Die Frühsommer-Buchungen seien im Jahresvergleich um bis zu zehn Prozent zurückgegangen, sagte der Leiter des Hotelverbands Hellenic Hotel Federation, Andreas Andreadis.

Vor allem aus Deutschland und Großbritannien gingen weniger Reservierungen ein. Damit schwächelt einer der wichtigsten Wirtschaftszweige des Mittelmeerlandes. Und das, obwohl Griechenland zuletzt auf der internationalen Tourismusmesse ITB in Berlin vehement um Urlauber geworben hatte.

Genützt hat das Engagement an den Messeständen anscheinend nur minimal: Für das Gesamtjahr rechnet Verbands-Chef Andreadis bei den Einreisen mit einem leichtem Plus und bei den Umsätzen mit einem kleinen Rückgang gegenüber 2009.

"Wir rechnen damit, dass sich die Lage langsam wieder verbessert." Hoffnung mache vor allem die Aussicht auf eine Zunahme der Reisenden aus Osteuropa und der Balkanregion.

Dabei war bereits im vergangenen Jahr war die Zahl der ausländischen Touristen in Griechenland um rund acht Prozent zurückgegangen, die Besucher gaben mit 10,4 Milliarden Euro rund zehn Prozent weniger aus als noch im Vorjahr. Grund waren damals generell die globale Finanzkrise, der starke Euro und die Konkurrenz durch günstigere Ziele in der Mittelmeerregion.

In Brüssel laufen unterdessen die Vorbereitungen für den EU-Gipfel auf Hochtouren - und werden von Diplomaten als "chaotisch" beschrieben. Weil Nothilfen für Griechenland nicht auf der Tagesordnung stehen, versuchten Frankreich, die EU-Ratspräsidentschaft Spanien und die EU-Kommission unmittelbar vor dem Gipfel ein Treffen der 16 Euro-Länder einzuberufen.

Deutschland versuchte gestern dieses Treffen nach Angaben von Beteiligten "mit allen Mitteln" zu verhindern. Das sorgte für erheblichen Unmut in Brüssel. Ein Diplomat sagte gegenüber Morgenpost Online: "Es könnte bei diesem Gipfel ein Gemetzel geben." Vor allem Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy fühlt sich offenbar "von Merkel über den Tisch gezogen", berichten Verhandlungsteilnehmer. Sein Unmut über die Kanzlerin sei "erheblich".

Sarkozy ist für eine schnelle Griechenland-Hilfe, Merkel dagegen. Ihre Position ist damit unverändert: Die Griechen hätten nicht um Finanzhilfen gebeten, also gebe es auch keinen Gesprächsbedarf beim EU-Gipfel heute und morgen. Es gelte die Absprache vom Gipfel im Februar: Griechenland solle zunächst versuchen, selbst aus seiner Schuldenkrise zu kommen. Erst wenn die Zahlungsunfähigkeit bevorstünde, werde man etwas unternehmen.

Inzwischen zeichnet sich zwischen Deutschland und Frankreich ein Kompromiss ab: Ein Bankrott Griechenlands soll durch Milliardenhilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) verhindert werden. Da der IWF Kredite nie in voller Höhe der Bedürftigkeit eines Landes zur Verfügung stellt, sollten sie mit bilateralen Hilfen ergänzt werden. Eine Beteiligung des IWF stößt der Europäischen Zentralbank jedoch bitter auf. Sie befürchtet offenbar, dass der Währungsfonds auch ihr Vorschriften machen könnte.

WON