Nachdem die Bootsübergabe und alle Vertragsangelegenheiten erledigt waren, hieß es für uns nach zehn Tagen Zelte abbauen und zurück nach Sydney düsen. Wir hatten gute 1000 Kilometer vor uns, die uns unendlich lang vorkamen.

Nach drei Tagen Fahrt genossen wir wieder das Apartment unserer Freunde. Wir waren müde und erschöpft, so dass die Freude über unseren Bootskauf nicht ganz so ausgelassen ausfiel, wie wir eigentlich erwartet hatten. In Sydney ging es mit der Organisation auch gleich weiter. Wir gönnten uns keine Zeit zum Ausspannen, sicherlich ein Fehler, aber unsere "to-do-Liste" war noch so lang und hier hatten wir den Komfort ein Telefon und das Internet zur freien Verfügung zu haben.


So fiel letztendlich auch der Sightseeingbummel durch Sydney aus. Ich hätte so gern mal ein paar Tage ausgespannt und wir hatten es uns auch ganz fest vorgenommen. Es hieß dann immer 'morgen faulenzen wir, heute organisieren wir noch etwas' und so verflogen die Tage.


Dann hieß es, wenn wir auf dem Boot sind, dann machen wir erst mal eine Pause, wenn wir dies und jenes erledigt haben, dann lassen wir es ruhiger angehen. Wenn, wenn, wenn. Bisher ist "wenn" noch nicht eingetreten. Dies liegt natürlich auch an unserem Zeitplan, gemäß dem wir ja spätestens Ende Mai lossegeln wollten.

Der Transport der Kisten verlief reibungslos

Mit der Firma Wridgeways in Melbourne vereinbarten wir, dass unsere Kisten, die wir von Berlin aus verschifft hatten, nicht nach Sydney, sondern direkt nach Southport geliefert werden. Wridgeways können wir mit bestem Gewissen weiterempfehlen. Die Auslieferung nach Southport haben sie ohne Aufpreis solange aufgeschoben, bis wir wieder zurück am Boot waren und auch die fünf Tauchflaschen, die wir im Internet ersteigert hatten, wurden ohne Aufpreis mitgeliefert. Der Verkäufer war so nett die Tauchflaschen direkt zu Wridgeways zu bringen. In Southport hatten wir bereits einen kleinen Lagerraum gemietet, in dem erst mal alles untergestellt wurde.

Wir füllten alle Papiere für die deutsche Schiffsregistrierung aus und waren ganz erstaunt, wie reibungslos und schnell wir die Unterlagen hatten. Unser ausgebautes Bootsradio brachten wir zu einem Fachmann, der es so umbaute, dass wir hoffentlich vom Boot aus Mails verschicken und empfangen können.

Wir erhielten einen vierstündigen Crashkurs in der Benutzung von Sailmail, den wir auch wieder auf Video aufnahmen und dann fuhren wir noch täglich zum Kings Cross Carmarket, um ein preiswertes Auto zu kaufen.

Wow, ein Kombi, Baujahr '93

Das Auto unserer Freunde mussten wir in Sydney lassen, da wir nicht wieder hierher zurückkommen werden. Wir verhandelten drei Tage mit einem Holländer und kauften schließlich einen Holden Station Wagon, Baujahr 1993. Dann verabschiedeten wir uns von unseren Freunden und Sydney und fuhren bis unters Dach voll gepackt zwei Wochen später wieder nach Southport.

Auf der Fahrt hatten wir drei Tage Dauerregen und gleich am ersten Tag blieben wir liegen, da unsere Batterie den Geist aufgab. Mit einer neuen Batterie fuhr unser Auto dann aber ohne Probleme die tausend Kilometer.

Bei strömenden Regen suchten wir am im Southport Yachtclub unser Schlauchboot, dass Dave wie verabredet abgestellt hatte und brachten ein paar Lebensmittel und persönliche Sachen aufs Boot. So richtig konnten wir gar nicht glauben, dass "Polaris" nun uns gehört. Das Gefühl, dass wir nun Bootseigner sind muss erst mal sacken.

Wir liefen durchs Schiff und es fühlte sich bereits vertraut an. Wir hatten das Gefühl, dass wir das richtige Schiff für unser Vorhaben gefunden hatten und stießen mit einer Flasche Wein an. Anschließend rissen wir neugierig alle Schränke auf, um zu erkunden, was Dave alles an Bord gelassen hatte.

Er hatte nur seine persönlichen Sachen mitgenommen, so dass wir Kiste um Kiste untersuchten, die sich in den letzten 18 Jahren angesammelt hatte. Zum Schluss waren wir froh, dass wir bereits einen Lagerraum gemietet hatten, wo wir die meisten Kisten erst mal unterstellten, um dann nach und nach zu entscheiden, was an Bord bleibt und was wir ausrangieren.

Die Bootsrenovierung kann beginnen

Als Ausgangspunkt für unser Vorhaben ist Southport ideal. Wir können die Duschen und die Waschmaschinen des Yachthafens nutzen, die wir mit unserem Dinghy in drei Minuten erreichen, es gibt in der näheren Umgebung alle Geschäfte, die wir für unsere Bootsrenovierung benötigen und nette und hilfsbereite Nachbarn haben wir auch.

Voller Tatendrang erstellten wir unsere Liste, was am Boot alles verändert werden soll. Als die Liste fertig war, war uns klar, dass wir dies alles nie und nimmer im Rahmen unseres Zeitplans schaffen werden. Die Frage war also, was kann wieder gestrichen werden?

Wir beschlossen, uns als erstes den Roststellen am Innenrumpf zu widmen. Ich habe noch Peters Worte im Ohr: Da streichen wir schnell mal rüber, da sind wir in vier bis fünf Tagen fertig. Gut, dass wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten, wie sich die nächsten Wochen gestalten würden. Ausgestattet mit Rostumwandler, Vorstreichfarbe und Farbe begannen wir systematisch unser Boot auseinanderzubauen. Um an den Bootsrumpf von innen zu gelangen mussten wir alle Schränke abbauen.

Auf unserem Boot sah es aus, wie auf einer Großbaustelle. Nirgends konnte man sich hinsetzen, entweder war die Sitzgelegenheit abgebaut oder vollgestellt. Einige Tage hatten wir auch keine Küche und schlafen konnte man nur mit offenem Fenster, da die Farbe so stank. Zum Glück hatte Jörg seine Atemmasken mitgebracht, sonst wären wir beim Streichen wahrscheinlich umgekippt. Die Roststellen hielten sich in Grenzen, es gab nur zwei größere zu beseitigen. Da wir aber schon alles auseinandergebaut hatten, strichen wir dass gesamte Innenschiff mit der Spezialfarbe.

Wir arbeiten nun seit 8 Wochen, 7 Tage die Woche, um die 9 Stunden täglich am Boot und die Zeit und das Geld rennen uns weg. Wenn wir erzählen, dass alles soviel länger dauert als gedacht und dass alles teurer ist als geplant, dann lächeln die anderen Yachties nur und erklären uns, dass dies jedem so geht, der ein Boot besitzt.

Mehr zu dieser außergewöhnlichen Reise mit Route, Bildern und einem kleinen Film unter www.sailingdream.info