Nein, wir sind nicht in Zimmer 34 einquartiert, frisch ausgeräuchert nach dem Tod der Vorbewohnerin, wie es Hans Castorp in Thomas Manns Zauberberg erging. Die heutigen Unterkünfte zeigen sich auch nicht mehr in klinischem Weiß von "zitternder Klarheit", wie Mann einst schrieb. Wände, Vorhänge und Bettüberwurf strahlen vielmehr in warmem Rot und Gelb. Das Zimmer nach Süden ist groß und gediegen, das Tageslichtbad geräumig und "tipptopp", wie die Schweizer sagen.
Müde von der Anreise verschlägt es uns gleich in den Wellness-Pavillon, zu dem ein spezieller Lift die im Bademantel bekleideten Gäste diskret nach unten befördert, wo eine durchgestylte Sole-Poolanlage samt Sprudeleffekten, Saunen und Dampfgrotte wartet. Zudem stehen auf den nach Süden ausgerichteten Balkonen noch heute jene geflochtenen Ruhebetten, in denen sich Patienten zur stundenlangen Liegekur ausstreckten und deren Bequemlichkeit schon Thomas Mann in den höchsten Tönen lobte.
Vor dem Abendessen steigen wir auf die Waage im Badezimmer, die viel weniger anzeigt, als man gestern noch in der Heimat wog. Vielleicht ist dies eine Aufforderung, sich schwelgerisch den Genüssen des von Gault Millau mit 15 Punkten ausgezeichneten Gourmetrestaurants "Mann und Co." hinzugeben.
Noch immer gibt's ein original eingerichtetes Krankenzimmer
Im Erdgeschoss des 1957 zum Hotel umgebauten Sanatoriums findet sich noch immer ein original eingerichtetes Krankenzimmer. Der Rest des sehr persönlich geführten Hauses wurde, teils mit nachgebauten Jugendstilinventar, teils mit modernen Interieurs, auf das Schönste aufgemöbelt. Ein wunderbarer Platz zum Abschalten - doch es müssen nicht gleich sieben Jahre sein wie bei Hans Castorp.
Noch immer auch liegt das Haus in privilegierter Lage an jener "Hohen Promenade", von der man aus gebührender Distanz auf den Ort hinunterblickt. Wer dem winterlich verschneiten Weg mit seinen handzahmen Tannenhähern Richtung Davos Platz folgt, kann nach wenigen Minuten die Standseilbahn zur Schatzalp hinaufschnurren sehen. Oben thront das fotogenste Relikt aus der großen Sanatoriumszeit: Das "Berghotel Schatzalp", Schauplatz der Zauberberg-Verfilmung, eine Jugendstil-Diva in voller Pracht, jüngst zum Schweizer "Historischen Hotel des Jahres" gekürt.
Wenn man mit über Hundert über ein totales Facelifting nachdenkt, beginnt rundum das Raunen. Über das Projekt des Architektenbüros Herzog & Demeuron wird daher gestritten, was das Zeug hält. Einen Turm wollen die Basler Baumeister aufrichten, knapp über hundert Meter in den Berghimmel ragend, genau so hoch wie der alte Kasten breit ist. Der aber ist bislang von zauberhaft-nostalgischer Schönheit, eben Belle Époque vom Feinsten, nur eben nicht mehr wirklich rentabel.
Zu Weihnachten 1900 wurde das "Schatzalp" als Sanatorium eröffnet und seit 1954 als Berghotel geführt. Viele Stammgäste halten dem Haus mit den tiefen Balkonen die Treue. 300 Meter oberhalb von Davos und damit auf genau 1860 Metern sonnt sich die alte Hoteldiva mit ihren 93 Zimmern. Irgendwann kommt er wohl, der Turm, das 200-Millionen-Franken-Ding. Und mit ihm mehr Gäste, sodass die Liftanlagen mit direktem Anschluss zum Strelapass und Weissfluhjoch auch wieder eröffnet werden können.
Wer die Schatzalp aber noch ohne Turm erleben will, fährt besser schon jetzt mal hin. Und wer am späten Nachmittag in vergnügter Angstlust die hier beginnende Schlittenpiste zu Tal rodelt, sieht gegenüber die Hänge des dick verschneiten Jakobshorns in der Abendsonne so gelb, orange und rosa glühen wie Ernst Ludwig Kirchner einst die Schneepolster der nahen Almen malte.
Übernachten in Davos
Berghotel Schatzalp
, ab ca. 135 Euro pro Person im Doppelzimmer inklusive Halbpension, günstige Wochenpauschale vom 21.-28. März,
Telefon 0041/81-415 51 51,
www.schatzalp.ch
Waldhotel Davos
, ab ca. 140 Euro pro Person im Doppelzimmer inklusive Halbpension,
Telefon 0041/81-415 15 16,
www.waldhotel-davos.ch

