Peter-M. Scholz, Nikolassee: Wir haben im Keller sehr viele Spinnen, von denen ich ab und an welche einfange und im Garten wieder aussetze. Nun möchte ich gern wissen: Können Spinnen, die im Haus waren, im Freien überleben, insbesondere wenn es jetzt kälter wird? Und haben Spinnen einen Orientierungssinn, sodass ich den ausgesetzten Tieren bald wieder im Keller begegne?
Andreas Ochs: In unseren Breiten finden sich im häuslichen Keller oder auch in Wohnungen oft die Vertreter von Winkelspinne, Weberknecht und der am häufigsten vorkommenden Zitterspinne. Während die erstgenannten keine Netze produzieren und ihre Beutetiere nach direkter körperlicher Überwältigung verzehren, sind die Zitterspinnen für die an Zimmerdecken befindlichen oder in dunkleren Ecken sich ausbreitenden Fangnetze verantwortlich.
Alle heimischen Spinnenarten verfügen über Punktaugen (Ocellen), die zumindest Lichtunterschiede wahrnehmen können. Außerdem orientieren sich die Spinnen über speziell ausgebildete Sinnesorgane, sogenannte Becherhaare, die es ihnen ermöglichen, feine Unterschiede des Luftzuges und sogar Schallwellen zu registrieren. Das Empfinden für die Umgebungstemperatur lässt sie gerne warme Orte aufsuchen und dort verweilen.
Sie verfügen zwar über eine räumliche Orientierung in ihrem Territorium, allerdings allen wissenschaftlichen Erkenntnissen nach nicht über die Fähigkeit über längere Distanzen an einen ursprünglich bewohnten Ort zurückzukehren. Trotzdem können sie auch im Freien existieren und den Winter überleben. Die von den Tieren dazu verwendeten Strategien sind von der Art und ihrem Lebensraum abhängig. So werden geschützte Nischen bevorzugt, manche verkriechen sich im Boden oder Laub und wieder andere spinnen sich in kleine Kokons ein und können auch sehr tiefe Frostgrade überdauern.
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