Es ist der Tag nach der Not-OP. Mit meinem Nachthemd hochgezogen bis zum Hals stehe ich im Krankenhauszimmer vor dem Spiegel. Was ich sehe, ist ein Schlachtfeld. Geklammerte Wunden, Schläuche, getrocknetes Blut. Von meinen Brüsten ist kaum noch etwas übrig. Wie zwei Ballons, aus denen die Luft rausgelassen wurde. Ich weine. Später kommt Dr. Stern in mein Zimmer. Er ist der Arzt, der mir heute Nacht das Leben gerettet hat – nachdem meine Brustvergrößerung, in einer anderen Klinik, dramatisch schiefgegangen war.

„Weißt du, du bist so eine tolle Frau, du brauchst keine Brüste“, sagt Dr. Stern. Klingt seltsam, eine Frau, deren Brüste entfernt wurden, mit dieser Bemerkung trösten zu wollen. Aber genau dieser Satz half mir aus irgendeinem Grund. Er rückte etwas Entscheidendes in mir gerade. Vielleicht, weil er es so direkt auf den Punkt brachte. Ich, die Frau, die seit Jahrzehnten von der Sucht nach Perfektion gequält wurde, kapierte plötzlich: Schön, weiblich, perfekt sein zu wollen definiert nicht meinen Wert. Meine Kraft, mein Stolz, ist das, was mich wirklich ausmacht. Und ich war einfach nur glücklich, am Leben zu sein.

Beauty-OP: So kam es zu der Entscheidung für die Brustvergrößerung