Die Supermarktregale sind gerade voll mit Spekulatius und Lebkuchen. Doch viele plagt schon beim Anblick das schlechte Gewissen. Studien zufolge ist ungefähr die Hälfte aller deutschen Frauen unzufrieden mit ihrem Gewicht.

Essen, besonders wenn es um „energiereiche Lebensmittel“ wie Süßes oder Fast Food geht, ist mit entsprechend viel Scham und Schuldgefühlen verbunden. Dass der Genuss dabei auf der Strecke bleibt, findet die Diätologin Isabel Bersenkowitsch aus Wien gefährlich. Im Interview erzählt sie, warum der BMI keine Aussagekraft über die Gesundheit hat und warum es okay ist, Fertigprodukte zu essen.

Sie sagen, Diäten seien sozial akzeptierte Essstörungen. Inwiefern?

Isabel Bersenkowitsch: Natürlich sind Essstörungen komplexer, aber das Verhalten ist sehr ähnlich: Man denkt die ganze Zeit an Essen, entwickelt Heißhunger, man nimmt viel Gewicht ab und wieder zu, man teilt Lebensmittel in gut und schlecht ein, fühlt sich schuldig, wenn man „schlechte“ Lebensmittel isst. Bei dünnen Menschen tolerieren wir so ein gestörtes Essverhalten nicht, aber bei dicken Menschen loben wir, ja, empfehlen es sogar.