Ratgeber Recht

Wann Gütertrennung sinnvoll sein kann

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt, Notar bei RAUE PartmbB und Experte für Familien- und Erbrecht.

Rechtsanwalt Dr. Max Braeuer.

Rechtsanwalt Dr. Max Braeuer.

Foto: Amin Akhtar

Leserfrage: Ich habe vor fünf Jahren ein Haus gebaut und dafür eine Hypothek aufgenommen, die ich auch alleine abzahle. Gleichzeitig habe ich ein kleines Unternehmen gegründet. Ich habe einen Sohn aus einer früheren Beziehung. Nun möchte ich heiraten. Mein Verlobter hat vier Kinder aus erster Ehe. Wie sichere ich mich und meinen Sohn ab? Sollte ich oder mein Mann sterben, bekommen seine Kinder auch etwas? Ist ein Testament sinnvoll oder ist die Zugewinngemeinschaft die bessere Lösung?

Dr. Max Braeuer: In Ihrem Fall geht es nicht um die Alternative, ob Sie einen Güterstand vereinbaren oder ein Testament machen. Beides sollten Sie beachten. Sie könnten in Ihrem Fall besonders daran denken, mit Ihrem zukünftigen Ehemann durch einen Ehevertrag die Gütertrennung zu vereinbaren. Dadurch wird ein Zugewinnausgleich ausgeschlossen, falls es zu einer Scheidung kommt.

Gütertrennung wird vielfach aufgrund von Missverständnissen oder auf falschen Ratschlägen vereinbart. In Ihrem Fall kann das jedoch sinnvoll sein. Es kann beispielsweise sinnvoll sein, dass das Vermögen von Mann und Frau in der Ehe getrennt gehalten werden, wenn beide schon etwas mitbringen, an dessen Wertsteigerung der andere voraussichtlich nicht mitwirken wird. Bei der Eheschließung sind Sie nicht am Beginn Ihres Berufslebens, und Sie haben auch schon eine Familie.

Wenn Sie hingegen keinen Ehevertrag abschließen, gilt für Sie der gesetzliche Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Sie müssten im Falle einer Scheidung mit Ihrem Mann all das teilen, was an Vermögenszuwachs in der Ehe entstanden ist. Diesen Zuwachs wird es bei Ihnen voraussichtlich geben. Sie haben ein Haus gekauft, dessen Schulden Sie tilgen. Je mehr Schulden Sie zurückzahlen, umso größer wird auch Ihr Vermögen. Wenn Sie gerade ein Unternehmen gegründet haben, können Sie ebenfalls damit rechnen, dass der Wert dieses Unternehmens in den kommenden Jahren steigt. Das müssten Sie in der Zugewinngemeinschaft mit Ihrem Ehemann teilen, wenn die Ehe scheitert.

Wenn Sie Gütertrennung vereinbaren wollen, müssen Sie möglichst vor der Eheschließung zu einem Notar gehen, der Sie dann im Einzelnen zu den Chancen und Risiken des Ehevertrages beraten wird.

Mit Ihrem Sohn hat dieser Ehevertrag zunächst natürlich noch nichts zu tun. Die Gütertrennung führt auch nicht dazu, dass Ihr Sohn im Falle Ihres Todes automatisch Ihr Alleinerbe wäre. Wenn Sie kein Testament machen, dann erbt Ihr Sohn gemeinsam mit Ihrem Witwer, auch wenn dieser Mann nicht sein Vater ist. Die Kinder Ihres Mannes erben von Ihnen nichts, denn mit diesen Kindern sind Sie nicht verwandt. Die Kinder Ihres Mannes werden aber voraussichtlich das erben, was ihr Vater hinterlässt. Dazu wird auch das gehören, was er von Ihnen geerbt hat. Auf diese Weise werden Ihre Stiefkinder doch von Ihrem Vermögen profitieren. Ihr Sohn hingegen wird beim Tode seines Stiefvaters nichts erben, weil er mit ihm ja nicht verwandt ist.

Der Ehemann erhält auf jeden Fall seinen Pflichtteil vom Erbe

Um diese Rechtsfolgen zu verhindern, sollten Sie jedenfalls ein Testament machen. Mit diesem Testament können Sie entweder Ihren Sohn zum Alleinerben bestimmen. Dann erbt Ihr Mann nichts. Oder Sie können auch Ihren Mann zum Erben bestimmen, ihn aber nur zum Vorerben machen. Dann geht im Fall seines Todes Ihr Vermögen nicht an die Kinder Ihres Mannes, sondern an Ihren Sohn, den Sie zum Nacherben bestimmt haben.

Sowohl der Ehevertrag als auch das Testament können allerdings nicht verhindern, dass Ihr Mann, wenn er Sie überlebt, einen Pflichtteilsanspruch hat. Auch wenn Sie Ihren Sohn zum Alleinerben bestellen, hat Ihr Ehemann einen Pflichtteilsanspruch. Sie können ihm diesen Anspruch nicht einseitig entziehen. Wenn Ihr Mann einverstanden ist, kann er allerdings darauf verzichten. Das müsste im Zusammenhang mit dem Ehevertrag geschehen und wäre dann ein Erbverzicht, der ebenso wie der Ehevertrag notariell beurkundet werden muss.

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