Ratgeber Recht

Wie steht es um meine Rente?

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt, Notar bei RAUE PartmbB und Experte für Familien- und Erbrecht. Hier beantwortet er Leserfragen.

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt, Notar bei RAUE PartmbB und Experte für Familien- und Erbrecht

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt, Notar bei RAUE PartmbB und Experte für Familien- und Erbrecht

Foto: Amin Akhtar

Berlin. Leserinnenfrage: Bei meiner Scheidung 2010 wurden meinem Ex-Mann Rentenpunkte von den von mir erarbeiteten Rentenpunkten zugesprochen. Inzwischen ist er wieder verheiratet und finanziell in einer besseren Lage als ich. Er wohnt in Rostock und ich in Berlin. Wir haben keinen Kontakt. Wie kann ich erfahren, ob der Ex-Mann noch lebt? Ich möchte im Falle seines Ablebens meine Rentenpunkte bei der Rentenkasse zurückfordern.

Dr. Max Braeuer: Das Familiengericht hat den Versorgungsausgleich durchgeführt, als es Ihrem früheren Mann Rentenpunkte zugesprochen hat. Der Versorgungsausgleich ist ein Verfahren, das bei jeder Scheidung von dem Familiengericht automatisch durchgeführt werden muss. Dabei werden die Rentenansprüche, die während der Ehe entstanden sind, zwischen den beiden Eheleuten gleichmäßig verteilt. Nicht nur Ihr Mann wird Entgeltpunkte, wie diese Anrechte offiziell heißen, bekommen haben. Auch Ihnen sind vermutlich Entgeltpunkte Ihres Mannes übertragen worden. Jeder, der in einem Arbeitsverhältnis Geld verdient, muss einen Teil des Verdienstes an die Rentenversicherung zahlen. Das wird schon vom Gehalt einbehalten. Diese Einzahlungen werden auf dem Rentenkonto als Entgeltpunkte gutgeschrieben. Wer genauso viel verdient wie der durchschnittliche Arbeitnehmer, bekommt pro Jahr einen Entgeltpunkt. Im Scheidungsverfahren werden nun diejenigen Entgeltpunkte, die während der Ehezeit gutgeschrieben worden sind, angeschaut. Genau die Hälfe davon bekommt der andere Ehepartner. Sie werden von dem eigenen Rentenkonto abgeschrieben und als neue Entgeltpunkte auf dem Konto des anderen Ehegatten gutgeschrieben. Diese Gutschriften werden nicht miteinander verrechnet, sodass jeder der Eheleute von dem anderen die Hälfte von dessen Entgeltpunkten bekommt. Möglicherweise haben Sie mehr Punkte abgeben müssen als Ihr damaliger Mann. Vielleicht hatte er aber auch schon während der Ehe besser verdient als Sie und musste Ihnen deshalb mehr abgeben. Im Ergebnis nimmt so jeder der beiden Ehegatten gleich viel Rentenansprüche aus der Ehe mit.

Der Versorgungsausgleich ist Teil des Vermögensausgleiches bei der Scheidung. Was Sie während Ihres aktiven Berufslebens in die Rentenversicherung einzahlen, hat einen echten Vermögenswert. Ihr Rentenkonto bei der gesetzlichen Rentenversicherung ist deshalb vergleichbar mit einem Bankkonto. Wenn Sie in den Ruhestand eintreten, wird von diesem Konto Ihre Rente bezahlt. Weil der Versorgungsausgleich ein Teil der Vermögensauseinandersetzung ist, ist diese Teilung auch endgültig. Die gutgeschriebenen Entgeltpunkte haben denselben Wert wie diejenigen, die Sie durch eigene Einzahlungen erworben haben. Was Ihr geschiedener Mann erhalten hat, steht ihm endgültig zu. Er wird daraus seine Rente bekommen, auch wenn er schon früher in den Ruhestand gehen sollte als Sie. Sein Rentenkonto wird erschöpft sein, wenn er gestorben ist und keine Rente mehr gezahlt wird. Sie können deshalb nicht damit rechnen, dass Sie etwas von den Rentenpunkten Ihres geschiedenen Mannes zurückbekommen werden, sofern Sie ihn überleben sollten.

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