Pandemie

Astrazeneca: Forscher finden Verunreinigungen im Impfstoff

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Ursache für Blutgerinnsel nach Covid-Impfung entdeckt

Ursache für Blutgerinnsel nach Covid-Impfung entdeckt

Deutsche Forscher haben eine Ursache für die seltenen aber gefährlichen Thrombosen nach Impfungen mit Astrazeneca und Johnson & Johnson gefunden. Somit können die Impfstoffe somit optimiert werden.

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Forscher aus Ulm haben Verunreinigungen in drei Chargen des Vakzins von Hersteller Astrazeneca gefunden. Die Folgen sind noch unklar.

Ulm/London. 
  • In mehreren Chargen wurden Verunreinigungen im Astrazeneca-Impfstoff gefunden
  • Negative Auswirkungen auf Geimpfte dürften die meisten davon nicht haben
  • Dennoch sind die Folgen unklar

Der Corona-Impfstoff des schwedisch-britischen Herstellers Astrazeneca kommt nicht aus den Schlagzeilen. Jetzt sorgt eine Untersuchung von Wissenschaftlern der Universitätsmedizin Ulm für Verunsicherung. Diese hatten in drei Chargen Verunreinigungen durch Proteine entdeckt. Was diese für Folgen haben könnten, ist bisher unklar.

Der Proteingehalt pro Impfdosis habe deutlich über der theoretisch zu erwartenden Menge gelegen, heißt in einer Mitteilung zur Studie. Ob die Verunreinigungen die Wirksamkeit des Vakzins beeinflusst, oder ob es einen Zusammenhang zu Impfreaktionen gibt, könne nicht beurteilt werden. Dafür brauche es weitere Untersuchungen, betonten die Forscher. Ihre Studie ist bisher als Preprint erschienen. Aktuell wird sie von unbeteiligten Experten für die Veröffentlichung in einem wissenschaftlichen Fachjournal begutachtet.

Astrazeneca verunreinigt: Mehr als 1000 Proteine in drei Chargen

Gefunden wurden laut der Studie menschliche und virale Proteine, vor allem sogenannte Hitzeschock-Proteine. Insgesamt seien in den drei untersuchten Chargen mehr als 1000 Proteine festgestellt worden. Negative Auswirkungen auf Geimpfte dürften die meisten davon nicht haben, sagte Studienleiter Stefan Kochanek. Doch er schränkte ein: „Hitzeschock-Proteine sind bekannt dafür, dass sie angeborene und erworbene Immunantworten modulieren und bestehende Entzündungsreaktionen verstärken können. Sie wurden zudem schon mit Autoimmunreaktionen in Verbindung gebracht.“

Die Vielzahl der gefundenen Verunreinigungen, von denen zumindest einige negative Effekte haben könnten, mache es nötig, den Herstellungsprozess und die Qualitätskontrolle des Impfstoffs zu überarbeiten, erklärte der Spezialist für Gentherapien. Dadurch ließe sich neben der Sicherheit womöglich auch die Wirksamkeit des Vakzins erhöhen. „In der Pharmaindustrie gilt die möglichst weitgehende Entfernung solcher Verunreinigungen aus biotechnologisch hergestellten therapeutischen Proteinen als ein sehr wichtiges Qualitätsmerkmal“, heißt es in der Pressemitteilung.

„Für Biochemiker ziemlich erschreckend“

Der Virologe Alexander Kekulé beurteilt die Ulmer Studie als wissenschaftlich hochwertig. Für unmittelbar gesundheitlich bedenklich hält er die Verunreinigungen nicht. Die sehr seltenen, nach Impfungen mit Astrazeneca aufgetretenen Fälle von Hirnthrombosen, sind seiner Ansicht nach eher nicht darauf zurückzuführen. Lesen Sie dazu auch:Hirnvenenthrombose: Das sind die Symptome

Bloß weil der Impfstoff verunreinigt sei, heiße das nicht, „dass was Schädliches drin ist“, sagte der Professor der Universität Halle-Wittenberg in seinem Corona-Podcast. „Auf der anderen Seite sind es eben über 1000 Komponenten, über 1000 verschiedene Proteine, die die gefunden haben. Also wenn man die Daten als Biochemiker ansieht, dann muss man schon sagen, das ist ziemlich erschreckend“, so Kekulé weiter.

Hersteller betont „höchstmögliche Standards“

Ärgerlich sei, dass die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) das Problem bei der Zulassungsprüfung nicht bemerkt habe. Seiner Ansicht nach hätte der Impfstoff keine Zulassung bekommen, wenn die Verunreinigungen bekannt gewesen wären.

Aus Kreisen des britisch-schwedischen Pharmaunternehmens hieß es, die klinische Erfahrung lege nahe, dass die im Impfstoff verbliebenen Proteine auf einem sicheren und teilweise niedrigeren Niveau als bei anderen ähnlich hergestellten Vakzinen sei. Eine 100-prozentige Reinheit sei nicht zu erreichen. Das Unternehmen arbeite zu den höchstmöglichen Standards. (kai/dpa)