Weltraumspiele am Computer werden seit Jahren auf dieselbe Weise erzählt: Als Pirat, Söldner oder Händler fliegt man durch die Weiten des Alls, erledigt Aufträge und versucht sich seinen Platz im Universum zu erkämpfen. Ob die grafisch wunderschön umgesetzte "X-Serie“, das Einzelspieler-Rollenspiel "Dark Star One“ oder das Online-Science-Fiction-Rollenspiel "Eve Online“ – immer geht es um ähnliche Szenarien. Für Frische im Weltraum-Genre sorgt seit Monaten das mit Kritikerpreisen überhäufte Spiel "Mass Effect“ auf der Xbox360. Seit wenigen Tagen ist es nun auch für den PC erhältlich – dort nun noch schöner und mit einer modernen Computerausstattung ein echter Augenschmaus.
Darum geht’s: Im Jahr 2148 entdeckt die Menschheit eine außerirdische Technologie zur Weltraumreise und nutzt sie, um ins All aufzubrechen. Schnell entdecken die Menschen, dass sie nicht allein sind und dass im Universum ein komplexes Sozialgefüge zwischen zahlreichen Aliens herrscht. Wir schreiben im Spiel nun das Jahr 2183 und befinden uns an Bord des Raumschiffs Normandy. Commander Shephard, in dessen Rolle der Spieler schlüpft, geht einer scheinbar harmlosen Mission auf der Menschenkolonie Eden Prime nach. Mit an Bord ist Nihlus, ein Spectre, ein Wächter des Weltalls, der in ausweglosen Situationen und wo die Diplomatie versagt, auch mal "mit der Waffe“ schlichtet. Er soll nicht nur assistieren, sondern auch einschätzen, ob Shephard das Zeug hat, der erste menschliche Wächter zu sein.
Doch kurz nach der Landung auf Eden Prime geht einiges schief. Es stellt sich heraus, dass die Geth, synthetische Lebensformen, den Planeten angreifen. Es folgen im Lauf der gut 30-stündigen Geschichte ein tödlicher Verrat, Intrigen, Streits zwischen außerirdischen Rassen. Und der Spieler muss viele Entscheidungen treffen – schließlich hängt von seinem Geschick das Schicksal des Universums ab. Ob man nun gut oder böse agiert – alles überlässt "Mass Effect“ dabei dem Spieler. Er hat die Wahl, zu töten oder leben zu lassen, friedlich oder kämpferisch Situationen zu klären.
Dialoge mit Wesen, denen man begegnet, lassen freundlich gestimmte und ablehnende Antworten zu – das beeinflusst den Spielfortgang und wirkt sich auch auf die Moral der eigenen Gruppe aus. Mit dem Raumschiff "Normady“ geht es kreuz und quer durch die Galaxie. In jeder Situation vermittelt das Spiel den Eindruck, in einer lebendigen, riesengroßen Welt unterwegs zu sein. Grafisch ist „Mass Effect“ beeindruckend: Bis in Detail dargestellte außerirdische Rassen lassen sich von allen Seiten betrachten.
Der Clou des Spiels ist aber eine Art elektronisches Lexikon, in der die Rassen, ihre Geschichte und ihre Eigenheiten erklärt werden. So ergibt sich ein komplexes Bild des Lebens jenseits der Erde, in das der Zuschauer eintaucht – und es macht Spaß, den Weltraum mit seinen Sternensystemen, Planeten, Asteroidenfeldern und Lebensformen zu erforschen. "Mass Effect“ spielt sich deshalb ein wenig wie ein lebendig gewordener Science-Fiction-Roman. Auf diese Weise geht beinahe unter, dass es sich bei "Mass Effect“ neben den Rollenspielelementen und der Erschaffung eines individuellen Charakters, auch um einen Shooter handelt.
Die Übertragung von Konsolenspielen auf den PC gelingt nicht immer. Spiele werden oft nur lieblos adaptiert. Für "Mass Effect" gilt das nicht. Zudem begnügt sich das Spiel mit recht bescheidenen Anforderungen an den Computer: So reichen bereits ein Prozessor mit 2,4 Gigahertz Rechengeschwindigkeit und ein Gigabyte Arbeitsspeicher aus. Allein auf der Festplatte belegt das Spiel mit 15 Gigabyte dann doch sehr viel Platz – aber der Weltraum ist ja schließlich auch groß.




