Schimmel in der Wohnung wird zunehemend zu einem Problem in vielen deutschen Wohnhäusern. "Eine Massenplage", sagt auch Gernot Henrich, Leiter des Bochumer Instituts für angewandte Bauwerksdiagnostik. Doch die Feuchtigkeitsprobleme sind meist hausgemacht, durch falsches Heizen oder Lüften - und immer öfter auch als fatale Folge energetischer Gebäudesanierung.
Jedes zweite Haus ist nach Einschätzung des Verbandes Privater Bauherren (VPB) mittlerweile von Schimmelpilzen befallen: Neu- wie Altbauten und auch Gebäude, die jahrzehntelang schimmelpilzfrei waren. Viele Bewohner merken nichts, weil manche Pilzarten unsichtbar wuchern. Schimmel sei verbreiteter als Schädlingsbefall durch Kakerlaken, Ameisen oder Silberfische, wie auch Martina Westner vom Eigentümerverband "Haus & Grund" München zu berichten weiß.
Für Gutachter Henrich ist klar: Der Vormarsch der Schimmelpilze liegt in mehr als 90 Prozent der Fälle am "falschen Wohnverhalten" der Bürger und nicht an bauphysikalischen Mängeln. Das sei nachweisbar. Was die Pilze zum Sprießen bringt, ist in der Regel ein unseliger Mix aus rigidem Wärmedrosseln und falschem Lüften.
Statt im Winter wie früher gleichmäßig durchzuheizen, lassen kostenbewusste Bürger die Heizkörper nur noch in einzelnen Räumen laufen, aber die Türen bleiben offen. Manche machen die Heizung tagsüber sogar ganz aus oder fahren die Raumtemperatur grundsätzlich stark nach unten, so dass Schlafzimmer und Bad nur noch 12 oder 14 Grad warm sind und Wohnzimmer nur noch 18 Grad.
Fenster nur gekippt zu halten ist die falsche Strategie
Kühlen die Räume stark aus, schlägt sich auf kalten Wänden all jene Feuchtigkeit nieder, die beim normalen Wohnen entsteht. Je kälter aber die Wohnung ist, desto idealer der Nährboden für Schimmel.
Wird dann auch noch mit dem Lüften geknausert, ist der Sporenbefall nicht mehr zu stoppen. Das Fenster nur gekippt zu halten oder gar nicht zu öffnen, ist gerade im Winter die falsche Strategie. Stattdessen raten die Fachleute zum Lüften - am besten mehrmals täglich, wenn möglich auch im Winter.
Schimmelwachstum kann noch von einem dritten Faktor begünstigt werden - vom zunehmenden Abdichten der Häuser, wie die Experten zu bedenken geben. Werden alte Holzfenster gegen isolierte Kunststofffenster ausgetauscht, steigt die Luftfeuchtigkeit in den Räumen. Das Gleiche passiert, wenn Außenfassade oder Geschossdecken wärmegedämmt sind. "Wer teuer energetisch saniert, sollte sich vorher in Sachen Belüftung beraten lassen", lautet der Tipp von Architektin Eva Reinhold-Postina vom VPB.
Auch leere Wohnung gleichmäßig heizen
Mit Schimmel ist nicht zu spaßen: Eingeatmete Sporen können gesundheitsschädlich sein. Bestimmte Pilzarten gelten als krebserregend. Wer Schimmel draußen lassen und zugleich Heizkosten sparen will, muss in Massivbauten vor allem gleichmäßig heizen - auch wenn die Wohnung leer steht. Ausgekühlte Räume brauchen mehr Energie, um auf angenehme Grade zu kommen.
Temperaturen von 20, 21 Grad in Wohn- sowie 16 bis 18 Grad in Schlafzimmern sind ratsam. Selten genutzte Räume können auch etwas kühler sein. Dann müssen die Türen dort aber geschlossen bleiben. Das Bad sollte immer gut geheizt sein. Eine ordentlich beheizte, gut gelüftete Wohnung verliert weniger Energie als eine kalte.


