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150 Jahre im Doppelpack

Der Verein Seglerhaus am Wannsee und der Berliner Yacht-Club feiern 2017 ihr großes Jubiläum. In den Klubs spiegelt sich Berliner Geschichte

Die Steganlage ist verwaist, viele Boote stehen vor der Winterkälte geschützt unter Abdeckfolien an Land, das große Gewässer im Süden Berlins ist ruhig, nur leicht schwappen die Wellen im Takt an Land. Fast ein wenig erhaben thront über diesem Berliner Stillleben das Gebäude des Vereins Seglerhaus am Wannsee – vier Stockwerke hoch, mit weithin sichtbarem Giebeldach, einer ausladenden Terrasse, von der sich Regatten beobachten lassen. Es ist ein Haus, das in Berlin weit über die Seglerszene bekannt ist. Wenige Monate nur, dann wird wieder Kindergeschrei über das Gelände zu hören sein, werden Yachtbesitzer ihre Schätze zurück in den See schieben, um an einer Wettfahrt teilzunehmen.

Es wird ein besonderes Jahr für den Klub, denn ist Silvester vorbei, so wird der Verein Seglerhaus am Wannsee 150 Jahre alt. Er ist damit Berlins ältester Segelverein. Am 6. Oktober 1867 wird er gegründet. Zunächst schließen sich am Segelsport interessierte Angehörige des Großbürgertums des nahen Berlin zur „Gemeinschaft der vereinigten Segler der Unterhavel“ zusammen – im Lauf der Jahrzehnte wird daraus ein Klub mit heute rund 1000 Mitgliedern. Neben dem Klubhaus steht den Vereinsmitgliedern ein circa 10.000 Quadratmeter großes Gelände mit einer Steganlage für 261 Boote zur Verfügung. Aktuell umfasst der Bootspark rund 500 Yachten, Jollen und Motorboote, darunter echte Raritäten und Schmuckstücke.

Im Werdegang des Klubs zeigt sich Berliner Segelsport- und Stadtgeschichte wie kaum irgendwo sonst. Kein Wunder: Segelboote sind immer auch ein Spiegelbild des Geschmacks der jeweiligen Zeit und legen zudem Zeugnis über technische Errungenschaften ab. Gleiches gilt auch für die Klubhäuser – so auch das Klubgebäude des VSaW: Im Jahr 1909 weist das Mitgliederverzeichnis des Verein Seglerhaus am Wannsee insgesamt 216 Personen aus. Der Verein ist in den vorangegangenen Jahren zu einem sportlich und gesellschaftlich „hoch beanspruchten“ Klub herangewachsen, wie es damals heißt. Architekten, Baumeister oder Bankiers zählen zu den Mitgliedern. Zwar gibt es schon ein Klubhaus, doch ist dieses im Lauf der Jahre zu klein geworden.

„Aus acht Entwürfen wurden die Entwürfe des Regierungsbaumeisters Otto Stahn und des Architekten Otto Berlich ausgewählt. Über den Winter 1908/09 wurden beide Entwürfe zusammengearbeitet“, erklärt Klaus Müller, der zur Vereinsgeschichte recherchiert hat. Als Erbauer gilt seit Juli 1909 Otto Berlich. Er schreibt: „Die Leitung des großen Clubs hat die Abwicklung des Verkehrs in segelsportlicher und gesellschaftlicher Beziehung praktisch und preiswert gestaltet und gewährt dabei den jungen Seglern wünschenswerte Fürsorge, den älteren weitgehende Bequemlichkeit.“

Es ist ein Selbstverständnis, das bis heute gilt. Sportliches und jugendliches Segeln einerseits, herrschaftliches Gleiten übers Wasser andererseits, im besten Fall beides kombiniert. So hatte der Klub im vergangenen Jahr ein Projekt initiiert, bei dem Vereinsboote an Mitglieder ausgeliehen werden können. Es ist nur ein Beispiel dafür, wie das Segeln in den vergangenen 150 Jahren mit der Zeit gegangen ist. Die Zahl der Bootsklassen auf den Berliner Seen ist enorm gestiegen, nie war der Segelsport so spezialisiert und auf die Bedürfnisse der Sportler zugeschnitten wie heute. Dies spiegelt auch die gesellschaftliche Entwicklung wider, die sich immer weiter individualisiert.

Wie in jeder Sportart gibt es dabei Helden, die den Vereinen erst ihre Identität geben und Ansporn für die nachwachsenden Generationen sind. So wie Willy Kuhweide der 1964 die Goldmedaille im Finn Dinghy in Enoshima in Japan gewann, eine Medaille, die heute im Klub unter Glas ausgestellt ist.

Doch der Verein Seglerhaus am Wannsee ist nicht der einzige Verein, der im kommenden Jahr sein großes Jubiläum feiert. Ein paar Kilometer weiter nördlich, vor der Insel Schwanenwerder liegt der Berliner Yacht-Club. Er besitzt 170 Wasserliegeplätze. Auch er wird 150 Jahre alt. Dort bringt man den Verein aktuell mit einem neuen Vereinsheim in die Zukunft – zum Jahresbeginn ist die Bauabnahme des großen mit viel Glas und Durchlässigkeit erdachten Klubhauses geplant. „Kein Verein kann weitermachen wie bisher. Wir müssen uns alle Neues überlegen und unsere Vereine zukunftsfest machen“, sagt der Vorsitzende des Klubs, Jürgen Kahl. Beim Berliner Yacht-Club setzt man dafür sowohl auf großen Vereinszusammenhalt durch die Teilnahme an der Segelbundesliga als auch auf die eigene, kräftige Jugend- und Fahrtenseglerabteilung.

Vereinsmitglieder trafen sich einst im Biergarten

Der Berliner Yacht-Club wurde nur wenige Wochen nach dem Verein Seglerhaus am Wannsee gegründet, am 25. November 1867, anfangs noch unter dem Namen Berliner Segler-Club. Nach dem SC Rhe, ehemals in Königsberg und heute in Hamburg beheimatet, sind die Vereine des Seglerhauses am Wannsee und der Berliner Yacht-Club damit die zweit- und drittältesten Segelklubs Deutschlands. Seit der Fusion mit dem Berliner Seglerverein im Jahr 1885 wird der heutige Name geführt. Zunächst ankerten die Segelboote noch vor den Grundstücken der Eigner, die Mitglieder trafen sich in einem Biergarten, erst ein paar Jahre später entstand ein eigenes Klubhaus. Eines der erfolgreichsten Boote dieser Jahre ist heute wieder im Klub zu finden. Die „Emmy II“, ein 35er Kreuzer, wurde 1920 von Oskar Gleier in Köpenick in Auftrag gegeben. In seiner Zeit für seine Segelkünste als Regattasegler bekannt, gewinnt Gleier mit seinem Schiff allein während der Berliner Frühjahrswoche 1921 mehrere Plätze. Zahlreiche weitere Siege folgen in den 20er-Jahren. Sie werden noch heute vom Berliner Yacht-Club durch den jährlich ausgelobten „Oskar-Gleier-Preis“ geehrt. Fast einhundert Jahre später trägt eine Regatta noch seinen Namen – im neuen Klubhaus soll ein Zimmer seinen Namen erhalten. „Damit wird eine alte Tradition fortgesetzt“, so Kahl.

„Schon seit Jahren arbeiten wir eng mit dem Verein Seglerhaus zusammen“, erklärt Kahl weiter. Gemeinsam wurde bereits zum 125. Jubiläum im Jahr 1992 das „Berlin Match Race“ ins Leben gerufen, das bis 2011 ein internationales Highlight im Berliner Segelsport war. Abgelöst wurde die Regatta später durch die Segelbundesliga.

Auch unterstützt man sich etwa gegenseitig in verschiedenen Bootsklassen: Der Berliner Yacht-Club ist etwa stärker bei den 29ern aufgestellt, der VSaW übernimmt ein gemeinsames Training bei den 420er und Lasern. Die Jubiläumssaison 2017 werden die beiden Klubs vom Wannsee nun gemeinsam in wenigen Wochen einläuten, wenn sie zusammen das Ansegeln für die Wettfahrtbezirke Wannsee und Unterhavel ausrichten. Kahl ist sich sicher: „Nicht nur wegen der Jubiläen wird aus beiden Vereinen im kommenden Jahr viel zu hören sein.“

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