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Wann sich eine Rechtsschutzversicherung tatsächlich lohnt

Ein schöner Gedanke, sich gegen alle Ungerechtigkeiten wehren zu können. Für wen eine Rechtsschutzversicherung wirklich sinnvoll ist.

Lohnt sich eine Rechtsschutzversicherung (Symbolbild)

Lohnt sich eine Rechtsschutzversicherung (Symbolbild)

Foto: Arne Dedert / dpa

Berlin. Das Hotel war nicht das versprochene Idyll am Strand, sondern eher eine Baustelle? Der Diesel fährt mit manipulierter Abgassteuerung? Und der Vermieter will schon wieder mehr Geld? Alles möchte man sich ja nicht gefallen lassen. Ein gutes Gefühl also zu wissen, dass man im Fall eines Rechtsstreits versichert ist. Oder?

Immerhin jeder zweite Haushalt hat eine Rechtsschutzversicherung. Und die so Versicherten vertrauen im Fall eines Streits auf Unterstützung.

Das Portal Finanztip hat Rechtsschutzversicherungen untersucht. Gleich vorneweg gesagt: Sie helfen nicht immer, ein Rundum-sorglos-Versprechen gibt es nicht. Um so wichtiger ist es, sich klarzumachen, welchen Schutz man braucht, und was die zur Wahl stehende Versicherung leistet. Denn es gibt sehr große Unterschiede in der Leistungsfähigkeit.

Wenn versichert, dann möglichst breit gefächert

Weil man ja vorher nicht weiß, wofür man einen Anwalt braucht, hat Finanztip untersucht, welche Rechtsschutzversicherer eine möglichst umfangreiche Leistung zu einem guten Preis anbieten – wo also das Preis-Leistungs-Verhältnis besonders gut ist. Das war am Ende das wichtigste Kriterium bei der Untersuchung.

Insgesamt unterscheiden die Versicherer beim Schutz für Privatleute vier Rechtsbereiche:

  • Beruf
  • Wohnen
  • Verkehr
  • Privates

Zwei Tarife schnitten in der Analyse in allen Bereichen gut ab: „Arag Komfort“ und „Auxilia Jurprivat“. Wer besonderen Wert auf Arbeits- und Familienrecht legt, für den könnte auch der Tarif „PBV Plus“ von Huk24 interessant sein. Nur minimale Abstriche in der Leistung gibt es im vergleichsweise günstigen Tarif „Optimal“ der WGV-Versicherung.

Wer schon versichert ist

Vor Abschluss einer Rechtsschutzversicherung sollte jeder prüfen, ob er nicht bereits über die Gewerkschaft oder einen Verkehrsclub abgesichert ist. Solche Mitgliedschaften enthalten oft schon eine (teilweise) Absicherung in den Bereichen Arbeitsrecht beziehungsweise Verkehrsrecht.

Außerdem sollte Interessierte das Risiko, vor Gericht zu laden, nicht überschätzen. In einer Umfrage der Roland-Versicherung aus dem Jahr 2018 gaben nur 27 Prozent der Befragten an, in den letzten zehn Jahren an einem Gerichtsprozesse beteiligt gewesen zu sein – als Kläger, Beklagter oder auch Zeuge.

Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung hat, sollte hingegen in aller Regel auch einen Rechtsschutz abschließen. Denn weigert sich die Berufsunfähigkeitsversicherung zu zahlen, geht es meist um viel Geld.

Was im Schutz eingeschlossen ist ...

Auch wenn der Versicherungsschutz alle vier Bereiche abdeckt, also Privates, Beruf, Wohnen und Verkehr, heißt das nicht, dass alles abgesichert ist. Deswegen hier ein Überblick, was normalerweise dazugehört.

Leistungsstarke Tarife zahlen in der Regel bei Streit rund um Reise-, Kauf-, Dienstleistungs- und Versicherungsverträge, etwa wenn der Handwerker gepfuscht hat oder der Versicherte wegen Reisemängeln Geld zurückverlangt. Streit im Job um Lohn, Urlaub oder Kündigung ist abgedeckt, auch ein Streit mit dem Finanzamt.

Der Versicherungsschutz gilt außerdem für Verkehrsdelikte, Ordnungswidrigkeiten und fahrlässige Vergehen. Wird dem Versicherten vorgeworfen, er hätte die Tat vorsätzlich begangen, zahlt nicht jede Versicherung.

Und wer zur Miete wohnt, kann in der Regel seine Versicherung in Anspruch nehmen, um zum Beispiel Mieterhöhungen oder Eigenbedarfskündigungen prüfen zu lassen.

Versichert ist auch, wenn man einen Anspruch auf Schadensersatz hat, beispielsweise nach einem Unfall mit dem Auto, dem Fahrrad oder zu Fuß. Allerdings springt die Versicherung nicht ein, um einen solchen Anspruch abzuwehren. Da hilft aber die Haftpflichtversicherung, die den Schaden sonst zahlen müsste. (Und die sollte jeder haben.)

… und was nicht eingeschlossen ist

Es gibt noch ein paar Bereiche, wo die Rechtsschutzversicherung üblicherweise nicht einspringen: In Fragen von Unterhalt, Streit um Erbschaft oder Sorgerechtsfragen – gerade auch nach einer Scheidung – finanziert die Versicherung keinen Prozess. Schon gar nicht, wenn die Kontrahenten gemeinsam eine Familienversicherung haben.

Wer baut oder eine Immobilie finanziert, hat in diesen Fragen ebenfalls keinen Rechtsschutz. Schwierig wird es auch bei Auseinandersetzungen um spekulative Kapitalanlagen oder Wetten. Auch da zahlt kaum eine Versicherung. Wenn jemand vorsätzlich eine Straftat begeht, sowieso nicht.

Kein Rechtsschutz im Nachhinein

Egal, für welchen Tarif man sich entscheidet: Eine Rechtsschutzversicherung springt nicht ein, wenn ein Fall bei Abschluss des Vertrages schon ein „Fall“ war, ein Konflikt also schon lodert. Und wer gegen alles und jeden vorgehen oder gar den Erzfeind ärgern will? Der ist seine Versicherung schneller wieder los, als er „Rechtsschutzversicherungsbedingungen“ buchstabieren kann. Viele Versicherer nehmen sich das Recht raus, schon nach zwei Fällen innerhalb von zwölf Monaten kündigen zu können. Und sie werden von diesem Recht im Zweifel auch Gebrauch machen.

Beratung in allen Fällen

Aber es muss ja nicht immer gleich zum Rechtsstreit kommen. Versicherte können ihren Rechtsschutzanbieter auch als rechtliche Info-Stelle nutzen. Denn telefonische Rechtsberatung bieten die meisten Rechtsschutzversicherungen an. In guten Tarifen können Versicherte sich sogar in allen, auch nicht versicherten, Rechtsgebieten eine Einschätzung holen. Ohne Gefahr zu laufen, danach vom Versicherer aus dem Vertrag geworfen zu werden. Bei leistungsstarken Anbietern geht das sogar rund um die Uhr.

• Dieser Beitrag erscheint in einer Kooperation mit finanztip.de. Finanztip ist gemeinnützig und hilft Verbrauchern bei den täglichen Finanzentscheidungen.