Viele DSL-Kunden müssen weiter wochenlang auf ihren neuen Anschluss warten. Die Konkurrenten der Deutschen Telekom werfen dabei dem Ex-Monopolisten vor, wechselwillige Kunden absichtlich nur mit starker Verzögerung umzuschalten. „Bei fast der Hälfte neuer Abonnenten, die die Wettbewerber geworben haben, kommt die Telekom mindestens zweimal zur Umschaltung vorbei“, sagt Gerd Eickers, Präsident des Verbands VATM, in dem sich die Telekom-Konkurrenten zusammengeschlossen haben. „Angeblich waren die Kunden beim ersten vereinbarten Termin nicht anwesend.“
Laut VATM ist so ein Rückstau von 140.000 DSL-Kunden entstanden, die bis zu zehn Wochen auf ihre Umschaltung warten. Bereits Ende vorigen Jahres hatten alternative DSL-Anbieter wie Arcor und die O2-Muttergesellschaft Telefónica sich über die schleppende Anschlusspraxis der Telekom beschwert und bei der Bundesnetzagentur ein Missbrauchsverfahren angestrengt.
Der Regulierer hatte daraufhin die Telekom aufgefordert, mit den Konkurrenten einen neuen Standardvertrag für die reibungslose Umschaltung der Anschlüsse auszuhandeln. „Der Vertrag liegt zwar vor, ist aber noch nicht umgesetzt“, sagte nun VATM-Präsident Eickers. Die Telekom hatte bereits Anfang des Jahres zwar die Kritik zurückgewiesen, zugleich aber zugesagt, das Tempo bei der Umschaltung zu erhöhen. Die Konkurrenten vermuten, dass die Ursache für den Rückstau darin liegt, dass die Telekom bevorzugt ihre eigenen Kunden anschließt und so mit anderen Arbeiten nicht hinterher kommt.
Die Telekom hat sich in ihren Preisen den lange Zeit billigeren Wettbewerbern angenähert und so bei den DSL-Neukunden fast wieder einen Marktanteil von 50 Prozent erreicht. Dieser war zeitweilig auf unter 20 Prozent abgesackt. Die Konkurrenten werfen der Telekom allerdings auch vor, wettbewerbsverzerrende Praktiken einzusetzen. So werde Telekom-Kunden, die ihren Analog- oder ISDN-Anschluss auf DSL umstellen wollen, der „Call & Surf“-Tarif bevorzugt angeboten, der eine Mindestlaufzeit von zwei Jahren habe. Die bisherige Kündigungsfrist eines Telekom-Anschlusses betrage ganze sechs Tage.
Zwar laufen auch bei Telekom-Konkurrenten wie Arcor die Verträge zwei Jahre. Doch der VATM sieht hier eine andere Situation, weil es sich nicht um Neukunden handle, sondern um Bestandskunden der Telekom. Die Telekom könne hier ihre Marktmacht ausspielen, weil über 80 Prozent der Festnetzanschlüsse in Deutschland bei ihr lägen.
Der DSL-Anbieter Hansenet („Alice“) hat gegen die Geschäftspraktiken der Telekom Beschwerde bei der Netzagentur eingereicht. Ein Sprecher sagte, es habe „erste positive Resonanz“ von Seiten des Regulierers gegeben, so dass eventuell ein Missbrauchsverfahren gegen die Telekom eingeleitet werde.



