Die 337 Meter hohe Bauruine in der Hauptstadt Pjöngjang war mehr als 20 Jahre lang groteskes Wahrzeichen für die Selbstüberschätzung des bankrotten Regimes von Kim Il-sung.

Auf 105 Stockwerke hatte der "große Führer“ sein für 3000 Zimmer konzipiertes Superhotel "Ryugyong“ hochziehen lassen. Umgerechnet 30 Millionen Euro pumpte Kim in seine gigantische Pyramide, bevor ihm 1991 das Geld ausging und bauliche Problem überhand nahmen.


Bei seinem vom Sozialismus gerade abgefallenen Nachbarn Russland und bei den mit sich selbst beschäftigten Chinesen war nichts mehr zu holen. Kim ließ seine von Nordkoreas Architekten (in einem japanischen Joint-venture) gebaute Betonrakete daraufhin einmotten: aufzubewahren für bessere Zeiten.


Die sind unter seinem Sohn und Nachfolger Kim Jong-il nun angebrochen. Nachdem der seine Atomanlagen in Yongbyon verschrotten lässt, hofft er weltweit wieder auf Kredit und Touristen.

2007 ließ sich der "liebe Führer“ die Kosten für einen Fertigbau schon mal vorrechnen, erfuhren jetzt Südkoreaner. Zwischen 750 Millionen und zwei Milliarden Dollar wären nötig. Abriss und Neubau kämen günstiger, wären aber ein Verrat am Vater, dem ewigen Präsidenten. Zu dessen 100. Geburtstag im Jahr 2012 soll das Luxushotel fertig sein.


Neben Drehrestaurants soll es über Casinos, Nachtklubs und japanische Lounges verfügen. Die Chinesen durften nach der Berechnung als Erste ran. Shandongs Fassadenbauer Xiongshi schloss im vergangenen August mit Nordkorea einen 42-Millionen-Dollar-Vertrag zur Verglasung der Außenfront. Die ist in vollem Gange.


Nach einem Bericht der "China Daily“ von gestern sind jetzt auch Fachleute des ägyptischen Hotel- und Bauriesen Orascom am Werk, der in Dubai das höchste Gebäude der Welt baut und dessen Tochtergesellschaft Orascom Telecom für Nordkorea ein Mobilfunknetz aufbaut.


Chinas Zeitungen werten den gleichzeitigen Abbau des Reaktors Yongbyon und den Weiterbau des Hotels vorauseilend als gutes Zeichen: Nordkorea wird wieder ein zivilisierter Staat.