Mehr als fünf Millionen Menschen in Deutschland laborieren derzeit einem Bericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) zufolge an einer Atemwegserkrankung herum. Seit zwei Wochen steigt die Kurve steil an. Prof. Oliver Witzke, Chef-Infektiologe der Uniklinik Essen, erwartet auch jenseits von Corona eine schwere Krankheitssaison.
Im Interview erklärt Witzke, warum auch Erwachsene das häufig bei Kindern verbreitete RS-Virus nicht unterschätzen sollten und weshalb trotz vorhandener Impfstoffe mutmaßlich viele Menschen auf eine Schutzimpfung verzichten könnten.
Herr Witzke, im vergangenen Jahr war angesichts von Millionen Krankheitstagen von Nachholeffekten wegen der Corona-Schutzmaßnahmen die Rede. Geht das jetzt so weiter?
Witzke: Es gab tatsächlich einen riesigen Nachholeffekt, nicht nur bei Kindern. Viele Menschen hatten das Gefühl, aus dem Infektionszyklus gar nicht mehr herauszukommen. Coronaviren, Rhinoviren, Respiratorische Synzytial-Viren, also RSV, und Grippeviren waren gleichzeitig unterwegs. Hatte man sich von einem Infekt erholt, kam der nächste. Als gesunder Mensch ist man dann schon ständig erschöpft und kränklich, aber kranke und ältere Menschen kommen da schnell an die Grenzen der Kompensationsfähigkeit. Wir machen uns schon Sorgen, dass es auch in diesem Jahr noch mal einen erheblichen Nachholeffekt geben wird. Das Gesundheitssystem bereitet sich darauf vor.


