Ratgeber Recht

Geschenkte Wohnung gehört zum Zugewinn

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt, Notar bei RAUE PartmbB und Experte für Familien- und Erbrecht. Hier beantwortet er Leserfragen.

Rechtsanwalt Dr. Max Braeuer.

Rechtsanwalt Dr. Max Braeuer.

Foto: Amin Akhtar

Leserfrage: Ich habe vor etwa acht Jahren meiner Tochter eine Eigentumswohnung überschrieben. Wie wäre es im Falle einer Scheidung? Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder. Würde diese Wohnung in den Zugewinn der Ehe mit hineinzählen oder würde die Wohnung, die nur auf den Namen meiner Tochter läuft, vollkommen außen vor sein?

Dr. Max Braeuer: Wenn die Ehe Ihrer Tochter geschieden werden sollte, kann jeder der beiden Eheleute verlangen, dass der Zugewinn ausgeglichen wird. Dabei wird berechnet, welcher der beiden Partner den größeren Vermögenszuwachs während der Ehe hatte. Derjenige mit dem höheren Zuwachs muss dem anderen die Hälfte der Differenz zwischen seinem und dem Zuwachs des anderen als Zugewinnausgleich abgeben. Das ist das relativ einfache Prinzip der Zugewinngemeinschaft, das aber im Detail doch ziemlich kompliziert ist.

Sie fragen, ob die Eigentumswohnung ganz aus dem Zugewinnausgleich herausbleiben könnte. Das wird nicht möglich sein. Die Zugewinnberechnung muss das gesamte Vermögen eines Ehegatten betrachten, unabhängig davon, woher es stammt. Trotzdem muss Ihre Tochter im Ergebnis nicht damit rechnen, dass sie wegen der geschenkten Wohnung ihrem Mann einen hohen Zugewinnausgleich schuldet.

Der Zugewinn bezieht sich nicht auf einzelne Vermögensgegenstände, sondern ist eine pauschale Wertberechnung, ähnlich wie die Bilanz eines Unternehmens. Jeder Ehegatte muss zwei Bilanzen aufstellen. Eine Bilanz auf den Tag der Eheschließung, eine weitere auf das Ende der Ehe. In jede dieser Bilanz ist das gesamte Vermögen, also alle Vermögensgegenstände und auch Schulden, einzusetzen. Am Ende ergibt sich eine Zahl als Wert des Vermögens bei Eheschließung und eine weitere Zahl als Wert des Vermögens bei Eheende. Diese beiden Zahlen müssen miteinander verglichen werden. In das Vermögen bei Eheende muss die Eigentumswohnung eingestellt werden. Bei ihrer Hochzeit hatte Ihre Tochter die Wohnung ja noch nicht, und ihr Vermögen war entsprechend geringer. Das würde nach dem Prinzip der Zugewinngemeinschaft zu einem hohen Zugewinn führen. Deshalb gibt es für geschenkte Gegenstände eine Ausnahmeregel: Die geschenkte Eigentumswohnung wird bei der Berechnung des Zugewinnausgleiches so behandelt, als wäre sie schon bei der Eheschließung vorhanden gewesen. Dadurch ist das Endvermögen dann nicht mehr höher als das Anfangsvermögen, und es ergibt sich wegen der Eigentumswohnung keine Zugewinnausgleichsverpflichtung.

Trotzdem kann die Eigentumswohnung nicht einfach aus der Zugewinnberechnung herausbleiben. Es kann nämlich sein, dass die Wohnung, als sie geschenkt wurde, wesentlich weniger wert war als heute. Durch die Wertsteigerung kann sich bei Ihrer Tochter dann doch ein Zugewinn ergeben. Dieser ist in den Zugewinnausgleich einzubeziehen. Ihre Tochter muss also nicht im Ergebnis die geschenkte Wohnung mit ihrem Mann teilen, sondern nur die Wertsteigerung, die während der Ehe stattgefunden hat.

Dass Ihre Tochter diese Wertsteigerung bei einem Streit in ihrer Ehe teilen muss, war sicherlich nicht beabsichtigt. In manchen Fällen kann das auch zu Schwierigkeiten führen, weil gar nicht genug Geld vorhanden ist, um ohne einen Verkauf der geschenkten Wohnung den Ausgleich zu bezahlen. Nicht in Ihrem Fall, aber in anderen Fällen gibt es eine recht einfache Möglichkeit, das zu vermeiden: Seit einigen Jahren gibt es im Gesetz die Möglichkeit, einen europäischen Güterstand der Zugewinngemeinschaft zu vereinbaren. Er entspricht weitgehend dem, was in Deutschland ohne Ehevertrag gilt. Dort allerdings findet das statt, was Sie eigentlich wollten: Eine geschenkte Eigentumswohnung bleibt aus der Zugewinnausgleichsberechnung völlig heraus.

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