Wer die Stille genießen will, schließt die Fensterläden zur Landseite und hängt das „Do not disturb“-Holzschildchen an die Tür. Dann kommt kein Zimmermädchen und kein Getränkebutler, und das Einzige, was man in der Strandvilla noch hört, sind das Glucksen des Meeres und ab und zu der gellende Schrei eines exotischen Vogels. Auf Pangkor Laut, einer Insel in der Straße von Malakka vor Malaysias Westküste, wird man die Ruhe selbst, schläft schon mal dreizehn Stunden am Stück und verpasst das Frühstück.
Pangkor Laut ist nicht die einzige Urlaubsidylle in Malaysia, es gibt davon viele, an der West- und an der Ostküste, im Hochland und auf Borneo – die Insel, die sich Malaysia mit dem Sultanat Brunei und Indonesien teilt. Und doch ist das südostasiatische Land für die meisten deutschen Touristen noch eine unbekannte Größe. Zum nördlichen Nachbarn Thailand fährt die zehnfache Zahl.
Echtes Interesse an den Besuchern ihres Landes
Amerikanische Reisende sind da einen Erkenntnisschritt weiter. In einer Umfrage des Magazins „Global Traveler“ wählten sie im Frühjahr Malaysia zum „besten Reiseziel der Welt“. Der Grund war neben den landschaftlichen Attraktionen auch die Freundlichkeit der Menschen. Statt eines zur Routine gefrorenen Lächelns zeigen viele Malaysier noch echtes Interesse an den Besuchern ihres Landes.
Gleichförmiger Massentourismus ist denn auch nicht das Ziel der Tourismusverantwortlichen. Man orientiert sich nicht an Phuket oder Bali, sondern an Karibik und Mittelmeer: Eine gewisse Exklusivität und Übersichtlichkeit sollen erhalten bleiben – ohne allerdings das Preisniveau von St. Barth oder Saint-Tropez zu erreichen. In Malaysia ist sogar der Fünfsternebereich meist erschwinglich.
Und dann gibt es eine weitere Stärke: Die Küche ist so vielfältig wie die Bevölkerung des Landes. Malaiisches, chinesisches und indisches Essen sind fast überall in guter Qualität zu haben. Oft auch Afternoon-Tea aus der britischen Kolonialzeit und mancherorts sogar Spitzenküche mit deutschem Einschlag, aber dazu später mehr.
Einstweilen ist festzuhalten, was der chinesischstämmige Hotelier Dato Mark Yeoh, Mitinhaber eines der größten Unternehmen Malaysias, der YTL-Group, und stolzer Träger eines üppigen Bauches, auf die Frage nach der großen Leidenschaft seiner Landsleute antwortete: „In Malaysia schätzt man gutes Essen? Das nenne ich die Untertreibung des Jahres.“ Und wer das als Einzelmeinung abtut, dem sei eine Floskel der Malaysier nahegebracht: „Sudah makan?“ sagt man zur Begrüßung, wie anderswo Guten Tag. Übersetzt heißt das: „Hast du schon gegessen?“ Antworten Sie mit „belum“ – „noch nicht“.
"KL", das perfekte Zwischenziel
Dann stehen vor allem in der Hauptstadt Kuala Lumpur, einem perfekten Stopover-Ziel vor der Weiterreise an den endgültigen Ferienort, die Chancen gut, dass Sie sogleich zum nächsten Imbissstand eingeladen und dort mit einem scharfen malaiischen Gericht abgefüllt werden. „KL“, wie die Einheimischen abkürzen, ist spannender als Singapur und weniger hektisch als Bangkok. Zwar wohnen in Malaysias Kapitale 1,5 Millionen Menschen, und der Autoverkehr ist so zähflüssig wie in anderen südostasiatischen Metropolen. Die Stimmung ist trotzdem entspannter.
Männer dösen im Schatten von Moscheen (60 Prozent der Einwohner sind Muslime, der Islam ist Staatsreligion), Buddhisten zünden Räucherstäbchen an und meditieren auf der Straße, aus den Läden der indischen Händler dröhnt Bollywood-Pop. Allzu viel Beschaulichkeit sollte man jedoch nicht erwarten. Was KL heute prägt, sind moderne Einkaufszentren und Hochhäuser wie die Zwillingstürme der Petronas Towers, die zu den höchsten Gebäuden der Welt zählen und nachts blausilbern glitzern.
Kuala Lumpur ist auch grüner als andere asiatische Großstädte. In den Lake Gardens in der Nähe des Parlaments gibt es einen Schmetterlings-, Wild- und Vogelpark. Mitten im Zentrum liegt sogar ein kleiner Dschungel, das Bukit Nanas Forest Reserve, das man auf geführten Touren erkunden kann.
Der Stadtdschungel ist allerdings nichts im Vergleich zu den Naturspektakeln der Insel Borneo. Dort trifft man in den weitläufigen Regenwäldern des Bundesstaates Sarawak auf Orang-Utans, Sumatra-Nashörner und die angeblich größte Orchideenvielfalt der Erde. Eine Alternative für Naturliebhaber sind die Cameron Highlands im Norden Malaysias, vier Autostunden von der Ferieninsel Penang entfernt. Hier bauten die Engländer ihren Tee an, die Plantagen und Teefabriken sind einen Ausflug wert.
Penang an der Westküste ist das bekannteste Urlaubsziel Malaysias. Die Inselhauptstadt Georgetown ist von Tempeln durchzogen, an den Stränden haben sich Luxushotels niedergelassen, die Pauschalurlaub zu günstigen Preisen bieten.
Pangkor Laut, Promis lieben die Insel
Exotischer und erholsamer sind aber die kleineren Inseln wie Pangkor Laut. Das nur 120 Hektar große Privateiland ist das Refugium der vermögenden Industriellenfamilie des bereits erwähnten Dato Mark. Weil aber selbst den Superreichen der Unterhalt einer ganzen Insel zu teuer ist, wurde darauf eine luxuriöse Ferienanlage errichtet, deren 148 Villen von jedermann mit dem nötigen Kleingeld gemietet werden können (ab 200 Euro pro Tag für eine „Garden Villa“).
Drei Dinge machen Pangkor Laut besonders und ziehen auch Erholung suchende Prominente wie Rennfahrer Kimi Räikkönen, Schauspielerin Jody Foster und Tenor Luciano Pavarotti (er hat seine eigene Villa) an: Es verfügt, erstens, über kleine, halbmondförmige Badebuchten wie aus dem Bilderbuch. Zweitens sind die Stelzenhäuser über dem Wasser, die Strandvillen und das große Outdoor-Spa aus schlichtem Holz und Naturstein gebaut – kein Kitsch und Pomp, alles fügt sich in die Landschaft ein.
Drittens ist die Küche auf Pangkor Laut selbst für malaysische Verhältnisse vielseitig. Und das wiederum liegt an einem Stammgast, der hier mit Frau und zwei Kindern seit einigen Jahren seinen Sommerurlaub verbringt: Johann Lafer.
Weil ein Sternekoch quasi immer im Dienst ist, eben auch im Urlaub, hat Lafer den Resort-Verantwortlichen vor einiger Zeit ein Austauschprogramm vorgeschlagen. Köche aus den drei Restaurants der Insel kommen für ein halbes Jahr als Hospitanten in sein Sterne-Restaurant „Stromburg“ im Hunsrück.
Dort treffen sie erstmals auf Gerichte wie Bratwurst, Knödel und rote Grütze, zeigen Lafer und seinen Köchen aber auch die Traditionen der asiatischen Küche. Das Resultat ist, dass man im Abendrestaurant „Fisherman’s Cove“ auf Pangkor Laut neben Langusten, Huhn und Fisch aus dem lokalen Angebot europäische Gourmetküche serviert bekommt: Rinderfilet mit Rotweinjus und Gänsestopfleber, Crème brûlée mit Erdbeeren.
Das wirkt unter Palmen und bei 32 Grad nur im ersten Moment befremdlich. Nach ein, zwei Bissen merkt man, dass das Küchenteam die Sache ernst nimmt. Es geht nicht um Imitation zur Freude der Gäste, die im Hunsrück gelernten Speisen treffen auch den eigenen Geschmack.
Chefkoch Ali würde am liebsten noch weiter gehen und in seinem Strandrestaurant mal etwas wirklich Exotisches servieren: Rheinischen Sauerbraten mit Rosinen.



