Das Geschäft mit dem Herunterladen von Klingeltönen aus dem Internet wächst. Inzwischen setzen die Anbieter nach Angaben der EU-Kommission fast 700 Millionen Euro jährlich mit singenden Hasen namens Schnuffel oder Krokodilen, die Schnappi heißen, um. Doch beim Kauf der Sounddateien werden Verbraucher oft übers Ohr gehauen.


Europaweit haben Verbraucherschützer im Auftrag staatlicher Stellen 556 Anbieter unter die Lupe genommen. 80 Prozent der untersuchten Websites verstoßen nach Angaben der EU-Verbraucherkommissarin Meglena Kuneva gegen Rechtsvorschriften: „Es ist klar, dass die Verbraucher abgezockt werden.“ In Deutschland haben die Wettbewerbszentrale in Bad Homburg und der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) 20 von 30 Anbietern als unseriös eingestuft. Fünf der schwarzen Schafe haben ihren Sitz nach Angaben des Bundesamts für Verbraucherschutz im Ausland.

„Im schlimmsten Fall haben Sie ein Abo am Hals, obwohl Sie nur einen einzelnen Klingelton kaufen wollten“, sagte VZBV-Juristin Kerstin Hoppe Morgenpost Online. Ihr Verband untersuchte elf der Internet-Angebote. Niederschmetterndes Ergebnis: Alle hätten geltendes Recht verletzt. Dabei ging es laut Hoppe nicht nur um die berüchtigten Abo-Fallen, in die Kunden tappen, wenn sie online einen Download bestellen und damit ein Klingelton-Paket erhalten. Auch Preise und Produkt-Informationen würden oft nicht korrekt oder versteckt dargestellt.


Krassester Fall nach Angaben der Rechtsanwältin: Ein deutscher Anbieter wirbt auf direkt auf dem Download-Knopf mit einem günstigen Einzelpreis. Klickt der Kunde auf die Bestellung, habe er flugs ein Klingelton-Abo abgeschlossen. Gegen diese Firma geht der VZBV deshalb jetzt rechtlich vor. In der kommenden Woche will der Verband eine Klage einreichen.


An alle untersuchten Anbieter haben die Verbraucherschützer inzwischen Abmahnungen geschickt. Unter den abgemahnten Firmen befindet sich das Berliner Unternehmen Jamba. Auch bei Websites von Jamba vermissten die Verbraucherschützer präzise Angaben zu Abos und Einzelpreisen für Klingeltöne. „Das hat sich schon verbessert, ist aber noch nicht genug“, sagte Hoppe.

Jamba bestätigte den Eingang einer Abmahnung. Die darin enthaltenen Vorwürfe seien keineswegs gravierend. „Wir stehen im Dialog mit den entsprechenden Behörden und werden die Vorwürfe prüfen“, sagte eine Sprecherin. Sie begrüßte das Vorgehen der EU-Kommission gegen gesetzeswidrige Praktiken. „Es liegt ganz klar in unserem Interesse, die so genannten ‚schwarzen Schafe’ aus der Branche auszuschließen“, sagte die Sprecherin weiter.

Das Unternehmen hatte sich vor knapp zwei Jahren selbst verpflichtet, Preise transparent zu halten. Einem Verhaltenskodex waren außer Jamba 25 weitere Unternehmen beigetreten.

Die EU-Kommission will die Missstände nicht mit neuen Gesetzen bekämpfen. Die zuständige Kommissarin Kuneva hält geltendes Recht für eine ausreichend. Der VZBV fordert die beanstandeten Unternehmen auf, dem Kunden die Wahl zu lassen: Will er einen einzelnen Klingelton kaufen oder gleich ein Abo abschließen? Auch solche Pakete für Handy-Sounds können sich nach Angaben der Verbraucherschützer durchaus lohnen: Die einzelnen Klingeltöne werden dann günstiger.

In Deutschland haben die abgemahnten Unternehmen nun mehrere Tage Zeit, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Wenn sie dann keine Unterlassungserklärung abgeben, droht den Firmen eine Klage, wie eine Sprecherin des Bundesamts für Verbraucherschutz sagte.