Morgenpost-Ratgeber

Verbraucherschutz: Wärmedämmung am Gründerzeitbau?

Das Dämmen von Fassaden und Wänden steht immer häufiger in der Kritik, weil es Schimmel fördert und kaum Energie einspare - stimmt das?

Altbauten prägen das Bild vieler Berliner Straßen, so wie hier an der Oderberger Straße in Prenzlauer Berg

Altbauten prägen das Bild vieler Berliner Straßen, so wie hier an der Oderberger Straße in Prenzlauer Berg

Foto: dpa Picture-Alliance / Bernd Von Jutrczenka / picture alliance / dpa

Einige Miteigentümer in unserem Gründerzeit-Haus wollen unbedingt eine Wärmedämmung an der Fassade und an der Brandwand anbringen. Ich bin nicht begeistert, denn Wärmedämmungen waren zuletzt häufig in der Kritik, weil sie Schimmel im Haus fördern und letztlich nicht so viel Energie sparen, dass sich die Investition wirklich lohnt. Was raten Sie?

Dörte Elß, Bereichsleiterin der Verbraucherzentrale Berlin: Grundsätzlich gilt: Bei einem nicht gedämmten Einfamilienhaus entweichen etwa zwei Drittel der Wärme ungenutzt über den Keller, durch die Außenwände und durch das Dach. Dämmmaßnahmen kosten allerdings auch Geld. Und nicht immer amortisieren sich die Ausgaben durch die Einsparung von Heizkosten binnen weniger Jahre. Die Amortisationszeit lässt sich seriös nicht genau vorausberechnen, da die künftige Entwicklung der Energiepreise nur geschätzt werden kann.

Dämmung lohnt sich dennoch sehr häufig – sie hilft, Energie zu sparen, erhöht den Wohnkomfort und erhält den Wert der Immobilie oder steigert ihn sogar. Auch das bisherige Nutzerverhalten spielt eine Rolle für künftige Einsparmöglichkeiten. Entscheidend für die Einschätzung der Wirtschaftlichkeit ist also die individuelle Situation.

Gerade bei Schimmel gilt: Gute Dämmung ist wichtig

Auch die Aussage, dass die Dämmung eines Hauses das Schimmelrisiko vergrößert, hört man immer wieder. Das Gegenteil ist jedoch richtig: Gerade wer Schimmelprobleme hat, sollte sein Haus gut dämmen. Denn Schimmel entsteht vor allem dann, wenn feuchtwarme Luft auf kalte Bauteile trifft. Die Außenwände eines gedämmten Hauses sind aber deutlich wärmer als die eines ungedämmten Hauses – das Schimmelrisiko ist also geringer.

Es kommt auf das richtige Lüftungsverhalten an

Wesentlich für die Luftfeuchtigkeit innerhalb Ihres Hauses ist Ihr Lüftungsverhalten. Dieses muss angepasst werden, wenn Sie Ihr Haus sanieren, da sich zum Beispiel durch eine Erneuerung der Fenster die Luftdichtheit der Gebäudehülle verbessert. Wichtig ist ferner eine lückenlose und luftdichte Ausführung der Dämmarbeiten. Denn an kalten Wärmebrücken oder luftdurchlässigen Bauteilanschlüssen, wie zwischen Wand und Dach oder am Anschluss der Fenster an die Wand, schlägt sich Feuchtigkeit nieder, die zu Schimmelbildung führen kann. Diese Dämmarbeiten sollten einem Fachmann überlassen werden.

Noch bis Ende November kostenlose Energieberatung der Verbraucherzentrale

Die Energieberatung der Verbraucherzentrale kann Ihnen helfen, einzuschätzen, welche Dämmmaßnahmen für Ihr Haus sinnvoll sind und Hinweise zu einem funktionierenden Lüftungskonzept geben. Noch bis Ende November bieten die Verbraucherzentralen in allen Beratungsstellen eine kostenlose Beratung rund um die nachträgliche Wärmedämmung von bestehenden Wohnhäusern an. Den passenden Gutschein können Sie auf verbraucherzentrale-energieberatung.de herunterladen. Die Terminvereinbarung läuft telefonisch über die Hotline 0800 – 809.802.400.

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