Stuck ist edel, schmückt Wände und Decken und gibt einem Raum das gewisse Extra. Was schon in der Antike modern war, ist für heutige Innen- und Außenwände von der Industrie für Heimwerker wie auch für Profis angepasst worden: Neben echtem Stuck sind seit einigen Jahren auch Stuckimitate aus Werkstoffen wie Styropor, Schaumglas oder Epoxydharz für innen und außen zu kaufen.
"Die Vorteile beim Fertig-Stuck liegen bei Preis und Verfügbarkeit. Gekaufte Ware kann sofort verarbeitet werden, da sie keine Trocknungszeit benötigt", erklärt André Biedermann, Stuckateur und Malermeister aus Berlin. Darüber hinaus seien Imitate leicht und schnell zu montieren. Styropor-Stuck wird mit Kunststoffkleber einfach an die Wand geklebt. Sein Tipp: Größere Stuckteile sollte man zusätzlich mit Draht oder Schrauben an Decke oder Wand verankern - falls sich später mal der Kleber lösen sollte.
Die Einsatzorte sind unbegrenzt, allerdings sollten doch die Größe und Höhe der Räume beachtet werden. "Die Profilhöhe muss stimmen, und außerdem sollte die Wand exakt im rechten Winkel sein und die Decke gerade", erklärt der Fachmann. Ist eine Wand nicht gerade, können Stuckprofile nicht korrekt angebracht werden. Schiefe Decken können dann durch den aufgesetzten Stuck noch schiefer wirken.
Imitate gibt es heutzutage in diversen Formen und Größen. Sie können sowohl im Baumarkt als auch beim Fachhändler erworben werden. Doch hat der Fertig-Stuck einen Nachteil. Im Gegensatz zum echten Stuck sehen auch Experten seine Haltbarkeit als nicht von Dauer an, außerdem sei das Material anfälliger für Risse.
"Daher wird heute mehr auf echten Stuck gesetzt", sagt der Stuckateur: "Anders als bei den vorgefertigten Stuckimitaten hat man bei der Anbringung echten Stucks mehr Möglichkeiten, zum Beispiel bei den Motiven." Oft werden Gesichter von Familienmitgliedern an Decke oder Zimmerwand verewigt.
Ökologisch wertvoller ist echter Stuck
Weitere Vorteile sieht der Berliner auch in der hohen Wertigkeit der Räume und Fassaden mit Stuck und auch im gesunden Raumklima. Darüber hinaus sei der echte Stuck im Vergleich zu seinen Imitaten aus Styropor nicht brennbar. "Da viele Menschen heute beim Hausbau verstärkt auf ökologisches Wohnen und auf Wertsteigerung achten, geht der Trend zum echten Stuck", betont der Fachmann. Und er hat auch hier einen Tipp parat: "Bei der Verlegung neuen Stucks im Deckenbereich ist es empfehlenswert, den Stuck mit Leimfarbe zu streichen - damit man bei einer Renovierung die Farbe wieder abwaschen kann und der Stuck immer wie neu erscheint."
Ein weiterer Aspekt, der für echten Stuck spricht, ist die Denkmalpflege. Originalstuck kann an Decke oder Wand mit Gips stets erneuert oder erweitert werden. "Dazu benötigt man lediglich einen alten Rest", erklärt André Biedermann, der wie seine Kollegen solche teilweisen Vorlagen auch "Zeugen" nennt. Anhand solcher Reste könne dann neuer Stuck in gleicher Form und gleichem Design an das alte Stück angebracht werden, wie bei einem Puzzle.
Frauentorso und Löwenkopf sind gängige Modelle
Im Fachhandel oder Internet finden Interessierte reichlich Futter für eine neue Gestaltung ihrer Innenräume. Man kann sich seine eigene Ausstattung auch Teil für Teil zusammenkaufen. Applikation als wandfester Bilderrahmen für ein rundes Foto gefällig: 40 Euro. Dekor-Lilien, Maschen, Knöpfe, Girlanden, Kartuschen, Zopfformen verschiedenster Art: zehn bis 30 Euro pro Stück. Vorgefertigte kleine Engelköpfe mit etwa zehn Zentimetern Breite kosten ab 20 Euro. Mehr ausgeformt als liegende Putte: Da muss man schon mit dem dreifachen Preis rechnen, und das natürlich doppelt, denn zum "liegenden Engel links" gehört in der nächsten Zimmerecke auch ein liegender Engel rechts. Frauentorso, Pferde- oder Löwenkopf, Muschelornament, Blätter und Sonne sind weitere gängige Modelle, die zu vielen Dekoren passen. Auch Wandschalen (ab 50 Euro) und deren gegenteilige Form, die Nische (ab 130 Euro), können Innenwände aufwerten.
Wer viel Platz und hohe Räume hat, könnte auch daran denken, Außenwandteile einzuarbeiten, von der Konsole (ab 60 Euro) bis Pilaster und Kapitell (jeweils ab 40 Euro), und das in verschiedenen Stilrichtungen: ionisch, dorisch, korinthisch. Nur sollte das Endprodukt nicht zu sehr zu einem Stilmischmasch werden: Ein barockes Oval passt kaum zum klassizistisch strengen Dreieck.


