Die Kerosinpreise steigen weiter und weiter, gerade hat der Ölpreis die historische Rekordmarke von 145 US-Dollar pro Barrel (Stand 3. Juli 2008) geknackt. Manager von Fluggesellschaften rund um den Globus versuchen, den Spritverbrauch ihrer Flugzeuge zu drücken. Sie tun alles, um das Gewicht der Maschinen zu vermindern. Einige Luftfahrtunternehmen sparen sogar am Wasser für die Toilettenspülung. Ein Spülvorgang in 10000 Metern Höhe entspricht dem Verbrauch eines Liters Kerosin, fand die chinesische Fluggesellschaft China Southern heraus, deshalb fordert sie ihre Passagiere auf, vor dem Abflug auf die Toilette zu gehen und ihr Kleingeld auszugeben. Denn jedes zusätzliche Gewicht verbraucht Kerosin. Manche Fluglinien wie SAS sparen auch Treibstoff, indem sie einfach langsamer fliegen. Dabei werden mehrere Hundert Liter Kerosin gespart, der Zeitverlust fällt kaum ins Gewicht. Andere, wie Air France, statten ihre Maschinen mit einer leichteren Bestuhlung aus. Auch die Passagiere werden jetzt immer mehr zur Kasse gebeten.

Nicht zum ersten Mal führt ein Ölpreisschock die Luftfahrtbranche in finanzielle Turbulenzen. Schon während der Ölkrisen in den 70er-Jahren wurden Treibstoffzuschläge an den Kunden weitergegeben – damals waren sie allerdings in den Flugpreis eingerechnet. Seit vier Jahren geht die Luftfahrtbranche mit dem Kerosinzuschlag transparent um, weist ihn zusätzlich zum Ticketpreis gesondert aus.


Lufthansa führte die Kerosinzuschläge im Sommer 2004 ein. „Dadurch können wir flexibel und bei Bedarf auch kurzfristig auf die Entwicklung des Ölpreises reagieren und die Treibstoffzuschläge anpassen“, sagt Lufthansa-Sprecherin Amelie Lorenz. 2004 mussten Passagiere für innereuropäische Flüge zunächst zwei Euro mehr pro Strecke zahlen, für Langstreckenflüge sieben Euro. Seitdem wurden die Treibstoffzuschläge – differenziert zwischen Kurz-, Mittel- und Langstreckenflügen – von Deutschlands größter Fluggesellschaft zwölf Mal erhöht und haben sich nahezu verzwölffacht.


Der Ölpreis hat sich seither etwa verdreifacht. Allein in diesem Jahr hat Lufthansa die Kerosinzuschläge auf ihre Flugtickets bereits dreimal erhöht, zuletzt am 16. Juni. Seitdem zahlen die Kunden auf Kurzstreckenflügen 24 Euro (bisher 21 Euro), bei Interkontinentalverbindungen 92 Euro (82) für jede einfache Flugstrecke. Am selben Tag hat auch Air Berlin den Treibstoffzuschlag nach nur einem Monat erneut erhöht. Seitdem werden auf innerdeutschen Flügen 25 Euro (vorher 22 Euro), auf der Mittelstrecke 35 Euro (32), auf der Mittelstrecke ab vier Stunden Flugzeit 45 Euro (40) und auf der Langstrecke 95 Euro (85) pro Strecke berechnet. Damit liegt Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft nicht einmal im Spitzenfeld. Air France hatte die Spritzuschläge jüngst zum 18. Mal binnen vier Jahren angehoben und verlangt nun 135 Euro Kerosinzuschlag für einen Langstreckenflug unter neun Stunden (Kerosinzuschläge weiterer Gesellschaften siehe Tabelle).

First-, Businessclass- und Economy-Plus-Gäste von British Airways müssen seit Kurzem bis zu 24 Pfund (30 Euro) mehr pro Strecke zahlen als Economyclass-Reisende. Grund ist, dass die Sitze der Premiumklassen mehr Platz an Bord einnehmen und ihre Passagiere mehr Gepäck mitnehmen dürfen. Die Höhe des Spritzuschlages für Flüge in der Economyclass ist dabei seit der letzen Erhöhung am 3. Juni unverändert geblieben. Auf einer Strecke mit bis zu neun Stunden Flugzeit werden hier 99,50 Euro erhoben, in der Business- jetzt 112 Euro und in der Firstclass 125 Euro pro Strecke.
Einen anderen Weg geht die Airline Ryanair. Firmenchef Michael O'Leary betont immer wieder, es werde bei ihm keine Treibstoffzuschläge geben. Kräftig gestiegen sind dafür aber die verschiedenen Zuschläge, die der irische Billigflieger etwa für den Gepäcktransport, für die Abfertigung oder die Verwendung von Kreditkarten verlangt und die den Preis für einen laut Anzeige kostenlosen Flug leicht auf 50 bis 75 Euro treiben.

Unnötige Umwege

Am meisten Kerosin gespart werden könnte nach Ansicht deutscher Luftfahrtexperten durch eine einheitliche europäische Flugsicherung (European Single Sky). Aufgrund der 41 Flugleitstellen und 22 nationalen Systeme, die den Luftraum über Europa regeln, „mussten unsere Maschinen 2007 im Durchschnitt pro Flug einen Umweg von 49,8 Kilometern fliegen – 500000 Liter Kerosin werden damit pro Tag vergeudet“, sagt Lufthansa-Sprecher Peter Schneckenleitner. Mit der Vereinheitlichung könnten bis zu vier Prozent Kerosin pro Flug eingespart werden.

Strecken werden gestrichen

Weniger Inlandsflüge, Flugzeuge, Mitarbeiter – viele US-Linien haben in den vergangenen Monaten bereits den Rotstift angesetzt. Dem folgen jetzt auch europäische Fluggesellschaften, etwa Air Berlin. Die am 1. Mai aufgenommenen Verbindungen nach Peking und Shanghai werden im Winterflugplan ausgesetzt, wie auch die Verbindung von Düsseldorf nach New York. Frequenzreduzierungen soll es auf den Strecken nach Kapstadt, Windhuk und Bangkok geben, eingestellt werden sollen Flüge nach Mauritius und Sri Lanka.

Auf Sparkurs ist auch Icelandair. Der Winterflugplan 2008/09 wurde jetzt um 14 Prozent des Angebotes reduziert. Betroffen ist davon auch die Verbindung zwischen Berlin und Reykjavik. Berlin sollte neben den bisherigen Sommerverbindungen zusätzlich im Winter direkt angeflogen werden. Diese Pläne sind nun auf Eis gelegt, die Sommerroute bleibt erhalten.

In den USA gibt es Überlegungen, ob künftig das Körpergewicht der Passagiere Einfluss auf die Flugpreise haben sollte. Entschieden ist noch nichts, aber der Tag dürfte nicht mehr fern sein, an dem dicke mehr für ihr Ticket zahlen müssen als schlanke Passagiere.