Ratgeber Recht

Brauchen wir einen Testamentsvollstrecker?

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt, Notar bei RAUE PartmbB und Experte für Familien- und Erbrecht.

Dr. Max Braeuer

Dr. Max Braeuer

Foto: Amin Akhta

Leserfrage: Im Testament ist der erste Erbe als Testamentsvollstrecker benannt. Ich als Ehemann der zweiten Erbin bin als Ersatztestamentsvollstrecker eingetragen. Der erste Erbe meint nun, dass wir keinen Testamentsvollstrecker benötigen. Ist diese Aussage richtig?

Dr. Max Braeuer: Bei Ihnen ist offenbar der Erbfall schon eingetreten. Der Verstorbene hat ein Testament hinterlassen, in dem er zwei Personen zu seinen Erben eingesetzt hat. Er hat gleichzeitig Testamentsvollstreckung angeordnet und einen der beiden Erben zum Testamentsvollstrecker ernannt. So etwas kann vorkommen, wenn ein Vater seine beiden Kinder zu Erben einsetzt. Die Fragen, die Sie stellen, ergeben sich aber genauso, wenn die beiden Erben nicht verwandt sind, einander sogar vielleicht völlig fremd.

Die Frage, ob ein Testamentsvollstrecker notwendig oder sinnvoll ist, hat sich gestellt, als das Testament aufgesetzt wurde. Einen Testamentsvollstrecker zu bestellen, ist eine Möglichkeit, die im Erbrecht konkret vorgesehen ist. Es ist allein Sache des Erblassers, der das Testament verfasst, zu entscheiden, ob er einen Testamentsvollstrecker für sinnvoll hält oder nicht. Für die beiden Erben stellt sich die Frage nicht. Sie müssen die Anordnung im Testament einfach hinnehmen.

Wenn ein Testamentsvollstrecker bestellt ist, dann kann das für die Erben durchaus eine Entlastung sein. Der Testamentsvollstrecker hat nämlich die Pflicht, sich um den Nachlass zu kümmern. Er muss den Nachlass aufnehmen, die Nachlassgegenstände zusammentragen und ein vollständiges Verzeichnis herstellen von dem, was der Verstorbene hinterlassen hat. Der Testamentsvollstrecker muss alles veranlassen, was durch den Tod des Erblassers notwendig geworden ist. Dazu gehören das Begräbnis, die möglicherweise notwendige Wohnungsauflösung und die Bezahlung offener Schulden. Wenn diese Arbeiten alle erledigt sind, hat der Testamentsvollstrecker den Nachlass auf die beiden Erben zu verteilen.

Für den Erblasser, der das Testament formuliert, kommt die Bestellung eines Testamentsvollstreckers vor allem dann in Frage, wenn er damit rechnet, dass sich die beiden Erben untereinander nicht einig sein werden. Geschwister können tief zerstritten sein. Sie werden sich deshalb über die Verwaltung des Nachlasses und insbesondere auch über die Aufteilung nicht einigen können. All das erledigt dann der Testamentsvollstrecker und entscheidet anstelle der beiden Erben. Aus diesem Grunde kann die Testamentsvollstreckung auch sehr belastend sein. Der Testamentsvollstrecker muss sich nicht an Weisungen der Erben halten, wenn es um die Verwaltung des Nachlasses, etwa die Veräußerung einzelner Gegenstände geht. Wie er den Nachlass verteilt, ob er dafür Nachlassgegenstände verkauft oder die Dinge auf die beiden Erben aufteilt, entscheidet er, wenn die Erben nicht einig sind. Der Testamentsvollstrecker hat eine sehr starke Machtstellung.

In Ihrem Falle scheinen die Erben nicht zerstritten zu sein, sondern einig. Deshalb ist auch der erste Erbe der Ansicht, dass eine Testamentsvollstreckung nicht erforderlich sei. In einem solchen Falle lässt sich die Testamentsvollstreckung vermeiden. Zwar können die Erben sich gegen einen Testamentsvollstrecker nicht wehren. Der Testamentsvollstrecker selbst hat es aber in der Hand, ob er das Amt annimmt. Er kann auch gegenüber dem Nachlassgericht erklären, dass er die Testamentsvollstreckung nicht annehmen wolle. In diesem Falle zwingt ihn keiner dazu. Hier ist allerdings im Testament ein Ersatztestamentsvollstrecker benannt worden. Das sind Sie, der Ehemann der zweiten Erbin. Wenn nun der zunächst benannte Testamentsvollstrecker das Amt ablehnt, dann fällt es automatisch Ihnen zu. Auch Sie müssen das allerdings nicht annehmen. Sie können etwa mit dem ersten Testamentsvollstrecker dem Nachlassgericht mitteilen, dass Sie beide das Amt nicht annehmen würden. In diesem Falle können die beiden Erben ungehindert durch einen Testamentsvollstrecker den Nachlass auseinander setzen.