Ratgeber Recht

Welche Folgen die Adoption eines Kindes hat

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Anwalt Max Braeuer (Familien- und Erbrecht).

Anwalt Max Braeuer (Familien- und Erbrecht).

Foto: Amin Akhtar

Dr. Max Braeuer, er ist Rechtsanwalt, Notar bei RAUE PartmbB und Experte für Familien- und Erbrecht. Hier beantwortet er Leserfragen.

Frage: Ich bin seit 1995 geschieden und lebe seit 1996 mit meinem jetzigen Lebensgefährten zusammen. Wir sind nicht miteinander verheiratet. Aus meiner geschiedenen Ehe habe ich zwei Kinder mitgebracht (geb. 1981 und 1984) und mein Lebensgefährte ein Kind (geb. 1983). Ist es gesetzlich sowie rechtlich möglich, dass meine Tochter von meinem Lebensgefährten adoptiert werden kann? Es besteht kein Kontakt zwischen meiner Tochter und ihrem leiblichen Vater. Sollte ihr leiblicher Vater, also mein Exmann, einmal pflegebedürftig werden, wird sie dann trotzdem zur Unterhaltspflicht herangezogen? Kann diese gesetzliche Regelung mit einer Adoption wegfallen? Oder ist meine Tochter später für zwei Väter unterhaltspflichtig?

Dr. Max Braeuer: Wenn Ihre Tochter und Ihr Partner, also der zukünftige Adoptivvater Ihrer Tochter, die Adoption wollen, dann wird das rechtlich möglich sein. Eine Adoption setzt voraus, dass zwischen dem annehmenden Teil und demjenigen, der adoptiert wird, eine Art Eltern-Kind-Beziehung besteht oder zu erwarten ist. Ihre Tochter war elf oder 14 Jahre alt (das geht aus Ihren Angaben nicht klar hervor), als Sie die Partnerschaft mit dem Mann aufgenommen haben. Es ist also zu vermuten, dass Sie schon lange in einem gemeinsamen Haushalt gelebt haben. Dann ist eine Adoption möglich. Allerdings sollten Sie sich fragen, was durch die Adoption eigentlich erreicht werden soll. Wenn Sie das für sich beschrieben haben, lässt sich beurteilen, ob die Adoption sinnvoll ist oder nicht.

Bei Volljährigen werden leibliche Eltern nicht gefragt

Ihre Tochter ist erwachsen. Auch als erwachsene Frau kann sie noch von Ihrem Partner als Kind angenommen werden. Das ist sogar sehr viel einfacher als die Adoption eines minderjährigen Kindes. Dafür ist nur ein gemeinsamer Antrag von Vater und Tochter notwendig, der allerdings notariell beurkundet sein muss. Die eigentlichen Eltern, also Sie und der leibliche Vater, werden nicht gefragt. Ihre Zustimmung wäre nur notwendig, wenn Sie mit Ihrem Partner, dem zukünftigen Adoptivvater, verheiratet wären.

Weil die Volljährigenadoption deutlich leichter zu erreichen ist, hat sie auch deutlich geringere Auswirkungen als eine Minderjährigenadoption. Das Adoptionsverhältnis entsteht nur zwischen Ihrer Tochter und Ihrem annehmenden Partner. Beide gelten danach als miteinander verwandt. Ihre Tochter erlangt dieselbe Stellung wie ein leibliches Kind. Alle anderen Verwandtschaftsverhältnisse verändern sich nicht. Das Kind Ihres Partners wird also nicht das Geschwisterkind Ihrer Tochter, und auch das Vater-Kind-Verhältnis zu dem leiblichen Vater verändert sich nicht.

Hauptmotiv ist in der Regel, einen direkten Erben zu haben

Tatsächlich würde Ihre Tochter nach der Adoption zwei Väter haben, den leiblichen und den annehmenden. Im Verhältnis zu beiden Vätern entstehen dieselben vollen verwandtschaftlichen Wirkungen. Beide Väter sind bei Bedarf gegenüber der Tochter unterhaltspflichtig, und beide haben auch einen Anspruch auf Unterhalt, wenn sie selbst in Not geraten. Diese Auswirkungen machen eine Volljährigenadoption für die meisten Menschen uninteressant.

Das Hauptmotiv für eine solche Adoption ist in der Regel, einen direkten Erben zu haben. Manchmal geht es auch darum, dass das angenommene Kind den Namen seines Adoptivvaters haben möchte, was immer die Folge einer Volljährigenadoption ist. Das leibliche Kind Ihres Partners müsste also zukünftig seine Erbschaft mit Ihrer Tochter teilen. Ob das gewollt ist, lässt sich aufgrund Ihrer Anfrage nicht beurteilen.

Anstelle einer Volljährigenadoption kommt in Ihrem Falle aber möglicherweise auch eine Adoption in Frage, die dieselben Wirkungen wie eine Minderjährigenadoption hat. Das kommt in Betracht, wenn die tatsächlich gelebten Verhältnisse auch die formal rechtlichen werden sollen. Ihre Tochter war noch minderjährig, als Ihr Partner in die Familie kam. Da Sie berichten, dass Ihre Tochter zu ihrem leiblichen Vater keinerlei Beziehungen mehr hat, hat Ihr Partner möglicherweise die Vaterstelle eingenommen. Ob das tatsächlich so ist, wird von dem Familiengericht, das die Adoption aussprechen müsste, ziemlich genau geprüft. Möglicherweise würde das leichter fallen, wenn Sie Ihren Partner auch geheiratet hätten. Akzeptiert das Gericht die nachgeholte Minderjährigenadoption, dann endet allerdings das Verwandtschaftsverhältnis zu dem leiblichen Vater. Dann kann auch keine Unterhaltspflicht mehr entstehen.

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