Ratgeber Recht

Wie läuft die Eröffnung eines Testaments ab?

| Lesedauer: 4 Minuten
Anwalt Max Braeuer (Familien- und Erbrecht).

Anwalt Max Braeuer (Familien- und Erbrecht).

Foto: Amin Akhtar

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt, Notar bei RAUE PartmbB und Experte für Familien- und Erbrecht. Hier beantwortet er Leserfragen.

Leserfrage: Kann man ein in Berlin beim Amtsgericht hinterlegtes Testament über einen Notar nachträglich ändern lassen? Werden darin angegebene Vermächtnisse nach der Testamentseröffnung überprüft, ob sie auch ausgezahlt (umgesetzt) werden? Werden alle Vermächtnisnehmer zur Eröffnung eingeladen? Kann man sein Vermögen auch ohne Haupterben aufteilen nach Prozenten?

Dr. Max Braeuer: Von der Testamentseröffnung haben viele Leute fantastische Vorstellungen, die vermutlich durch Fernsehfilme erzeugt worden sind. Die Testamentseröffnung ist kein feierlicher Akt, bei dem die ganze Familie vor dem Notar sitzt, und das Testament wird auch niemandem vorgelesen. Die Testamentseröffnung ist ein reiner Aktenvorgang. Üblicherweise wird dazu auch niemand eingeladen. Der Rechtspfleger beim Nachlassgericht sichtet alle Testamente, die ein Verstorbener hinterlassen hat, die beim Gericht hinterlegt waren oder die nach dem Tode dort eingereicht worden sind. Alle Testamente sind zu Lebzeiten eines Menschen geheim. Niemand darf ein verschlossenes Testament öffnen, und auch bei unverschlossenen Testamenten muss der Inhalt geheim bleiben. Der eigentliche Sinn der Testamentseröffnung ist, diesen Geheimnisschutz zu beenden. Von nun an kann jeder, der ein berechtigtes Interesse hat, beim Nachlassgericht alle Testamente einsehen. Jeder, der in dem Testament bedacht ist oder der etwa auch enterbt worden ist, wird vom Nachlassgericht informiert und bekommt eine Kopie des Testaments.

Nach dem Tode eines Menschen werden alle Testamente eröffnet, die beim Gericht hinterlegt oder eingereicht worden sind. Jedermann ist übrigens gesetzlich verpflichtet, ein Testament, das er findet, bei dem nächstgelegenen Amtsgericht abzugeben. Eröffnet werden deshalb auch solche Testamente, die längst widerrufen worden sind. Wenn Sie also Ihr gemeinschaftliches Testament bei einem Notar ändern wollen, dann ist das ohne weiteres möglich. Sie widerrufen oder ändern einfach das bei Gericht hinterlegte Testament. Gültig ist dann nur noch das neuere. Nach Ihrem Tode werden aber alle Testamente offen gelegt, und Ihre Angehörigen können so auch erfahren, was Sie ursprünglich verfügt hatten und dann widerrufen haben. Wenn Sie das vermeiden wollen, sollten Sie sich zunächst zum Nachlassgericht begeben und Ihr Testament wieder herausverlangen. Wenn ein gemeinschaftliches Testament herausgegeben werden soll, müssen beide Ehegatten hingehen. Sie werden das Testament bekommen und können es vernichten. Niemand wird deshalb später etwas davon erfahren. Allerdings müssen sie zur Rückgabe des Testaments beide persönlich beim Nachlassgericht erscheinen. Die Herausgabe ist ein ziemlich formeller Akt. Der Rechtspfleger überprüft Ihre Identität, denn das Testament darf niemand anderem als Ihnen ausgehändigt werden. Der Rechtspfleger wird auch ein persönliches Gespräch mit Ihnen führen, um sich davon zu überzeugen, dass Sie testierfähig sind, also wissen, was Sie tun. Sie werden über die Folgen der Herausgabe des Testaments belehrt. Über die Herausgabe wird ein Protokoll geschrieben, das Sie, der Rechtspfleger und ein Urkundsbeamter des Gerichts unterschreiben müssen.

Um seinen Nachlass muss sich jeder selbst kümmern

Das Nachlassgericht muss die Testamente verwahren, hat aber sonst keine Betreuungspflicht. Es wird sich insbesondere nicht darum kümmern, ob Vermächtnisse auch ausgeführt werden. Jeder, dem Sie im Testament ein Vermächtnis ausgesetzt haben, wird vom Nachlassgericht informiert. Er muss sich dann aber selber darum kümmern, dass er auch bekommt, was ihm zugedacht wurde. Wem ein Vermächtnis zugewandt worden ist, der erhält dieses Vermächtnis beim Tode des Erblassers nicht automatisch. Er hat nur einen Anspruch gegenüber dem eigentlichen Erben, dass dieser das Vermächtnis erfüllt. Den Anspruch kann er auch durchsetzen, notfalls durch Klage bei Gericht.

Sie können einen Erben einsetzen oder mehrere, die den Nachlass dann unter sich aufteilen müssen. Wenn Sie außerdem einzelne Vermächtnisse vergeben, müssen diese Erben die Vermächtniserfüllen, also vermachtes Geld auszahlen oder vermachte Gegenstände übergeben. Wenn Sie allerdings Zweifel haben, ob das auch geschehen wird, dann können Sie auch einen Testamentsvollstrecker bestimmen. Dessen Aufgabe ist es dann, uneigennützig alles das zu vollziehen, was im Testament angeordnet ist.

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