicht beziffern, denn das Sechs-Sterne-Haus gehört zu einem drei Hotels umfassenden 680-Zimmer-Resort der in Hongkong beheimateten Luxushotelgruppe Shangri-La. Das Al Husn, also "Die Burg", ist das erste Sechs-Sterne-Hotel der Gruppe. Es thront angemessen auf einer felsigen Halbinsel hoch über dem Fünf-Sterne-Haus Al Waha ("Die Oase") und dem Al Bandar ("Die Stadt"), das Fünf Sterne Deluxe aufweist. Al Husn ist ein deutliches Positionierungs-Statement der Hongkonger Marketingabteilung. Neben dem klassenüblichen Service, den ein international ausgerichtetes Haus der Fünf-Sterne-Kategorie bietet, gesteht Shangri-La dem Al Husn für den persönlichen Service, Setting, Lage, Architektur, Dining-Angebot und nicht zuletzt für das Spa einen sechsten Stern zu. Soweit die Theorie.

Eiskalte Tücher und köstlicher Mangosaft zu Begrüßung

In der Praxis beginnt und endet der Shangri-La-Service am Flughafen. Sechs Audi A6, zwei Audi A8 und ein Bentley Continental Flying Spur zählen zum Hotel-Fuhrpark. Wer die palmengesäumte Hotelauffahrt hochgefahren wird, den mit mattem, dunklem Leder ausgeschlagenen britischen Viertürer verlässt und die Tür schwer ins Schloss fallen hört, blickt zunächst in freundliche, tiefdunkle Augen, die unter einem kunstvoll gebundenen Turban hervorlugen. Welcome. Willkommen in Arabien, im Land von Geschichten aus 1001 Nacht, in der Heimat von Sindbad dem Seefahrer, in der betörenden Duftwelt von Weihrauch. Es werden eiskalte Tücher und köstlicher Mangosaft gereicht. Scott Mawhinney, der elegante wie eloquente Resident Manager, grüßt und führt den Gast - begleitet von zwei weiteren Shangri-La-Mitarbeitern - aufs Zimmer. Der sonst manchmal nervende Check-in verläuft diskret, persönlich, en passant: "Bitte unterschreiben Sie hier..."

180 Gästezimmer umfasst das in zwei Flügeln angelegte Al Husn. Die kleinsten Räume haben eine Fläche von 48 Quadratmetern. Es folgen sechs "One Bedroom Suites" mit 116 Quadratmetern, sechs Deluxe-Suiten mit 132 qm, drei Spezial-Suiten (jeweils 174 qm) und die gewaltige "Jabreen Suite" mit 500 Quadratmetern. Ein Zimmer, von dem man das Meer nicht sehen könnte, gibt es nicht. Mindestens ein Balkon, Terrasse oder Patio pro Raum sind obligatorisch. Die Preise beginnen bei 175 Euro pro Person und Nacht im Deluxe-Doppelzimmer mit Frühstück (buchbar etwa über Dertour).

Zum exklusiven Angebot des Hotels zählen ein eigener Pool und Strand, eine Bibliothek und Cigar Lounge, die für die übrigen Resortgäste nicht zugänglich sind.

Ein Hotel wie ein gut geführter Club

Schließlich sind die Erwartungen an ein Haus wie das Al Husn auch gewaltig. "Die Burg" versteht sich als Veranstaltungsort für Incentives, Partys, Filmpremieren, Autovorstellungen und VIP-Buchungen. Scott Mawhinney, "Mr Scott", wie seine Mitarbeiter den Hotelmanager nennen, sieht in Zukunft das Haus wie einen gut geführten Club. Ein Treffpunkt für die Elite, im britischen Stil. "Let's go to Muscat, let's go to a private Club in Muscat", will er die entscheidenden Reisenden sagen hören. Dabei spielt das seit zwei Jahrzehnten mit enormem Renommee ausgestattete Luxushotel Al Bustan Palace InterContinental Muscat, nur ein paar Kilometer weit weg, offenbar keine wichtige Rolle. "Wir wollen uns mit dem Dorchester in London, dem Hotel du Rhone in Genf oder dem Dolder Grand in Zürich messen. Oder dem Island Shangri-La, Hong Kong", fasst Mr Scott sein Serviceleitbild zusammen. Und Desmond Hatton, der General Manager aller drei Häuser, die hier Shangri-La's Barr Al Jissah Resort & Spa bilden, stimmt ein: "Wir setzen neue Maßstäbe in Oman, und dabei jagen wir dem Al Bustan Palace noch nicht einmal Gäste in nennenswerter Zahl ab - wir bringen völlig neue Reisende ins Land." Dass das Al Bustan Palace das gesamte Jahr 2007 geschlossen hat und für Millionen renoviert wird, wertet Hatton als Kompliment für sich selbst und fürs eigene Resort.

Zufrieden sind auch die Wasserschildkröten in der sandigen Al-Jissah-Bucht. Ihr Ende schien gekommen, als der Haupteigentümer dieser Hotelanlage, der ehemalige Handelsminister Mohammad bin Al Zubair, mit einem Hubschrauber über die sichelförmige Naturbucht flog. Doch siehe da: Schildkröten und Touristen vertragen sich prächtig. Wenn die Schildkröten ihre Eier im Sand ablegen und die Kleinen dann schlüpfen, ist ein "Turtle Ranger" zur Stelle, der interessierten Urlaubern, und sei es mitten in der Nacht, dieses kleine Naturwunder am Ferienstrand zeigt. Langeweile oder Gedränge kommen in dem weitläufigen Resort nicht auf. Dafür sorgen auch außerhalb der Schildkrötensaison nicht weniger als 20 Restaurants, Cafés und Bars, diverse Wassersportmöglichkeiten, das Spa (derzeit zwölf Spa-Villen, ein weiteres Dutzend öffnet 2007) und der "Lazy River", ein ringförmiger Kanal, auf dem man sich in einem Gummiring liegend vom Pool des Al Bandar Hotels zum Pool des Al Waha treiben lassen kann. Ein Dorf mit Häusern im omanischen Stil, Handwerk, Musik, Pferden und Kamelen hat gerade eröffnet, eine Marina samt Tauchzentrum soll zum Jahreswechsel öffnen - alles in Laufweite.