Ratgeber Recht

Wie können wir unser Testament ändern?

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt, Notar bei RAUE PartmbB und Experte für Familien- und Erbrecht. Hier beantwortet er Leserfragen.

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt, Notar bei RAUE PartmbB und Experte für Familien- und Erbrecht

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt, Notar bei RAUE PartmbB und Experte für Familien- und Erbrecht

Foto: Amin Akhtar

Berlin. Leserinnenfrage: Mein Mann und ich haben uns beim Wohnungskauf 2010 von dem Notar zu einem teuren Erbvertrag überreden lassen. In diesem ist geregelt, dass seine und meine Söhne je zu gleichen Teilen erben, wenn wir beide nicht mehr sind. Nun haben wir von zwei Söhnen Enkelkinder und mit den anderen beiden keinerlei Kontakt. Deshalb möchten wir, dass diese nur den Pflichtteil bekommen und die, welche sich mit den Kindern abmühen, den größeren Teil. Mittlerweile sind wir Rentner und ein Notar fast unerschwinglich. Würde es reichen, zu dem notariellen Vertrag, handschriftlich, von uns beiden unterschrieben, einen Zusatz anzuheften? (Charlotte W., per E-Mail)

Dr. Max Braeuer: Nach Ihrer Darstellung ist anzunehmen, dass Sie mit Ihrem Mann verheiratet sind und dass jeder von Ihnen Kinder aus einer früheren Beziehung hat. Die vier Kinder, die Sie haben, sind also nicht gemeinsame Kinder, sondern stammen jeweils nur von einem von Ihnen beiden ab. Der Erbvertrag, zu dem der Notar Sie überredet hat, kann auch aus Ihrer Sicht damals durchaus sinnvoll gewesen sein. Sie haben damals gemeinsam ein Haus gekauft. Vermutlich hätte keiner von Ihnen sich das Haus alleine leisten können. Sie mussten beide das Vermögen, das Sie hatten, in das Haus einfließen lassen. Solange Sie leben, solange die Ehe dauert, haben Sie dann das gemeinschaftliche Haus, in dem Ihrer beider Vermögen steckt. Nach dem Tode der beiden Eheleute soll aber das jeweilige Vermögen in der Familie bleiben. Deshalb wird vereinbart, dass jedes der Kinder von seinem Elternteil dessen Anteil an dem Haus erbt. Solange aber einer von den beiden Eheleuten noch lebt, soll der das Haus alleine haben. Um dieses Ziel zu erreichen, das der Notar vermutlich mit Ihnen auch besprochen hat, war ein gemeinschaftliches Testament oder ein Erbvertrag nötig.

Der Notar hat Ihnen offenbar den Abschluss eines Erbvertrages und nicht ein gemeinschaftliches Testament empfohlen. Das ist etwas ungewöhnlich, hat für Sie aber keine Nachteile. Ein Erbvertrag hat im Todesfall die gleiche Wirkung wie ein gemeinschaftliches Testament, das die hier beschriebenen Regelungen enthält. Der Erbvertrag kann ebenso wie ein gemeinschaftliches Testament zu Lebzeiten der beiden Eheleute von Ihnen aufgehoben werden. Ist einer gestorben, so sind die Regelungen des Erbvertrages nicht mehr abänderbar. Dasselbe gilt für ein gemeinschaftliches Testament. Der einzige Unterschied ist: Von einem Erbvertrag kann sich keiner von Ihnen ohne Mitwirkung des anderen lösen. Ein gemeinschaftliches Testament könnte jeder von Ihnen auch alleine widerrufen, solange der andere noch lebt. Der Erbvertrag mag bei dem Notar teuer gewesen sein. Hätte er für Sie ein gemeinschaftliches Testament beurkundet, wären aber dieselben Kosten entstanden. Sie haben deshalb keinen Nachteil erlitten.

Inzwischen haben Sie beide Ihre Meinung geändert, was das Erbrecht der Kinder anbelangt. Das ist völlig legitim. Sie haben sich natürlich mit Abschluss des Vertrages nicht für alle Zeit schon gebunden. Sie können den Erbvertrag einfach wieder aufheben und ein neues Testament errichten. Die Aufhebung des Erbvertrages wird nicht wieder die Kosten verursachen, die Sie für die Errichtung an den Notar haben zahlen müssen. Eigentlich kann allerdings ein Erbvertrag auch nur wiederum durch einen notariellen Vertrag aufgehoben werden. Für Eheleute gilt allerdings eine Sonderregelung: Die Eheleute können ein einfaches gemeinschaftliches Testament errichten, in dem der Erbvertrag aufgehoben wird. Dieses gemeinschaftliche Testament können Sie mit der Hand schreiben. Es muss nur von beiden unterschrieben werden und ist dann ohne Weiteres gültig.

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