Das Bad ist längst nicht mehr nur ein Ort zum Zähneputzen und Haarewaschen. Im Zuge des Wellnessbooms hat sich die Nasszelle zu einer Wohlfühloase gewandelt, die als Rückzugsort Entspannung verheißt und am Morgen munter machen soll. Entsprechend konzentrieren sich viele Designer und Einrichtungsfirmen zunehmend auf das Badezimmer. Mit einer Vielzahl von Accessoires sorgen sie dafür, dass sich ein Badezimmer mit wenig Aufwand aufmöbeln lässt.
Jahrzehntelang wurde das Gestaltungspotenzial des Badezimmers fast völlig ignoriert, so die britische Einrichtungsexpertin und Autorin Elizabeth Wilhide. Diese Situation habe sich in den vergangenen Jahren jedoch radikal verändert. Zu verdanken ist das dem Homing-Trend, heißt es bei der Messe Frankfurt/M., die die Sanitärmesse ISH ausrichtet. Diese Entwicklung, sich in die eigenen vier Wände zurückzuziehen, erreiche mit der Gestaltung des Badezimmers ihren vorläufigen Höhepunkt. Dabei geht es nicht allein um eine komfortable Badewanne oder eine High-Tech-Armatur - auch das Raumambiente und stimmungsvolle Inszenierungen sind wichtig.
"Gesundheit, Wellness, Sich-schön-machen-Wollen, das alles spielt im Bad immer mehr eine Rolle", betont die Kölner Designerin Helena Lebá. Sie entwirft farbenfrohe Nutzgegenstände für die Badeinrichtung. Der luftige Schwamm mit einem Metallsieb in der Mitte ist ein solches Accessoire. Er ersetzt die klassische Seifenschale. "Er hat den praktischen Effekt, dass es keine glitschige Ablage mehr gibt. Der Seifenschaum läuft durch das Sieb in den Schwamm", erklärt Lebá.
Auch ihr Zahnbürstenhalter entstand aus der Idee, aus dem oft unansehnlichen, weiß verkrusteten Zahnputzbecher einen Hingucker zu machen. Die Designerin entwarf eine Silikonzahnpastatube, die Dank eines Saugnapfes an der Wand hängt und mit zwei Schlitzen Platz für die Zahnbürsten bietet.
Eine Badekappe dient als Kulurbeutel
Aus der Designschmiede Pension für Produkte in Hamburg kommen ebenfalls witzige Bad-Accessoires. Die Badekappe Gänsehaut sieht zwar mit ihren charakteristischen Noppen und der geschwungenen Form genauso aus wie die Originale aus den 70er-Jahren. Beim näheren Hinschauen entpuppt sie sich aber als Kulturbeutel: An ihrer Öffnung ist ein Reißverschluss befestigt, der die Kappe zur Tasche macht. Zum Renner hat sich der Seifenspender entwickelt. "Er ersetzt die Seifenschale, ohne ihn geht gar nichts", sagt die Dekorateurin Nadine Popovic von Bad & Meer in Hamburg. "Beliebt sind Sand- und Naturtöne, aber auch eine dunkle Holzoptik." Das dunkle Holz, oft kombiniert mit Edelstahl, macht aus dem Seifenspender ein stilvolles Bad-Accessoire.
Überhaupt könne jeder mit nur wenig Aufwand ein langweiliges, weißes Bad in ein aufregendes Wohlfühlzimmer verwandeln, sagt Popovic. "Mit Handtüchern kann man zum Beispiel schnell und kostengünstig dekorieren." Die Dekorateurin empfiehlt Handtücher in verschiedenen Abstufungen eines Farbtons - etwa Mittel-, Hell- und Dunkelblau. Wer in ähnlichen Farben ein paar Accessoires an das Waschbecken oder die Badewanne stellt, kann sein Bad mit Freude Gästen präsentieren. "Beliebt sind auch verspielte Sachen wie eine kleine Badewanne mit Löwenfüßchen, die Lippenstifte oder andere Kleinkosmetik aufbewahrt."
Satin und Kristallglitzer schaffen ein Bad wie aus Tausendundeiner Nacht
Nobel anmutenden Schick bringt die Firma Spirella aus der Schweiz mit ihrer neuesten Kollektion ins Badezimmer. Auch dabei: ein farbiger Juwel mit Kristallschliff, der an der Wand funkelt und als Haken für Waschlappen oder Handtuch wirkt. Wer es noch opulenter mag, dem könnte der Duschvorhang Alhambra gefallen. Auf glänzendem Satingewebe wirken schwarze Verzierungen wie aus Tausendundeiner Nacht.
Das Unternehmen Koziol aus dem hessischen Erbach setzt eher auf Witz als auf Grandezza. Um dreckige Fingernägel kümmert sich das Krokodil Dundee, das am Bauch Tausende Borsten zum Bürsten der Nägel hat. Im nächsten Schritt kommt Manni, das Maniküreset in Form eines Schnabeltieres. Es beherbergt im Schnabel die Schere und im gefiederten Schwanz die Feile. Kai P., der Zahnseidenspender, ist ein Piranha mit scharfen Zähnen, die beim Abschneiden der Zahnseide helfen.
"Spaß machen Produkte, die ungewöhnlich sind", sagt Angela Schlösser von der Pension für Produkte. Während sich im Wohn- oder Schlafzimmer Designer bereits in allen Richtungen ausgetobt haben, gibt es im Bad noch Neuland zu entdecken. Auch der Badewannenstöpsel Schilfgras aus der Hamburger Designschmiede ist ein witziger Gag. Auf dem Stöpsel ist ein grünes, langes Schilfgras montiert, das aus der mit Wasser gefüllten Badewanne herauslugt und ein Gefühl von Naturteich vermittelt. Damit geht man dann gerne baden.
Mit etwas Geschick und Fantasie lässt sich auch mit wenig Geld frischer Wind ins Bad bringen. Das klappt zum Beispiel mit selbstklebender Kunststofffolie, die es in Baumärkten in unterschiedlichsten Farben und Designs gibt. Die Folie kann in verschieden große Kreise geschnitten werden, die - auf einfarbige, quadratische Fliesen aufgeklebt- das ganze Bad aufpeppen. Die Folie gibt es auch im Mosaiklook. Hier bietet es sich an, Quadrate in der Größe einer Fliese auszuschneiden und eine gesamte Fliesenreihe - zum Beispiel einen Meter unterhalb der Decke - zu bekleben. Dabei sollten unbedingt die Fugen freigelassen werden - dann sieht es so aus, als seien echte Mosaikfliesen an der Wand.
dpa





