In ihrer kakifarbenen Kleidung und mit dunkelgrünem Filzhut sieht unser Guide Debra aus wie das weibliche Pendant zu Indiana Jones. Ob ihr dieser Vergleich gefällt? Vermutlich nicht, also schweige ich. Ihre Savannenkluft wirkt malerisch, aber nicht wie eine Karikatur.

Es ist 6.20 Uhr früh, die Temperatur beträgt angenehme 25 Grad Celsius; heute Nachmittag wird das Thermometer im Schatten 36 bis 40 Grad Celsius anzeigen. Dann werden wir unter Bäumen am Fluss dösen und dem Grunzen der Flusspferde lauschen. Doch jetzt führt uns Debra Tittle auf einer Wanderung durch die Savanne. Wir sind im South Luangwa National Park in Sambia, 13 Grad südlich des Äquators. Der Luangwa ist ein Nebenfluss des Sambesi.

Üblich ist es hier, im Landrover auf Fotosafari zu gehen. So ist man mobil und besser vor den nicht ganz auszuschließenden Angriffen von Löwen, Elefanten und Kaffernbüffeln geschützt. Doch beim Autofahren geht viel verloren, sagt Debra: „Zu Fuß sind wir Teil der Savanne. Es ist ein Unterschied, ob man im Wagen sitzt oder läuft. Es ist ein Unterschied, ob der Löwe den Büffel beobachtet oder dich.“ Ich weiß nicht, wie es meinen drei Begleitern geht – meine Vorfreude auf den Bush Walk steigert dies noch: mit Löwen auf Augenhöhe. Dank des kleinen Adrenalinschubs bin ich trotz der frühen Zeit hellwach, meine Sinne sind geschärft.

Das Risiko ist natürlich kalkuliert gering

Debra führt seit zehn Jahren Touristen durch die Reviere von Löwen und Kaffernbüffeln. Sie hat gelernt, deren Verhalten zu interpretieren. Sie weiß, wie groß die Distanz zu ihnen sein muss, damit sie sich nicht gestört oder bedroht fühlen. Nicht zuletzt begleiten uns Moses Mbewe und Gilbert Banda. Moses ist Nationalpark-Ranger und hat für den Fall der Fälle einen Finger am Abzug seines großkalibrigen Gewehrs. Er geht voraus, Debra folgt, dann kommen im Gänsemarsch die Touristen. Die wachsame Nachhut übernimmt Gilbert. Debra versichert, dass sie bisher keinen ihrer Gäste verloren hat.

Schweigsam durchqueren wir kahle, mit Trocknungsrissen bedeckte Flächen, dann wieder von Gebüsch und Gras bedeckte Areale. Trockenes Laub knirscht unter unseren Füßen. Baumgruppen passieren wir mit aufmerksamem Kontrollblick nach oben auf der Suche nach Leoparden im Geäst. Einen treffen wir später, wie er gemächlich durch die Nacht stapft.

Simples Zeltcamp statt Edellodge

Neben den „Bush Walks“ gibt es im South Luangwa National Park noch eine Besonderheit: Wir besuchen die Wildtiere nicht nur zu Fuß, wir verbringen auch zwei Nächte in ihrem Revier – statt in der Lodge in einem Zeltcamp. Es ergänzt das Campinggefühl mit einem gehörigen Maß an Luxus: warme Dusche, Drei-Gänge-Menü am gedeckten Tisch, eine gut gefüllte Kühlbox mit Wasser und Saft, südafrikanischem Wein und einer Auswahl an Spirituosen in der mobilen Busch-Bar. Statt gedämpfter Musik hören wir beim Dinner das Plantschen und Grunzen der Flusspferde.

Diese Kombination aus Wandern und Campen im afrikanischen Busch (Slogan: „Für den wahren Afrikareisenden“) ist vermutlich einmalig im ganzen südlichen Afrika. So naturnah erlebt man die Landschaft und ihre Bewohner sonst nicht, nur bei Robin-Pope-Safaris, einem Betreiber von Lodges seit den 80er-Jahren.

Wer durch einen der Nationalparks in Sambia läuft oder fährt, begegnet nur wenigen Besuchern. Ein Kennzeichen des Tourismus hier ist: Die Angebote richten sich vor allem an ein kleines, zahlungskräftiges Publikum. Die sambische Regierung hat sich gegen den Massentourismus entschieden; eine Ausnahme macht allenfalls die südliche Region um Livingstone und die Victoriafälle am Sambesi.

Der Luxus beginnt bei der Begrüßung nach einem Safariausflug. Dezent kündigt uns der Naturführer zehn Minuten vorher per Funk an. Bei der Ankunft stehen zwei Bedienstete bereit. Einer reicht ein feuchtes und gekühltes Tuch, mit dem sich der Gast den Schweiß und den Staub der Savanne aus dem Gesicht wischen kann. Ein zweiter reicht den Willkommenstrunk. Alles inklusive auf höchstem Niveau.

Der Sambesi, flach, aber kilometerbreit

Auch jetzt zur Trockenzeit gibt es ziemlich feuchte Flecken in Sambia. Den Sambesi zum Beispiel. Ein beeindruckender Fluss, flach, aber kilometerbreit. Auf einem Nebenfluss im Lower Zambezi National Park, dem Chongwe, wollen wir in Kanus steigen, zur Mündung paddeln, ein Stück den Sambesi flussabwärts treiben und dann in einen Seitenkanal abbiegen.

Garth Hovel, der Manager der „Chongwe River Lodge“, erklärt das Sicherheitstraining im Schnelldurchlauf: Auf vier Gefahren müssten wir uns einstellen: die gleißende Sonne, über den Fluss hängendes Dorngestrüpp, Flusspferde und Krokodile – in dieser absteigenden Relevanz. Garth scheint pädagogisch geschult. Die vertrauten Risiken stellt er an oberste Stelle, Afrikas Vorzeigebestien mit den dichten Reihen spitzer Zähne stellt er zur Befriedung unserer Nerven ganz hinten an.

Garth hat Erfolg. Keine panischen Blicke, keine Rückzieher, wir steigen alle in die Kanus und memorieren Garths Sicherheitsratschläge: Füße und Hände im Boot halten, hilft gegen Krokodile. Um Flusspferde machen wir einen weiten Bogen auf der Uferseite. Hippos mögen es nicht, wenn ihr Fluchtweg zum Tiefwasser abgeschnitten ist, wo sie abtauchen können.

Bleibt das Restrisiko, dass einer der Kolosse unter unserem Boot auftaucht. Gehen wir über Bord, sollen wir uns nicht ans Boot klammern, rät Garth. Denn Hippos beißen nicht den Menschen, sondern das bedrohlicher wirkende Boot. Stattdessen rasch ans Ufer schwimmen und die Böschung hochklettern. Der Krokodile wegen.

Ich nehme mir fest vor, bei einer Havarie mit meinem Paddel ans Ufer zu schwimmen. Damit kann ich die graugrünen Bestien abwehren.

Die Flusspferde verfolgen uns aufmerksam

Es passiert aber nichts, die Tour im Kanadier ist ein tolles Erlebnis. Die Krokodile dösen phlegmatisch am Sandstrand. Brütende Weibchen, sagt Garth Hovel. Tagsüber würden sie im Wasser dümpeln, hätten sie nicht die Brut unter ihrem Bauch. Die Flusspferde verfolgen uns aufmerksam mit ihren knapp aus dem Wasser ragenden Augen, und – schwups! – tauchen sie ab. Keines kippt ein Kanu.

In der Uferböschung am Sambesi haben Karminspinte ihre Bruthöhlen. Diese leuchtend roten und blauen, etwa finkengroßen Vögel haben es uns angetan. Unermüdlich flitzen die „karmesinroten Bienenfresser“, wie sie hier heißen, in die Bruthöhlen hinein und heraus. Der Seitenkanal, in den wir einbiegen, ist mehrere Meter breit von blühenden Wasserhyazinthen bedeckt. Dazwischen: Enten, Reiher, Ibisse, im Wasser und am anderen Ufer wieder Flusspferde und Krokodile. Über uns ziehen weißköpfige Schreiseeadler, die sambischen Nationaltiere, und Hornraben mit wuchtigen Schnäbeln.

Wir wissen nicht, wohin wir zuerst sehen sollen, und vergessen zu paddeln. Garth und sein Mitarbeiter Mario sind es gewohnt, dass sich die staunenden Touristen vor der Paddelarbeit drücken.

Auch im Wasser herrscht also reges Tierleben. Einst war fast alles, was heute hier schwimmt, durch Bejagung bedroht. Das hat sich geändert. Seit den 70er-Jahren wird streng gegen Wilderer vorgegangen. In den Nationalparks patrouillieren staatliche Ranger gemeinsam mit Kräften von internationalen Umweltorganisationen. Sie entfernen Fallen und setzen gelegentlich Wilderer fest. Vor allem die Elefantenbestände haben sich gut erholt.

Ein Büffelherde ist im Schlamm einfach stecken geblieben

Jacob Shawa ist unser Guide im South Luangwa National Park. Am nächsten Morgen beweist er sein Gespür für die Natur. Ein kreisender Geier hilft ihm allerdings auf die Sprünge. Mit dem Feldstecher sucht er den Horizont ab und entdeckt eine Löwengruppe. Wieder ist es ein Männchen mit Jungen. Mit möglichst wenig Motorenlärm versucht Jacob, näher heranzukommen. Wir sehen die Löwen zunächst nicht. Wir sehen etwas anderes, Dramatisches spielt sich vor unseren Augen ab: Eine Gruppe von sieben Büffeln ist im zähen Schlamm stecken geblieben. Bis zur Brust stecken sie fest. Drei Tiere sind bereits verendet, ihre Augen sind geschlossen, die Köpfe liegen auf der Seite. „Die anderen vier töten Hitze und Durst bis morgen oder übermorgen“, sagt Jacob. Unsere erste Reaktion: Man müsste sie erschießen, ihr Leiden abkürzen. Doch im Nationalpark nimmt die Natur ihren eigenen Lauf, hier ist es dem Menschen verboten einzugreifen.

Der eine oder andere Versuch der Büffel, sich herauszuhieven, wirkt halbherzig. Sie haben sich mit ihrem Schicksal abgefunden. Das ist umso erstaunlicher, als wir jetzt auch die Löwen, ihre Fressfeinde, sehen. Nur 20 oder 30 Meter entfernt sitzt die Gruppe im spärlichen Schatten eines umgestürzten Baumes. Sie dösen und warten darauf, dass sie Hunger bekommen. Weglaufen kann ihre Beute nicht mehr, also ist Eile nicht vonnöten. Einer der verendeten Büffel hat am Rücken eine klaffende Wunde. Eine Mahlzeit haben sich die Großkatzen offenbar schon geholt. Vielleicht war es auch der wartende Geier, der über der Szenerie kreist.

Wir wissen nicht, was wir fühlen sollen. Wir kennen die Fernsehbilder von zupackenden Raubkatzen und sterbenden Antilopen. Hier ist es noch grausamer, noch faszinierender: die über Tage sterbenden Huftiere, daneben die Raubkatze mit fünf Jungen, die man am liebsten knuddeln möchte. Das passt nicht zusammen, wir sind verwirrt. Jacob lässt den Motor an, wir verlassen den Schauplatz des Dramas. Im Wagen ist es still geworden.

Reisen nach Sambia

Sambia liegt im südlichen Afrika zwischen Mosambik, Simbabwe, Angola und dem Kongo. Im Unterschied zu manchem der Nachbarstaaten herrscht in dem Land seit Jahrzehnten politische Stabilität und Frieden. Beste Reisezeit ist die Trockenzeit von Juni bis Oktober, dann ist das Klima angenehmer, und Wildtiere findet man konzentriert an den wenigen verbliebenen Wasserstellen. Während der Regenzeit werden nicht alle Unterkünfte bewirtschaftet. Die Viktoriafälle sind gegen Ende der Regenzeit in den Monaten April und Mai am beeindruckendsten.

Kreditkarten werden nicht überall akzeptiert, es empfiehlt sich, US-Dollar in bar mitzuführen. Bei der Einreise muss der Reisepass noch mindestens sechs Monate gültig sein. Es besteht Visumspflicht, Visa erteilt die sambische Botschaft in Berlin, es genügt aber auch das Beantragen bei der Einreise. Bei organisierten Reisen übernimmt meist der Veranstalter die Formalitäten.

Reisemediziner empfehlen die auch in Deutschland übliche Dreifachimpfung gegen Diphtherie, Tetanus und Polio sowie gegen Hepatitis A und B, bei Aufenthalten über vier Wochen oder Reisen unter sehr einfachen Umständen auch gegen Tollwut und Typhus. Wer aus einem Gelbfieber-Endemiegebiet nach Sambia einreist, muss eine Impfung nachweisen. Malaria kommt in der bösartigen Falciparumform vor, die medikamentöse Vorbeugung sollte nicht vergessen werden. Das Kombipräparat Malarone gilt als gut wirksam und gut verträglich. Lange Kleidung, die vor Stichen schützt, sowie Moskitonetze sind empfehlenswert.

Fakten zu Sambia

Das von der Besucherzahl bedeutsamste Reiseziel sind die Viktoria-Wasserfälle am Sambesi. Die benachbarte Stadt Livingstone ist das Zentrum des Wasserfalltourismus und bietet zahlreiche Unterkünfte verschiedenster Ausstattung. Von den Nationalparks sind Lower Sambesi, South Luangwa und Kafue am besten erschlossen. In einer Reihe von hochpreisigen Luxus-Lodges kann sich der Gast verwöhnen lassen. Je nach Ausstattung und Reisezeit kosten Lodge und Busch-Camping etwa bei Robin Pope zwischen 550 und 850 US-Dollar pro Person und Nacht. In der Regenzeit von November bis Mai werden 390 bis 650 US-Dollar verlangt. Vergleichsweise günstig ist eine 18-tägige Safari, die „Abendsonne Afrika“ ( www.abendsonneafrika.de ) anbietet. Sie kostet mit Unterkünften und Flug ab Frankfurt am Main ab 4600 Euro.

Individualtourismus auf eigene Faust ist, abgesehen von Livingstone, aufwendig: Die Verkehrsinfrastruktur ist schlecht ausgebaut, Unterkünfte gibt es nur wenige auf sehr einfachem Niveau – das Land richtet sich explizit an begüterte Touristen.

Flugverbindungen in die Hauptstadt Lusaka bieten Lufthansa und BMI in Kooperation mit South African Airways, British Airways, KLM, Alitalia und Ethiopian Airlines. Kleinere Maschinen (Zambian Airways und Charterer) bringen den Gast zu Regionalflughäfen und Airstrips nahe der Lodges im Busch.

In Deutschland vermitteln Reisen nach Sambia unter anderem Abendsonne Afrika, Karawane Reisen, Wigwam Naturreisen, itravel, Diamir, Geo Tours, Jacana Tours und Hauser Exkursionen.