Ratgeber Recht

Für Testament kann man Rückseite nutzen

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt, Notar bei RAUE PartmbB und Experte für Familien- und Erbrecht.

Rechtsanwalt Dr. Max Braeuer.

Rechtsanwalt Dr. Max Braeuer.

Foto: Amin Akhtar

Leserfrage: Kann man bei der Niederschrift eines Testaments, wenn der Textumfang es erfordert, auch die Rückseite des Blattes nutzen, oder muss ein zweites Blatt verwendet werden?

Dr. Max Braeuer: Für die Errichtung eines Testamentes gibt es strenge Formvorschriften. Wenn diese Form nicht beachtet wird, kann das ganze Testament unwirksam sein. Deshalb ist es sehr berechtigt, auch diese etwas überraschende Frage zum Abfassen eines Testamentes zu stellen.

Um ein Testament zu errichten, gibt es grundsätzlich zwei Formen. Das ist zum einen das privatschriftliche, ohne jede äußere Hilfe errichtete Testament. Zum anderen ist es Aufgabe der Notare, Testamente zu beurkunden. Für das privatschriftliche Testament gibt es die Vorgabe, dass derjenige, der das Testament errichtet, es selbst mit der Hand schreiben muss. Für ein Testament genügt es also nicht, dass irgendeine Person den letzten Willen mit der Hand aufschreibt. Es muss immer der Verfasser des Testamentes sein, der es auch selbst mit der Hand aufschreibt. Diese Notwendigkeit gilt für den gesamten Text. Es dürfen also nicht etwa Teile gedruckt oder fotokopiert sein. Vom ersten bis zum letzten Wort muss das Testament handschriftlich verfasst sein, es muss ein Datum tragen und die persönliche Unterschrift. Wenn das alles eingehalten ist, ist das Testament wirksam. Darüber, auf wie viele Blätter es zu schreiben ist, ob eine Blattrückseite verwendet werden darf oder gar muss, gibt es keine Vorschriften. Das kann also jeder so gestalten, wie er möchte. Allerdings kann es durchaus sinnvoll sein, ein Testament auf der Vorder- und Rückseite eines einzelnen Blattes zu verfassen und nicht stattdessen zwei Blätter zu wählen.

Bei jedem privatschriftlichen Testament kann Streit über seine Wirksamkeit entstehen. Immer wenn es um die Wirksamkeit des Testamentes geht, ist der Autor des Testamentes schon gestorben. Er kann also selbst keine Hilfestellung beim Verständnis oder bei der Auslegung seines Testamentes liefern. Alles, was der Erblasser anordnen wollte, muss sich also aus der Testamentsurkunde selbst ergeben. Wenn zwei handschriftlich beschriebene Blätter vorliegen, dann kann bezweifelt werden, ob gerade diese beiden Blätter zu einem Testament zusammengehören oder ob sie beide wirklich von demselben Autor stammen. Wenn der Text des Testamentes auf der Vorder- und Rückseite eines einzigen Blattes geschrieben ist, dann kann jedenfalls kein Zweifel mehr daran entstehen, dass der gesamte Text zusammengehört und auch das vollständige Testament bildet.

Um diese Unsicherheiten zu vermeiden, steht jedermann die Möglichkeit offen, sein Testament durch einen Notar beurkunden zu lassen. Das kostet zwar Geld, während das privatschriftliche Testament umsonst ist. Durch die notarielle Form können aber fast alle Zweifel ausgeschlossen werden, die für das privatschriftliche Testament typisch sind. Der Notar stellt mit Gewissheit fest, wer die Erklärungen abgibt. Er stellt auch fest, dass der Erblasser bei der Beurkundung noch bei klarem Verstand ist und dass er nicht unter Druck handelt. Inhaltliche Zweifel werden auch dadurch vermieden, dass der Notar als Fachmann für eine eindeutige Formulierung sorgt.

Was in einem Testament steht, soll vor dem Tode des Erblassers in der Regel niemand wissen. Deshalb ist es manchem auch unangenehm, seinen letzten Willen gegenüber einem Notar offenzulegen. Auch für dieses Interesse sieht das Gesetz eine Formvorschrift vor. Wer ein Testament errichten will, kann zu einem Notar auch mit einem verschlossenen Umschlag gehen und dem Notar erklären, dass der Inhalt des Umschlages sein Testament sei. Dann kennt auch der Notar den Inhalt nicht. Er wird aber eine Urkunde errichten, zu deren Bestandteil er diesen Umschlag macht und mit der er zweifelsfrei feststellt, welche Person zu welchem Zeitpunkt und bei klarem Verstande den Inhalt des Umschlages zu seinem Testament erklärt hat. Wenn der Notar so beauftragt wird, dann spielt es auch keine Rolle mehr, in welcher Form der Inhalt des Umschlages verfasst worden ist. In diesem Falle genügt sogar ein mit der Maschine geschriebenes Testament.

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