Lebensmittel mit Stevia 26. Oktober 2012 | test 11/2012

Alternative für Süßmäuler

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Die ersten Lebensmittel mit Süßstoff aus Stevia sind da. Wie gut sind sie?

Die Süßstoffe der Steviapflanze – Steviolglykoside genannt – haben zahlreiche Vorteile. Neben ihrer enormen Süßkraft sind sie kalorienfrei, leicht wasserlöslich sowie koch- und backfest. Seit Ende 2011 sind sie in der EU erlaubt, dürfen unter anderem in Milchprodukten, Schokolade und Konfitüre eingesetzt werden. Voraussetzung für die meisten dieser Produkte: Sie müssen kalorienreduziert sein.

Die Stiftung Warentest hat 16 solcher Neuheiten mit Stevia untersucht: Von Fritz-Kola Stevia über Haribo Stevi-Lakritz bis hin zu diversen Süßstofftabletten. Das Fazit: Jedes Produkt enthält tatsächlich Steviolglykoside, allerdings in sehr unterschiedlichen Mengen. Daneben enthalten die meisten Steviaprodukte aber weiterhin Zucker und andere Süßstoffe. Den klassischen Kristallzucker ersetzen sie nicht komplett.

Kalorien sparen die meisten Steviaprodukte im Test trotzdem ein, im Vergleich zum Originalprodukt tendenziell ein Viertel bis die Hälfte. Das zeigt ein Paarvergleich von sechs Produkten. So enthält die Fritz-Kola Stevia etwa nur halb so viel Zucker und Kalorien wie die Original-Fritz-Kola (je 81 Cent pro 0,33 Liter). Der Bauer Erdbeerjogurt mit Stevia spart gut ein Viertel Zucker und Kalorien ein im Vergleich zum Originaljogurt und ist pro Becher sogar um 6 Cent günstiger. Als Verbrauchertäuschung entpuppte sich hingegen der Lipton Ice Tea mit Stevia. Hersteller Pepsi bewirbt das Eisteegetränk als „kalorienreduziert“. In Wahrheit enthält ein halber Liter nur 1,5 Gramm Zucker weniger als das Original und spart gerade mal 5 Kilokalorien.

Der Paarvergleich zeigt auch: Mit Stevia gesüßte Lebensmittel sind für viele erst einmal gewöhnungsbedürftig. Meist schmecken sie nicht so intensiv süß wie das Original. Oft haben sie einen leicht bitteren Nachgeschmack, hinterlassen auf der Zunge ein stumpfes, belegendes Gefühl. Ihr Geschmack ist tendenziell weniger abgerundet.

Die Blätter der Steviapflanze hat die EU bis heute nicht zum Verzehr zugelassen. Das sorgt für Verwirrung, zumal viele Anbieter das auf den Etiketten nicht deutlich genug vermerken. Sie suggerieren, dass ihre Produkte Stevia enthalten. Eine gute Lösung sind Hinweise wie „mit Steviolglykosiden aus Stevia“. Übrigens sind Steviolglykoside keineswegs so natürlich, wie es Werbesprüche auf den Produkten versprechen. Sie werden durch ein komplexes chemisches Verfahren aus den Steviablättern gewonnen, unter anderem mit Absorberharzen entfärbt und mit Ionenaustauschern entsalzt. Ergebnis ist ein weißes, reines Pulver. Es gilt als Zusatzstoff und hat die Nummer E 960.

Bereits 2010 hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, Efsa, die süßenden Stoffe aus Stevia als gesundheitlich unbedenklich erklärt. Sie seien weder krebserregend noch würden sie der Fortpflanzung schaden. Um einer Überdosierung vorzubeugen, hat die Efsa eine Tagesdosis von 4 Milligramm Steviolglykosiden pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt. In normaler Menge verzehrt, schöpft kein Steviaprodukt im Test diese Dosis auch nur annähernd aus.

Weitere Informationen: Zeitschrift test 11/2012 und www.test.de/stevia