Pflanzen, nicht Flugzeuge, haben Toulouse reich gemacht. Aus der einstigen Römersiedlung Tolosa entwickelte sich im 15. Jahrhundert eine wohlhabende Metropole, weil Pastel, zu Deutsch Färberwaid, auf den kalkhaltigen Böden gedieh. Aus den Blättern ließen sich Pigmente gewinnen, die ganz Europa begehrte. Man färbte damit Textilien in exquisiten Blautönen.
Und noch ein Gewächs mit blauer Farbe brachte der südfranzösischen Stadt Wohlstand und Renommee: Veilchen, die hier seit 150 Jahren kultiviert werden. Bis Ende März stehen sie in voller Blüte und werden als kugelige Bouquets oder als kandiertes Konfekt auf fast allen Toulouser Märkten angeboten. Ein guter Anlass, ein Wochenende in der Stadt zu verbringen. Vielleicht sogar schon das kommende, denn am 10. und 11. Februar feiert Toulouse das Veilchenfest, das "Festival de la Violette".
Freitag, 15 Uhr
Beginnen Sie Ihren Rundgang an der zentralen Place du Capitole, dem Rathausplatz. In Toulouse heißt das Rathaus nicht wie sonst in Frankreich Hotel de Ville, sondern Capitole, nach den Ratsherren der Stadt, den Capitouls. Im rechten Flügel des 128 Meter breiten klassizistischen Baus sind Oper und Theater zu Hause. Durch die Rue de Tour kommen Sie zur Basilika Saint-Sernin. Sie gilt als eine der schönsten romanischen Kirchen.
Über die Rue A. Lautmann und Rue Valade geht es zur Place St. Pierre. Genießen Sie den Blick über das Wasser der Garonne und auf die historischen Brücken, die sich darüber spannen. Flanieren Sie weiter auf dem von Platanen gesäumten Hochuferweg Quai Lucien Lombard und Quai de la Daurade. An der Pont Neuf biegen Sie ab in die Rue du Metz. Ecke Rue de l'Écharpe finden Sie hinter einem Torbogen das Hotel d'Assézat, das Anwesen eines reichen Pastelkaufmanns. Dieser Renaissancepalast beherbergt heute die "Fondation Bemberg". Sie zeigt Werke von Cézanne, Monet, Gauguin und anderen Impressionisten. Im Innenhof gibt es einen schönen Teesalon.
Eine noch imposantere Kaufmannsresidenz ist ein paar Schritte weiter das Hotel de Bernuy (1, Rue Gambetta). Seinen Erbauer Jean de Bernuy verlangte es nach dem höchsten privaten Turm der Stadt - eine kühne Konstruktion, halb rund, halb achteckig. Dahinter, in der Rue Lakanal, liegt die Klosterkirche Les Jacobins. Unter dem Hochaltar ruhen die Gebeine des Kirchenlehrers Thomas von Aquin. Über die Rue Romiguières spazieren Sie anschließend wieder zurück auf die Place du Capitole.
Freitag, 20 Uhr
Nun können Sie sich Toulouse auch kulinarisch nähern. Im Kellergewölbe des "La Cave au Cassoulet" (54, Rue Peyrolières, Tel. 0033/5/61 13 60 30) kommt das berühmte Eintopfgericht Cassoulet auf den Tisch: Bohnen, Speck, Entenkeulen, Schweinefleisch und dreierlei Würste werden stundenlang im Backofen gegart. Nach dem gehaltvollen Mahl fördert ein Armagnac die Verdauung. Der Weinbrand gilt als der älteste Frankreichs und wird westlich von Toulouse im Département Gers destilliert.
Wer es noch etwas feiner mag: Zu den besten Gourmet-Adressen der Stadt gehört "Les Jardins de l'Opéra" (Place du Capitole, Tel. 0033/5/61 23 07 76).
Freitag, 22.30 Uhr
Auf zum Gutenachtspaziergang: "Toulouse by light" nennt sich ein Projekt, bei dem 19 Gebäude, Straßen, Brücken und der Fluss Garonne stimmungsvoll erleuchtet werden. Beim Office du Tourisme an der Rückseite der Rathauses gibt es ein kostenloses Faltblatt mit allen Stationen. Fünf sollten Sie sich auf jeden Fall anschauen: die Kirche Notre-Dame de Lourdes, das Wasserkraftwerk und die Brücke Pont Neuf sowie die Basilika Saint-Sernin und gegenüber das Musée Saint-Raymond.
Samstag, 9 Uhr
Nutzen Sie den Samstagvormittag für einen Bummel durch die Geschäfte und über die Märkte der Stadt. Wenn Sie es schaffen, am 10. Februar in Toulouse zu sein, gibt es allerdings zunächst nur ein Ziel: das Veilchenfestival auf der Place du Capitole. Von 9 bis 18 Uhr (auch am Sonntag) dreht sich dort alles um die Duftblume. Gärtner stellen ihre schönsten Züchtungen aus, Floristen zeigen, wie die traditionellen Bouquets gebunden werden. Es gibt Veilchen im Topf und frische Sträuße, kandierte Blüten zum Naschen oder verarbeitet in Likör, Schokolade, Konfitüre, Honig, Tee.
Sie bekommen natürlich auch diverse Veilchenkosmetika und Parfüms, darunter den Klassiker "Violettes de Toulouse" aus dem Hause Berdoues. Henri Berdoues komponierte den Duft 1936 als Liebesbotschaft für seine Herzensdame. Das Duftwasser machte schnell Furore. Bis heute werden jährlich etwa 500 000 Flakons in alle Welt verkauft. Das reine Veilchenaroma stammt übrigens nicht aus den Blüten, sondern aus den Blättern. 1000 Kilo sind nötig, um einen Liter Duftextrakt zu gewinnen.
Samstag, 13 Uhr
Wie wäre es mit einem Lunch über der Markthalle an der Place Victor Hugo? Ganz recht, der Bau sieht aus wie ein Parkhaus und ist es auch - allerdings nur in den oberen Etagen. Im Hochparterre finden Sie Marktprodukte der Region. Daraus werden kulinarische Spezialitäten bereitet in schlichten, ineinander übergehenden Restaurants im ersten Stock. Genießen Sie den Blick auf Belle-Époque-Häuser.
Wenn Sie anschließend nach weiteren typischen Mitbringseln suchen, begeben Sie sich auf die Straßen rund um die Place du Capitole. Doch der originellste Laden der Stadt schwimmt: "La Maison de la Violette" (2, Boulevard de Bonrepos) ist ein ehemaliger Lastkahn. Gestrichen in Violett und Grün liegt er auf dem Canal du Midi, gegenüber vom Bahnhof. Veilchenliebhaber finden hier alles, was es sonst nur zum Festival gibt.
Samstag, 17 Uhr
Auf dem Canal du Midi schaukelt noch eine zweite Attraktion: das gerade eröffnete "Buddha Boat Spa" (Boulevard Monplaisir, Tel. 0033/5/61 55 54 87, www.buddhaboat.fr. Körperbewusste Toulouser und pflastermüde Touristen schiffen sich auf dem hölzernen Hausboot ein für asiatisch inspirierte Massagen und Beautybehandlungen. Danach Abendessen und vielleicht noch ein Absacker in den Bars um die Place St. Pierre.
Sonntag, 10 Uhr
Ihnen gefallen die Milieustudien von Henri de Toulouse-Lautrec? Dann lohnt sich ein Ausflug in seine Geburtsstadt Albi. Stündlich fahren Züge in knapp 60 Minuten dorthin. "Frivole Bilder hinter Kirchenmauern" könnte das Motto der weltgrößten Sammlung seiner Arbeiten sein. Das frühere erzbischöflische Palais beherbergt 600 Gemälde, Plakate, Keramikbilder und Zeichnungen, die alle ein Thema haben: das Pariser Nachtleben Ende des 19. Jahrhunderts.
Sonntag, 15 Uhr
Bevor Sie heimreisen, sollten Sie noch einen Abstecher in den Weltraum machen - virtuell, versteht sich. Und damit sind wir endlich beim Thema Fliegen. Nicht erst seit Airbus (am Wochenende leider keine Werksbesichtigungen) ist Toulouse ein Luftfahrtstandort. Bis zum Ersten Weltkrieg reicht die Tradition zurück. 1969 startete hier die Concorde zum Jungfernflug.
Der multimediale Weltraumpark "Cité de l'Espace" (Parc de la Plaine, Av. J. Gonord) macht das Universum bis zum entferntesten Planeten anschaulich. Dazu gibt es Astronomie-Simulationen, eine Wetterstation und maßstabgenaue Nachbildungen von Raumschiffen. Nach diesem Erlebnis wird Ihnen auf der Rückreise der Flughafen von Toulouse in Blagnac vorkommen wie von anno dazumal.
Ein Wochenende in Edinburgh
Ein Wochenende in Prag


